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1. FC Nürnberg : „Es ist ein richtig bitterer Abend“

  • Aktualisiert am

Auf dem Boden der Tatsachen: Dave Bulthuis und der 1. FC Nürnberg bleiben in der zweiten Bundesliga. Bild: dpa

Nach dem geplatzten Traum vom Bundesliga-Aufstieg ist Nürnberg untröstlich. Die Fans reagieren mit einer Mischung aus Wut und Enttäuschung. Eine gute Nachricht gibt es aber dennoch.

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          Nach dem geplatzten Traum von der Rückkehr in die Fußball-Bundesliga sanken die Spieler des 1. FC Nürnberg untröstlich auf den Rasen und vergossen bittere Tränen der Enttäuschung. Nach dem 0:1 (0:0) im Relegationsrückspiel am Montagabend gegen Eintracht Frankfurt muss sich der finanziell angeschlagene „Club“ trotz einer starken Zweitligasaison auf mindestens eine weitere Saison im Unterhaus einstellen.

          „Die Spieler haben alles probiert, aber sie konnten sich einfach nicht durchsetzen. Punkt. Schluss. 180 Minuten haben wir es nicht geschafft, uns gegen die Abwehr und gegen die Gegenspieler durchzusetzen und für richtig Torgefahr zu sorgen“, räumte Nürnbergs Trainer René Weiler das Scheitern offen ein. Vier Tage nach dem 1:1 in Frankfurt waren die Qualitätsunterschiede unübersehbar. „Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Sie hat alles unternommen, was in ihrer Macht und ihrem Körper steckte“, sagte Weiler weiter.´„Wir haben am oberen Limit gespielt, wir haben viel rausgeholt in dieser Spielzeit.“

          65 Punkte holte der FCN in der regulären Spielzeit, sicherte sich am Ende doch nur Relegationsrang drei und verpasste nun den achten Aufstieg in die erste Liga. „Es ist ein richtig bitterer Abend“, räumte Stürmer Guido Burgstaller ein, der wie auch sein hochgelobter Nebenmann Niclas Füllkrug in den beiden Relegationsduellen deutlich seine Grenzen aufgezeigt bekam. „Es ist schade für die Mannschaft, weil sie eine tolle Saison gespielt hat, am Ende aber nicht so belohnt wurde, wie sie es verdient gehabt hätte“, meinte Sportvorstand Andreas Bornemann.

          Mit dem Schlusspfiff am Montagabend endete auch die Party in Nürnberg abrupt, die doch so ausgelassen begonnen hatte. Als säßen sie inmitten des „Club“-Fan-Blocks drüben im benachbarten Grundig Stadion hatten die 1000 Fans im Biergarten „S'Gärtla“ lange Zeit ihren Verein enthusiastisch mit Schlachtgesängen angefeuert – oft synchron mit denen drüben in der Arena. Später wurden die Gesichter beim Blick auf die Großleinwand zunehmend nachdenklicher. Am Ende herrschte bei den Fans auf den Bierbänken unter den mächtigen Eichenkronen nur noch blankes Entsetzen. 

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          Mit einer Mischung aus Wut und Enttäuschung reagierten die Nürnberger Anhänger auf die verpasste Aufstiegschance. Viele Fans – ob im Stadion oder bei den verschiedenen Public-Viewings in der Stadt – umarmten sich nach der Relegations-Niederlage ihres Teams weinend, sprachen sich gegenseitig Trost zu oder strebten einfach still zur nächsten-S- oder U-Bahn-Station – fort vom Ort der Niederlage.

          Etliche machten aber auch aus ihrem Ärger über die „Null-Leistung“ ihres Teams keinen Hehl. Zu ihnen gehörte auch die 73 Jahre alte Rentnerin Sieglinde, die sich als jahrzehntelanger Clubfan bis heute kein Spiel des 1. FC Nürnberg entgehen lässt: „Die haben für mich heute zu wenig getan. Die haben nicht gekämpft und waren auch technisch im Eimer“, schimpft sie bei der kurzen S-Bahnfahrt vom Stadion zum Nürnberger Hauptbahnhof. „Also für mich war das heute eine Enttäuschung.“

          Der Moment nach dem entscheidenden Moment: Seferovic dreht jubelnd ab, die Nürnberger fallen in sich zusammen. Bilderstrecke
          Der Moment nach dem entscheidenden Moment: Seferovic dreht jubelnd ab, die Nürnberger fallen in sich zusammen. :

          Nicht gut zu sprechen auf den „Club“ ist auch ein Endzwanziger. Lauthals macht er an einem Stehtisch im „Gärtla“ seinem Ärger offen Luft: „Ich war schon am Donnerstag in Frankfurt. Das war schon null Leistung. Das war fürn Arsch, das war nur Glück. Und das heute war Null-Komma-Null. Ich kann nicht auf Null zu Null spielen. Da ist doch klar, dass ich von Frankfurt eine drauf krieg. Mit der Leistung wären wir in der Ersten Liga eh abgestiegen“, polterte er.

          Etwas versöhnlicher gab sich hingegen Thomas Klinger aus Röthenbach an der Pegnitz. Klar sei er „deprimiert“, nachdem der erhoffte Aufstieg – es wäre der achte in der Vereinsgeschichte gewesen – nicht geklappt habe.  „Mit bissel Glück hätten wir es vielleicht geschafft. Aber okay, so ist es halt. Wir kommen nächstes Jahr wieder“, ist er überzeugt. Nun dem 1. FC Nürnberg den Rücken zu kehren, fiele Klinger aber im Traum nicht ein. „Liebe kennt keine Liga“, sagte der 48-Jährige, der seit dem 8. Lebensjahr Anhänger der Nürnberger ist.

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          Die Sorgen der Polizei, die beiden verfeindeten Ultras-Fangruppen beider Vereine könnten sich vor oder nach dem Spiel die Auseinandersetzung suchen, bestätigte sich nicht. Dafür sorgte die Polizei mit ihrem Konzept der strikten Fan-Trennung. Teils schon auf der Autobahn fingen die Sicherheitskräfte viele der rund 5000 Gästefans ab und lotsten sie auf getrennte Fan-Parkplätze. Auch auf dem Weg ins Stadion sorgte Polizeibegleitung dafür, dass es nicht zu Fan-Scharmützeln kam.

          „Unser Konzept ist aufgegangen“, freute sich ein Polizeisprecher. Ausschreitungen blieben auch nach er Partie nach Polizeiangaben aus: „Nichts, was über ein normales Fußballspiel hinausgeht“, sagte ein Sprecher am Dienstagmorgen. Zwar zündeten beide Fan-Lager während des Spiels wiederholt Pyrotechnik im Stadion. Bei den Public Viewings  und im öffentlichen Nahverkehr blieb es jedoch friedlich.

          Tiefe Trauer beim „Club“, Party-Stimmung bei der Eintracht: Auch dank Trainer Niko Kovac vermieden die Frankfurter den fünften Abstieg ihrer Vereinshistorie. Mann des Tages war Haris Seferovic, der in der 66. Minute die Hessen ins Glück schoss. „Ich freue mich für die Mannschaft, die Fans und die Stadt. Der Druck war schon sehr sehr groß“, verkündete der Schweizer erleichtert. Es war auch ein Erfolg für den an einem Tumor erkrankten Verteidiger Marco Russ, der im Rückspiel Gelb-gesperrt fehlte und bereits operiert wurde. „Er hat gesagt, dass er wohlauf ist“, berichtete

          Kovac und freute sich über das Happy End seiner Mannschaft. „Ich bin überglücklich. Ich habe aber auch totales Mitgefühl mit den 'Clubberern'. Ich weiß, wie die Jungs sich jetzt fühlen. Über zwei Spiele waren wir besser, haben aber nicht die Riesen-Chancen herausgespielt“, resümierte Kovac und startete mit der Eintracht in eine feuchtfröhliche Heimfahrt.

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