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Mainz 05 : Dribblings, Alleingänge und Kumpeltaktik

  • -Aktualisiert am

Was wird aus Giulio Donati? Der Italiener steht derzeit nicht ganz so hoch im Kurs bei Mainz 05. Bild: dpa

Im Heimspiel gegen Borussia Dortmund muss sich Mainz 05 hüten vor Soli der flinken Dribbler des BVB. Auch abseits des Platzes sind Alleingänge ein Ärgernis für den Klub.

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          Mit Alleingängen ist das so eine Sache im Fußball: Der Zuschauer liebt den Dribbler, wenn der Ball am Ende im Tor liegt. Und der Fan hasst den Egoisten, wenn er immer wieder hängen bleibt am Gegenspieler und den Mitspieler nicht findet. Yunus Malli erlebte in seinen Mainzer Jahren beide Seiten der Medaille immer wieder. Seit der Deutsch-Türke nun für den VfL Wolfsburg den Ball eng durch die Reihen gegnerischer Verteidiger führt, gibt es in Mainz erst einmal deutlich weniger Alleingänge. Auch deshalb mag die mannschaftliche Ordnung beim 0:0 gegen den 1. FC Köln so intakt gewesen sein. Womöglich fiel deshalb aber auch kein Tor für die Mainzer.

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ersatz für den Alleingänger Malli haben die Mainzer mittlerweile verpflichtet: Bojan Krkic, der einst mit dem FC Barcelona die Champions League gewann, kommt leihweise bis Ende der Saison von Stoke City. Im Heimspiel an diesem Sonntag (17.30 Uhr / Live bei Sky und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) wird er noch nicht im Kader stehen, könnte aber schon einmal Anschauungsunterricht nehmen, wenn Borussia Dortmund mit seinen Experten für Soli wie Marco Reus, Ousmane Dembelé oder den zuletzt mal wieder zum Edelreservisten degradierten Mario Götze anreist.

          Defensive mit Kumpeltaktik

          Die Gefahr, die von den Dribblings dieser Hochgeschwindigkeitsfußballer ausgeht, will der Mainzer Trainer Martin Schmidt mit einer Art Kumpeltaktik verhindern. Unter der Woche hat er verraten, dass er tendenziell gerne Spieler beieinander positioniere, die sich auch außerhalb des Platzes gut verstehen. „Ich entscheide mich schon mal für einen Rechtsverteidiger, der gut mit der Innenverteidigung klarkommt. Gerade hinten müssen sich die Jungs blind verstehen und Anweisungen mit nur einem Wort schnell umsetzen“, sagte Schmidt.

          Das kann als Erklärung dienen, weswegen gegen Köln Giulio Donati auf der Bank hat Platz nehmen müssen. Der Italiener galt eigentlich stets als Schmidts „Krieger“, den er wegen seiner aggressiven Einstellung gerne immer auf dem Platz hat. Doch im Verteidigungsspiel scheint Schmidt nun weniger zuvor auf individuelle Qualität denn auf Zusammenhalt zu schauen.

          Alleingänge des Präsidenten

          Diese Verteidigungsstrategie leitet unweigerlich über zur Politik des Vereinsvorstands von Mainz 05 in dieser Woche, einem Kreis, der zu großen Teilen einst kumpelhaft verbunden war. Irgendwie demonstrierte die Riege aus dem fürstlich entlohnten Präsidenten Harald Strutz und fünf seiner sieben Ehrenamtskollegen Geschlossenheit, als sie in einem Statement die Berichterstattung über ein Zerwürfnis im Führungsgremium ins Reich der Fabeln zu verweisen versuchte. Tatsächlich ging es in der Vorstandssitzung nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zwar lautstark, aber weniger turbulent als verschiedentlich dargestellt zur Sache. Um eine Degradierung von Strutz ging es offenkundig mit keinem Wort.

          Um ihn dreht sich derzeit viel bei Mainz 05: Harald Strutz.

          Zugleich demonstriert das auf die Vereinsstellungnahme folgende eisige Schweigen der Männer um Strutz, dass keiner der Vorstandskollegen mehr bereit ist, sich für den umstrittenen Präsidenten in den Dreck zu werfen. Das war vor gut einem Jahr, als die Debatte um Aufwandsentschädigung und Beratervertrag für den vermeintlich ehrenamtlich tätigen Präsidenten hochkochte, noch anders.

          Bislang aber gibt es auch nicht den Alleingang, der Strutz in Bedrängnis bringen könnte wie ein Reus-Solo die Mainzer Defensive. Eine öffentliche Äußerung gegen den 66 Jahre alten Vereinschef oder gar eine Gegenkandidatur bei der anstehenden Präsidentenwahl traut sich bislang keiner zu. So bleiben die Alleingänge auf der Funktionärsebene Strutz überlassen, der seit seiner Rückkehr aus dem – wegen mangelhafter Kommunikation als misslicher Alleingang gewerteten – Südafrika-Urlaub so angriffslustig und selbstbewusst wie lange nicht mehr gilt.

          Bei seinen Auftritten wie vor Sportrechtsstudenten an der Universität in Köln in dieser Woche oder auch bei einem Interview im SWR gab sich Strutz betont gelassen, der gastgebende Dozent der Kölner Fakultät lobte gar auf Nachfrage die sonst so in Abrede gestellte Fachkompetenz des Rechtsanwalts.

          Bei all dem scheint Strutz akzeptiert zu haben, dass nach nun über einem Jahr der durch Christian Heidels Abgang ausgelösten Vereinskrise der Rückzug mit erhobenem Haupt nur noch möglich ist, wenn er sich nach einer abermaligen Wahl zum Präsidenten mit einer – formal dann vom zu wählenden Aufsichtsrat zu definierenden – rein repräsentativen Rolle begnügen sollte, die lediglich mit einer Aufwandsentschädigung von monatlich maximal 5000 bis 6000 Euro honoriert wäre. „Wenn der Aufsichtsrat mir diese Rolle zuschreibt, dann nehme ich das so hin“, sagte Strutz schon vor einer Woche. Eine Verlängerung des Vertrags als juristischer Berater, der ihm bislang 14.000 Euro monatlich beschert, hielt er bei dieser Gelegenheit für ausgeschlossen.

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