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1. FC Nürnberg : Ungewohnte Ruhe beim Club

  • -Aktualisiert am

Trainer Michael Oenning hat Ruhe in Nürnberg Bild: AP

Am Samstag muss der 1. FC Nürnberg den schweren Gang zum FC Bayern antreten. Doch selbst die erwartete Pleite zum Oktoberfest-Auftakt wird nicht für Unruhe sorgen. Trainer Michael Oenning steht für eine langfristige Strategie.

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          Ruhig ist es am Valznerweiher im Grunde nie, dazu geht es normalerweise rund um den 1. FC Nürnberg auch immer eine Spur zu aufgeregt zu. Deswegen aber ist der große Unterschied zur aktuellen Lage so auffällig. „So ruhig war es, glaube ich, noch nie in Nürnberg“, sagt Trainer Michael Oenning. Nicht einmal die Vorbereitung auf die Bundesligapartie beim FC Bayern München hat daran etwas geändert. Der 1. FC Nürnberg unternimmt nämlich wieder einmal den Versuch, das Image des fränkischen Skandalklubs zu korrigieren, das kurzfristige Erfolgsdenken soll einer zukunftsorientierten Strategie weichen.

          Oenning spricht davon, „mittel- bis langfristig etwas entwickeln zu wollen“. Das wäre früher vielleicht schon der erste Schritt zur Entlassung gewesen. Sieben Trainer verschliss der Verein in acht Jahren, zum Teil vor allem, weil es dem ungeduldigen Präsidenten nie schnell genug gehen konnte. Michael Oenning ist die Nummer acht, und sein größter Vorteil ist nun vielleicht, dass der Präsident nicht mehr Michael A. Roth heißt.

          Oenning ist deshalb derzeit das vielleicht Aufregendste beim „Club“, allerdings weniger wegen seines Konzepts. Er hat vielmehr Begabungen und Interessen, die man einem Fußballtrainer offensichtlich nicht zutraut und deshalb in der Branche fast als exotisch angesehen werden. Nürnbergs Pressesprecher Martin Haltermann bittet mittlerweile: „Fragen Sie ihn nicht nach dem Klavierspielen.“ Oenning amüsiert sich über seinen Ruf. „Ich habe noch nicht erlebt, dass eine Mannschaft abgestiegen ist, nur weil der Trainer intellektuell ist.“

          Grund zur Freude: Peer Klug wegen seines Tors gegen Gladbach, Dennis Diekmeier (r.) wegen seines Saisonstarts

          Assistent von Advocaat und Hrubesch

          Wenn der „Club“ den angestrebten Klassenverbleib schafft, dann liegt es auf der anderen Seite auch nicht am musikalischen Talent und dem Germanistikstudium des Trainers, sondern weil Oenning sich seit vielen Jahren mit Fußball beschäftigt. Der 43 Jahre alte Westfale war als Verbandstrainer tätig, arbeitete mit Dick Advocaat zusammen und assistierte beim Deutschen Fußball-Bund unter anderem Horst Hrubesch. Vor gut einem Jahr bekam er das Angebot, vom Assistenten zum Chef aufzusteigen, aber er sah das nicht als Chance, unter allen, selbst widrigen, Umständen anzunehmen. „Eine Woche habe ich mir für die Entscheidung Zeit gelassen“, sagt er, denn der „Club“ erschien ihm eigentlich als denkbar ungeeignete Einstiegsadresse.

          Die Erwartungen sind in Franken stets enorm, Siege werden maßlos gefeiert, Niederlagen hingegen in die Nähe von Katastrophen gerückt. Oenning verknüpfte sein Engagement deshalb mit der Forderung, dem Verein seine Idee von Fußball aufzudrücken. In Manager Martin Bader fand Oenning einen Verbündeten, denn auch er war einst in Nürnberg mit ähnlichen Zielen angetreten, aber an den Marktmechanismen und letztendlich an der Vereinsführung gescheitert.

          Nicht Insel der Glückseligen, aber was Besonderes

          „Das ist eine bewusste Zäsur“, sagt Oenning. Er hat auf die Jugend gesetzt, und der Aufstieg war eine Bestätigung für seinen Weg. Im Umfeld ist die neue Denkweise aber noch nicht ganz angekommen. Als die Mannschaft nach drei Spielen gerade einmal einen Punkt auf dem Konto hatte, regte sich in der Basis leichter Unmut. Oenning wunderte sich. „Man muss einen langen Atem haben, wenn man sich für eine Philosophie entschieden hat. Das hier ist ein Modell. Ich sehe uns als schlafenden Riesen.“

          Nicht nur aus finanziellen Gründen hielten sich die Nürnberger zurück auf dem Transfermarkt. Oenning verzichtete bewusst darauf, „mit drei, vier, fünf gestandenen Spielern den Klassenerhalt abzusichern. Denn man hätte noch einmal eine Mannschaft aufbauen müssen.“ Es wurden nur Havard Nordtveit und Eric Maxim Choupo-Moting ausgeliehen. Die größte Beachtung fanden in den vergangenen Wochen aber nicht die beiden Neuzugänge, sondern der erst 19 Jahre alte Dennis Diekmeier, der schon in der Rückrunde nach Nürnberg gekommen war. Es wäre nicht überraschend, würden nicht schon bald größere, finanzkräftigere Vereine um den Rechtsverteidiger buhlen. Oenning hat aber keine Sorgen, dass ihm die Talente weggekauft werden. „Wir können den Spielern sagen: Es ist hier in Nürnberg vielleicht nicht die Insel der Glückseligen, aber es ist schon etwas Besonderes.“

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