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1. FC Nürnberg : Sehnsucht nach einem strengen Chef

  • -Aktualisiert am

Klare Kante: Der neue Trainer beim „Club“ soll für Ordnung sorgen Bild: dpa

Der „Club“ braucht nach der Trennung von Wiesinger einen Mann mit guten Nerven. Es soll künftig strenger zugehen in Franken. Ein Kandidat könnte Thomas Schaaf sein.

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          Ein schwerer Tag, sagt Martin Bader, sei der Montag für ihn gewesen, ein Tag „mit einigen Bauchschmerzen“, schließlich habe er „wenig Routine in diesen Dingen“. Wenn es darum geht, Trainer zu beurlauben, ist der 1.FC Nürnberg, einst spezialisiert in dieser Übung, auffällig zurückhaltend geworden. Die letzte Entlassung eines Übungsleiters liegt fast vier Jahre zurück, damals traf es Michael Oenning.

          Am Montagabend gab Sportvorstand Bader die Beurlaubung von Michael Wiesinger bekannt, mit Wiesinger muss dessen nominell gleichberechtigter Kollege Armin Reutershahn gehen. Der Name Oenning fiel dabei wieder – weil die Mannschaft zuletzt exakt so aussah wie im Krisenherbst 2009, als es Oenning nicht mehr gelungen war, eine Spielidee für seine Mannschaft zu entwickeln. Die Mannschaft vermisste konkrete Handreichungen, praktische Anleitungen, ein Konzept. Wiesinger probierte vieles aus und überforderte seine Spieler – zuletzt am Sonntag beim 0:5 in der Fußball-Bundesliga gegen den Hamburger SV, als es der Trainer-Novize mit einer Mittelfeld-Raute und zwei Stürmern versuchte.

          Trainiert wurde die Variante vorab nicht, das Resultat war ein 0:5, und sogar die Fußballspieler wunderten sich, wie leise und sachlich der Trainer das Geschehen analysierte. Zu nett, zu leise: Die Bedenken, die den 40 Jahre alten Wiesinger ins Amt begleiteten, verfolgten ihn auch zu seinem Abschied.

          Halt zurückgewinnen

          Wie zu Oennings Zeiten wuchs die Sehnsucht nach einem starken, strengen Chef, einem Praktiker, wie es Dieter Hecking war. Nach dessen überraschendem Wechsel zum VfL Wolfsburg kurz vor Weihnachten 2012 hatten Wiesinger und Reutershahn den Posten übernommen. Die Verwaltung von Heckings Erbe meisterte das Duo mithilfe der routinierten Führungsspieler, eigene Akzente konnten die Trainer dann nicht mehr setzen, ihre Autorität schwand Woche für Woche – und verunsicherte den ganzen Verein, der, nach wiederholt turbulenten Zeiten, in den drei Jahren mit Hecking zu Ruhe und Kontinuität gefunden hatte.

          Am Ende konzeptlos: Michael Wiesinger musste gehen
          Am Ende konzeptlos: Michael Wiesinger musste gehen : Bild: dpa

          Einen solchen Halt zurückgewinnen: Darum geht es jetzt; es sei „ja nicht Ausdruck von Souveränität“, sagt Martin Bader, wenn man „nach so kurzer Zeit die Trainer austauscht, dann hat man Fehler gemacht“. Die Suche nach einem Nachfolger für Wiesinger soll deswegen nicht unter Zeitdruck verlaufen, notfalls werde Roger Prinzen, Trainer des U 23-Regionalligateams, die Bundesligamannschaft interimsweise noch beim Spiel in Frankfurt am übernächsten Wochenende betreuen.

          Künftig mehr Strenge

          Zum Profil des Wunschkandidaten will sich keiner im „Club“ äußern, aber die Perspektiven – Bader erwartet „eine ganz zähe, schwierige, ungemütliche Saison“ – lassen den Schluss zu, dass man den Typus Hecking sucht: einen erfahrenen, autoritären Übungsleiter mit guten Nerven. Als Favoriten werden der frühere Bremer Thomas Schaaf und der Schweizer Christian Gross gehandelt, Bader mag das nicht kommentieren. „jung, alt, dick, dünn, deutsch oder nicht – ich werde zu keinem angeblichen Kandidaten auch nur ein Wort äußern, der Prozess ist im Moment vollkommen ergebnisoffen“, sagt der Sportvorstand des 1. FC Nürnberg, der nicht vor Mitte nächster Woche mit einer Entscheidung rechnet.

          Ein Kandidat: Thomas Schaaf
          Ein Kandidat: Thomas Schaaf : Bild: dpa

          Bis dahin sieht er auch die Mannschaft in der Pflicht. „Der Scheinwerfer“, daran erinnerte Bader das Team jetzt in der Kabine, „hat sich gedreht“ – weg von Wiesinger, und bei allem Verständnis für Zweifel und Verunsicherung komme ein Resultat wie das 0:5 vom Sonntag „nicht ohne Beteiligung des Teams zustande“. Mit anderen Worten: Auf mehr Strenge dürfen sich die Fußballprofis des „Club“ künftig wieder gefasst machen.

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