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1. FC Nürnberg : Großzügige bayerische Nachbarschaftshilfe

  • -Aktualisiert am

„Das Pendel ist zu sehr Richtung Jugend ausgeschlagen”: Der neue Nürnberger Trainer Dieter Hecking Bild: dpa

Die Spieler des FC Bayern - das sind für eingefleischte „Club“ Fans ein rotes Tuch. Und doch benötigen die Nürnberger gerade die Fähigkeiten der aus München ausgeliehenen Ottl und Breno, um die gerade erst gewonnene Bundesliga-Klasse zu halten.

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          Einigen Fans wird die nachbarschaftliche Hilfe nicht angenehm sein. Für eingefleischte Franken sind Bayern-Spieler ein rotes Tuch, was nicht nur mit der Trikotfarbe des deutschen Fußball-Rekordmeisters zu tun hat, sondern mit dem Neid auf den überlegenen Konkurrenten. Aber objektiv betrachtet, bedeuten Andreas Ottl und Breno die Verstärkungen, die der 1. FC Nürnberg im Kampf um den Verbleib in der Fußball-Bundesliga so dringend benötigt. Und dass der große FC Bayern München dem notleidenden „Club“ die beiden Spieler bis zum Saisonende ganz ohne Leihgebühr überlässt und auch noch einen Teil des Gehalts übernimmt, ist ein weiterer Grund für einen warmherzigen Empfang an der Noris.

          Der Münchner Präsident Uli Hoeneß hat einfach ein Herz für Nürnberg: Hier spielte er Fußball nach seiner Bayern-Karriere, hier lässt er in seiner Fabrik Würste herstellen. Vor zwei Jahren offenbarte er seine emotionale Verbindung mit der Aussage: „Ich wäre der traurigste Mensch, wenn der 1. FC Nürnberg absteigt.“

          Aber so ganz uneigennützig haben die Bayern bei den Transfers dann doch nicht gehandelt. Der Verein hatte ohnehin vor, den aufgeblähten Kader in der Weihnachtspause zu verkleinern. Nicht mit aller Macht, aber mit Nachdruck dürften die Münchner dem einen oder anderen Spieler auf der Ersatzbank eine Umorientierung ans Herz gelegt haben. Bei Alexander Baumjohann etwa, der künftig für den FC Schalke 04 spielt, und auch bei Andreas Ottl, der noch im Sommer einen Wechsel nach Nürnberg ablehnte. „Das kann nicht mein Anspruch sein, darüber denke ich nicht nach“, hatte der Bayern-Spieler damals dem Fachmagazin „Kicker“ gesagt.

          Die Meinung geändert: Noch im Sommer wollte Andreas Ottl nicht nach Nürnberg wechseln

          Ottl hatte auf seine Chance beim neuen Trainer Louis van Gaal gehofft, dem der Ruf vorausgeeilt war, auf junge Spieler zu setzen. Vergebens. Breno dagegen soll sofort vom fränkischen Angebot begeistert gewesen sein – wie auch sein Arbeitgeber: Dass sich Ottl und Breno für Nürnberg entschieden haben, „haben die Bayern sehr begrüßt“, berichtet der Nürnberger Sportdirektor Martin Bader.

          Den Weg des Jugendstils verlassen

          Die Nürnberger scheinen den nach dem Wiederaufstieg im vergangenen Sommer eingeschlagenen Weg des Jugendstils verlassen zu haben. Trainer Michael Oenning bekam doch nicht die versprochene Zeit, sich mit seinen Jungs aus der Zweiten Liga erstklassig zu entwickeln, sondern musste nach ein paar herben Niederlagen am Ende der Hinrunde gehen. Und jetzt werden prominente Bundesligaspieler verpflichtet.

          Zu dieser Theorie passte, dass plötzlich Roy Makaay mit Nürnberg in Verbindung gebracht wurde. Tatsächlich hätte es nie ein Gespräch mit dem früheren Stürmer des FC Bayern gegeben, versicherte Manager Bader. Das Gerücht habe „ein Pizzabäcker in Umlauf gebracht, der behauptete, Makaays Berater zu sein“. Und überhaupt, so der Manager, sei das Ende des Jugendkonzepts in Nürnberg noch lange nicht gekommen: „Breno mit seinen 19 Jahren und Ottl mit 24 passen unheimlich gut in unsere Altersstruktur.“ Unter Hecking gehe der „Club“ seinen eingeschlagenen Weg weiter.

          Ottl könnte in Franken bleiben, Breno soll zurück nach München

          Oennings Nachfolger relativierte diesen Satz allerdings in einem Interview mit dem Fachmagazin „Kicker“. „Es ist vielleicht das einzige Manko dieses Kaders, dass das Pendel zu sehr in Richtung Jugend ausgeschlagen ist“, sagte er zu seinem neuen Arbeitsumfeld. Es sieht so aus, als ob das Durchschnittsalter der Mannschaft in der Rückrunde sogar sinken würde, denn seit Montag steht fest, dass der 29 Jahre alte Peer Kluge zum FC Schalke 04 wechseln wird. „Wir haben gekämpft, aber es war der Wunsch des Spielers“, sagt Bader.

          Kurz bevor Kluge das Trainingslager der Nürnberger im türkischen Küstenort Belek verließ, absolvierten die beiden Bayern-Leihgaben ihre erste Trainingseinheit mit ihrem neuen Verein. Dass Ottl im zweiten Anlauf verpflichtet wurde, lag laut Manager Bader daran, dass „er glaubwürdig vermitteln konnte, dass er sich zu hundert Prozent mit der schwierigen Aufgabe hier identifiziert“. Trainer Hecking sagt dazu: „Vielleicht hat er gemerkt, dass er zunächst einen halben Schritt zurück machen muss, um seine Ziele zu erreichen.“

          Die Münchner sind nicht abgeneigt, Ottl am Saisonende an die Nürnberger zu verkaufen. Wie der Trainer auch hieß, Hitzfeld, Klinsmann oder van Gaal, der Mann für das defensive Mittelfeld blieb all die Jahre bestenfalls Ergänzungsspieler. Dagegen soll Breno im Frankenland nur Spielpraxis sammeln und nach der Lehrzeit wieder zum FC Bayern zurückkehren. Denn Uli Hoeneß behauptet noch immer, der Brasilianer sei einer der besten Verteidiger seiner Altersklasse. Allerdings reichte das Talent bisher nicht aus, um van Buyten, Demichelis und Badstuber zu verdrängen. Hecking sieht bei Breno höchstens noch Defizite in der Physis. „Ich habe den Eindruck, dass er eventuell zwei Kilo zu viel auf den Rippen hat. Aber sollte das Trikot ein bisschen spannen, schauen wir eben, dass es passend wird.“

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