https://www.faz.net/-gtm-92jh8

Mainz 05 : „Ich bin Diener und nicht der König“

Freut sich auf seine Aufgabe bei 05: Präsident Johannes Kaluza. Bild: Picture-Alliance

Die Führungsstruktur von Mainz 05 ist 100 Tage alt. Vereins- und Vorstandschef Johannes Kaluza sieht seine Rolle vornehmlich darin, den Bundesligaklub zu repräsentieren.

          4 Min.

          Eine ganz wichtige Frage ist bei Mainz 05 mittlerweile geklärt: Der Vorstand des Gegners darf bei den Heimspielen in der Fußball-Bundesliga vom neuen Vorstandsvorsitzenden Johannes Kaluza oder auch vom Aufsichtsratsvorsitzenden Detlev Höhne begrüßt werden. Wer den Gästen zuerst über den Weg läuft, der übt sich in Höflichkeit. Was wie eine Selbstverständlichkeit klingen mag, war eben keine Selbstverständlichkeit mehr, nachdem Mainz 05 am 25. Juni bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung eine neue Struktur samt Aufsichtsrat und neuem Vorstandsvorsitzenden verabschiedet hatte. Plötzlich gab es neben dem Vereinsvorsitzenden eben auch noch den Aufsichtsratsvorsitzenden Höhne und eben die im Aufsichtsrat diskutierte protokollarische Frage, wer denn nun den Verein beim Händeschütteln zu repräsentieren habe.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          100 Tage alt ist die neue Struktur nun und somit jene Zeit abgelaufen, die sich der 62 Jahre alte Kaluza nach seinem knappen Wahlsieg gegen den früheren Vizepräsidenten Jürgen Doetz als Anleihe aus der großen Politik als Schonfrist für die Einarbeitung erbeten hatte. Kaluza, der mit seiner Wahl seinen schleichenden Ausstieg aus der Tätigkeit als Geschäftsführer eines Essigessenz-Herstellers eingeleitet hat, nutzte die Zeit, um sich mit Fritz Keller auszutauschen, der in der sehr ähnlichen Struktur des SC Freiburg Vorsitzender ist. Er setzte seine „Weiterbildung“ mit Besuchen beim DFB-Fankongress oder dem F.A.Z.-Forum International Football Summit fort, er stellte sich bei DFB und DFL vor. „Ganz untätig waren wir in dieser Zeit auch im Verein nicht“, sagt Kaluza. „Wir haben uns um die Verbesserung der Wege zum Stadion gekümmert, wir suchen gemeinsam mit der Fanabteilung nach Möglichkeiten der Imagepflege, wir haben beispielsweise mit Streetfood rund ums Stadion das Angebot für die Zuschauer verbessert. Wir haben das Noveski-Abschiedsspiel als ein ganz wichtiges Ereignis für die Fan-Seele organisiert und auch den Alt-Vorstand würdevoll verabschiedet.“ Formal ist also die neue Zeit eingeläutet.

          Tatsächlich aber ist Mainz 05 noch mitten im Umbruch. Entsprechend herrscht noch immer große Verunsicherung und auch Misstrauen unter den 80 Geschäftsstellenmitarbeitern eines Klubs, der durch die mehr als anderthalb Jahre dauernde Vorstandskrise, ausgelöst durch den Abschied von Manager Christian Heidel nach Schalke und dem Bekanntwerden von fürstlicher Honorierung und eher lauem Arbeitsselbstverständnis des Präsidenten Harald Strutz, schwer erschüttert wurde. „Das ist aber auch ganz normal, dass der Verein in einer Findungsphase ist nach den tiefgreifenden Veränderungen“, sagt Kaluza. „Es ist ja in der ersten Reihe kein Gesicht mehr da, das auch schon vor zwei Jahren den Verein nach außen hin repräsentiert hat.“ Neben Vorstand und Aufsichtsrat sind schließlich auch Sportvorstand Rouven Schröder und Trainer Sandro Schwarz noch recht neu auf ihren Posten, der an sich wirtschaftlich wie sportlich stabile Klub hat eine Umwälzung erlebt wie sonst nur ein finanziell ruinierter Absteiger. Erst ab der unveränderten, nicht vertretungsberechtigten Ebene darunter auf der Geschäftsstelle mit den Verantwortlichen für Marketing, Finanzen, Organisation oder Öffentlichkeitsarbeit hat der Verein Konstanz gewahrt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Israelische Polizisten bei einer Demonstration am 12. Mai in Lod

          Ausschreitungen in Israel : „Es geht ihnen nicht um Koexistenz“

          Nach den Unruhen in Jerusalem ist die Gewalt in vielen gemischten Orten in Israel eskaliert. Besonders schlimm war es in Lod, einer Achtzigtausend-Einwohner-Stadt, in der jeder Dritte einen arabischen Hintergrund hat.
          Streitobjekt in der Klimadebatte: Lufthansa-Flugzeug landet in Frankfurt.

          Klimadebatte : Der Zug ist im Inland günstiger als der Flug

          Keine Inlandsflüge und keine Billigtickets mehr – mit diesen Forderungen wird Fliegen zum Wahlkampfthema. Dabei gibt es innerdeutsch schon jetzt fast keine Schnäppchen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.