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2:1 gegen Nürnberg : Mainzer Glück mit kalibrierter Linie

Mainz und Nürnberg schenkten sich nichts in ihrem Spiel. Bild: dpa

Der „Club“ bleibt auf dem letzten Platz. In Mainz wird Nürnberg von der kalibrierten Linie gebremst. Danach fällt auf der anderen Seite das Siegtor.

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          Für den 1. FC Nürnberg ist weiter kein Land in Sicht in der Fußball-Bundesliga: Der „Club“ blieb am Samstag bei der 1:2-Niederlage bei Mainz 05 auch im dreizehnten Spiel in Serie ohne Sieg und ist weiter Tabellenletzter. Zudem hatten die Franken aufgrund der wohl knappsten Abseitsentscheidung seit Einführung der sogenannten kalibrierten Linie zu Beginn der laufenden Saison ausreichend Grund, mit ihrer Niederlage zu hadern. Die vermeintliche zwischenzeitliche Führung zum 2:1 wurde aus dem Kölner Keller heraus annulliert.

          Die am Samstag recht glücklichen Mainzer wiederum haben gute Aussichten, nach zwei Jahren mit bangen Wochen am Abgrund zur zweiten Bundesliga die aktuelle Spielzeit erfreulich zu gestalten. „Mit sechs Punkten in die Rückrunde zu starten ist gut“, sagte Trainer Sandro Schwarz, der sich freilich gegen Fragen nach einer europäischen Perspektive verwahrte. „Schön, dass man darüber sprechen kann. Aber es ändert sich nichts an unserer seit der Saisonvorbereitung gewählten Sichtweise, dass wir unser Spiel verbessern wollen.“

          Bundesliga

          Nach den Toren von Daniel Brosinski per Elfmeter (12. Minute) und Robin Quaison (72.) bei einem zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer durch den Nürnberger Innenverteidiger Georg Margreitter (43.) haben die Spieler von Schwarz ihren Vorsprung auf die Abstiegsplätze auf sechzehn Punkte ausgebaut und liegen nur einen Punkt hinter den Plätzen, die zur Teilnahme am Europapokal berechtigen.

          Die Partie begann vor nur etwa 22.000 Zuschauern, zu denen vor dem Spiel die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer aus Anlass des Erinnerungstags des deutschen Fußballs sprach, wie es zu erwarten war: Die Mainzer bestimmten die Begegnung aufgrund ihrer deutlich höheren individuellen Qualität gegen die insgesamt viel zu biederen Nürnberger und gingen entsprechend früh in Führung. „Club“-Mittelfeldspieler Behrens ging im Strafraum so ungeschickt gegen Aaron zu Werke, dass Schiedsrichter Dankert nur auf Elfmeter entscheiden konnte. Brosinski verwandelte sicher. Die Mainzer wähnten sich danach allzu sicher, sie vergaßen die Einsatzbereitschaft als Grundlage ihrer zuletzt guten Leistungen. Der Ausgleichstreffer für die Franken war die passende Strafe für die Nachlässigkeiten: Nach einem Eckball von Enrico Valentini köpfte Margreitter unbedrängt ein.

          Ist die kalibrierte Linie gerecht?

          In Halbzeit zwei waren die Mainzer dann im Video-Glück: Ein schön heraus gespielter Treffer des Nürnberger Stürmers Adam Zrelak wurde vom Videoassistenten nachträglich annulliert. Die Abseitsstellung des Torschützen um nur eine Fußspitze war freilich nur dank der sogenannten kalibrierten Linie zu erkennen, was die Frage aufwirft nach der Gerechtigkeit einer solchen Entscheidung, die erst seit dieser Saison möglich ist. In der Vorsaison war die kalibrierte Linie aufgrund technischer Schwierigkeiten kurzfristig zu Saisonbeginn wieder aus dem Videokeller verbannt worden.

          Der Nürnberger Spieler Enrico Valentini mahnte nun im Gefühl der Niederlage an, dass der Grundsatz „Im Zweifel für den Angreifer“ leider keine Lobby mehr besäße. „Wir fühlen uns deshalb beraubt“, sagte er. FCN-Trainer Michael Köllner fand es gleichfalls höchst ärgerlich für sein Team, das ein Tor, nach dem sich kein Mainzer beschwert habe, „zwei Minuten später aberkannt wird. Das war harter Tobak.“

          Tatsächlich hatte allein der im Zweikampf mit Zrelak ungeschickte Mainzer Verteidiger Alexander Hack insgeheim gehofft, dass sein Fehler durch eine Abseitsstellung folgenlos bleiben könnte. Eine ernsthafte Beschwerde gab es aber von Seiten der Mainzer nicht. Vielmehr ging auch Trainer Schwarz davon aus, „dass wir in Rückstand sind.“ Köllner mahnte weiterhin an, dass es höchst unbefriedigend sei, wenn eine Abseitsentscheidung getroffen werde, zu der man gar keine ausreichend guten Bewegtbilder als Entscheidungsgrundlage vorliegen habe. „Ich habe bislang jedenfalls kein Bild gesehen, bei dem ich den Passgeber und den Torschützen im Moment der Ballabgabe sehe“, sagte Köllner. „Und genau darauf kommt es ja an.“ Auf diesen möglichen Misstand habe er bereits vor einigen Monaten bei einer Diskussion zur kalibrierten Linie in der Fernsehsendung Sky 90 hingewiesen.

          Aus dem Schiedsrichterwesen erfuhr FAZ.NET am Sonntag allerdings auf Nachfrage, dass die computergestützt Technik durchaus zuverlässig arbeite. Sie könne unterschiedliche Perspektiven zeitgenau miteinander verbinden, eine Kameraeinstellung mit dem Abspiel also zeitgenau vergleichen mit einem Bild von der Positionierung des Torschützen im Moment des Abspiels.

          Für die Nürnberger kam die Entscheidung aus dem Kölner Keller in jedem Fall einem Schock gleich. Sie verloren danach etwas den Faden. Zu allem Überfluss war das folgende Mainzer Tor auf der Gegenseite eine Kopie des Nürnberger Treffers mit einer Position des Schützen Quaison ähnlich knapp, aber doch um einiges deutlicher auf der guten Seite der kalibrierten Linie. Der sicherheitshalber konsultierte Videoassistent Marco Fritz hatte dieses Mal nichts zu beanstanden. Der Aufsteiger gab sich danach noch nicht geschlagen, stemmte sich gegen diese Niederlage, kam aber nicht mehr zu einer echten Chance auf den Ausgleich.

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