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1. FC Nürnberg : Fränkischer Jungbrunnen

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Grund zu Feiern: Der Nürnberger Christian Eigler (mitte) jubelt mit seinen Kollegen Dominic Maroh (l), Julian Schieber (o) und Jens Hegeler (r) Bild: dpa

Ein ganz neuer „Club“: Der 1.FC Nürnberg besiegt den Dauer-Pessimismus. Gelänge an diesem Freitag ein Sieg gegen Eintracht Frankfurt (20.30 Uhr), wäre es der vierte in Folge - das gab es zuletzt vor 21 Jahren. Aus dem Generationenkonflikt ist ein Miteinander geworden.

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          Der letzte Nürnberger Trainer, der – ohne jede Absicherung – den Klassenverbleib vorzeitig als gesichert erklärt hatte, war 1999 Friedel Rausch. Es war eine mutige Prophezeiung – und eine falsche. Drei Wochen später nämlich war der „Club“ dann doch mal wieder aus der Fußball-Bundesliga abgestiegen. Trotzdem war am vergangenen Samstag niemand erschrocken, als Trainer Dieter Hecking sagte: „Das Ziel Klassenerhalt ist erreicht.“ Immerhin hatte seine Mannschaft just zuvor beim 4:1-Sieg in Stuttgart die beste Saisonleistung gezeigt – und selbst die nach vielen schlechten Erfahrungen stets skeptischen Franken glauben inzwischen, dass der 1. FC Nürnberg nichts mehr mit einem Dauer-Absteiger zu tun habe.

          Er sehe den Verein „auf dem Weg zu einem seriösen Bundesligisten“, hatte Torwart Raphael Schäfer nach dem Aufstieg 2009 gesagt. Jetzt, findet Schäfer, „haben wir die nächsten Schritte gemacht“. Im Februar 2011 erkennt man tatsächlich einen ganz neuen „Club“: sehr jung und überraschend erfolgreich. „Außergewöhnlich“ nennt Sportdirektor Martin Bader die Situation vor dem Heimspiel an diesem Freitag gegen Eintracht Frankfurt.

          „Bundesliga-Azubis“ übernehmen Schlüsselpositionen

          Gelänge ein Sieg, wäre es der vierte in Folge – das gab es zuletzt vor 21 Jahren. Der „Club“ hat schon jetzt einen Punkt mehr als nach der kompletten Vorsaison, und er ist das zweitbeste Rückrundenteam – obwohl seine beste Kraft, Ilkay Gündogan, seit Wochen verletzungsbedingt fehlt. Es ist Vorfrühlingszeit in Nürnberg. „Ich fühle mich wie in einem Traum“, sagte Timothy Chandler, geboren in Frankfurt und bei der Eintracht sportlich aufgewachsen. Er hatte in Stuttgart sein Debüt in der Startformation gegeben, und er konnte sehr zufrieden mit sich sein. Seine Ausbeute: eine Torvorlage und ein Treffer.

          Timothy Chandler (m) mit Mehmet Ekici (r): „Ich fühle mich wie in einem Traum”

          Der 20 Jahre alte Chandler ist eines von gleich vier Talenten aus dem eigenen Nachwuchsleistungszentrum, die in den vergangenen Wochen den Sprung in die Bundesliga schafften. Der von Bader forcierte Neuaufbau schreitet unter Hecking in einem Tempo fort, das selbst den Sportdirektor gelegentlich verblüfft. Mit dem exzellenten Gündogan (20 Jahre), mit Mehmet Ekici (20 Jahre), Julian Schieber (22 Jahre) oder Jens Hegeler (23 Jahre) übernahmen „Bundesliga-Azubis“ so eindrucksvoll Schlüsselpositionen im Team, dass beim „Club“ tatsächlich wieder ein junges Team heranwachsen kann. Zu den Aufsteigern gehören natürlich auch Chandler oder der Innenverteidiger Philipp Wollscheid (20 Jahre). Der spiele so, sagt Torhüter Schäfer, „als habe er nicht erst sechs, sondern schon zweihundert Bundesligaspiele gemacht“.

          „Ich fühle mich selbst wieder ganz jung“

          Schäfer, 32 Jahre alt, ist einer der Routiniers, die diesen Jugend-„Club“ anführen – einer „der Älteren, die so entschlossen vorangehen, dass die Jungen gar nicht nachlassen können“, wie Sportdirektor Bader sagt. Der älteste Profi, der 34 Jahre alte Belgier Timmy Simons, stand als einziger Spieler immer auf dem Platz – als Fixpunkt einer stabilen Defensive, über die das Team Sicherheit und schließlich den Mut zur Offensive fand. Anders als seinem am Ende glücklosen Vorgänger, dem Jugendförderer Michael Oenning, ist es Hecking gelungen, der Nürnberger Fußball-Gemeinschaft eine Hierarchie und eine klare taktische Linie zu geben.

          Aus dem unter Oenning beinahe eskalierten Generationenkonflikt ist ein Miteinander geworden, in dem verdiente Spieler wie Javier Pinola, Andreas Wolf und nun auch Marek Mintal wieder aufblühen. „Ich fühle mich selbst wieder ganz jung und so wohl wie seit 2007 nicht mehr“, sagt Publikumsliebling Pinola, der einst einer der Antreiber der Pokalsieger-Mannschaft gewesen war. „Bei uns weiß jeder, was er zu tun hat, und unabhängig vom Alter fühlt sich jeder für unser Spiel verantwortlich.“

          Eine Atmosphäre geschaffen zu haben, in der die Begabten gefördert und gefordert werden, ist vielleicht die wichtigste Errungenschaft in dieser Saison. Dass Leih-Spieler wie Schieber (VfB Stuttgart) oder der türkische Jung-Nationalspieler Ekici (FC Bayern) im Sommer zu ihren Stammvereinen zurückkehren werden, beunruhigt die Nürnberger inzwischen weniger als noch im vergangenen Herbst. So ist Bader überzeugt, dass der „Club“ von heute eine gewisse Anziehungskraft besitze – er bezieht das keineswegs nur auf junge Spieler. Nürnberg, sagt zum Beispiel der im Sommer aus Eindhoven geholte Simons, sei für ihn „ein Glücksfall“ geworden. Und der fränkische Dauer-Pessimismus? Simons lacht. Den, sagt er, kenne er nur vom Hörensagen.

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