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1. FC Köln : „Wir sind froh, einen so guten Trainer zu haben“

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Wann beginnt die Zukunft? Stale Solbakken Bild: REUTERS

Verständniskrise: Nach nur zwei Bundesligaspielen mit zwei Niederlagen und 1:8 Toren steht der neue Kölner Coach, der die Zukunft zum FC bringen wollte, schon mit dem Rücken zur Wand. Die Profis stützen Stale Solbakken vor dem Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern (18.30 Uhr) jedoch.

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          Von der Terrasse des Geißbockheims wandert der Blick auf weitläufige Grünflächen. Ein Mann zieht auf einem Rasenmäher sitzend seine Bahnen, ohne die Ruhe auf dem Vereinsgelände des 1. FC Köln zu stören. Noch weiter Richtung Horizont weidet eine Herde Schafe. Die Atmosphäre mutet idyllisch an. Doch nach zwei Bundesligaspielen fängt es schon an zu brodeln an diesem Ort, an dem Geduld nicht zu den hervorstechenden Tugenden der Fußballfans gehört. In einem nach oben offenen Gehege aus dicken Drahtstäben nahe dem Kabinentrakt warten nach dem Training sieben Kamerateams und zwei Dutzend Journalisten auf Cheftrainer Stale Solbakken. „Ich bin jetzt im Käfig“, meldet ein Reporter seiner Redaktion. Das heißt hier so viel wie: Gleich werden wir Näheres erfahren oder das, was wir schon gehört haben, noch mal in ähnlichen Worten.

          Solbakken schreibt erst ein paar Autogramme, dann nähert er sich dem „Käfig“ mit dem dreieckigen Grundriss und bleibt schließlich vor den Kameras stehen. Der hoch aufgeschossene, schlanke Mann mit Glatzkopf harrt in der prallen Sonne aus und lässt die Fragen über sich ergehen. Manche Fragen werden täglich wiederholt, seit der „FC“ in der Liga einen Fehlstart mit zwei Niederlagen und 1:8 Toren hingelegt hat. Manche kommen neu hinzu wie etwa die Frage nach der Transferpolitik, die Sportdirektor Volker Finke zuweilen in einen Nebelschleier hüllt. Offenbar soll Innenverteidiger Youssef Mohamad nach Dubai verkauft und durch einen Portugiesen namens Henrique Sereno ersetzt werden. Solbakken äußert sich diplomatisch, so, als wollte er sich in die Belange des Managers nicht zur Unzeit einmischen.

          Wird die Zukunft in Köln je beginnen?

          Im Mittelpunkt des Interesses aber steht die Taktik, mit der Solbakken die mediokre Mannschaft modernisieren will. Sein System bewegt die Gemüter noch mehr als die Tatsache, dass der Trainer den Publikumsliebling Lukas Podolski ohne zwingenden Grund als Kapitän abgesetzt hat. Das neue Konzept greift nicht, und niemand kann absehen, wann es greift; ob es jemals greift in Köln. Solbakken, der erste norwegische Trainer in der Bundesliga, will den Spielern eine ungewohnte Variante des 4-4-2 beibringen: eine Zonendeckung mit einer weit aufrückenden Abwehrkette, die im Verbund mit dem auf einer Linie postierten Vierermittelfeld und den beiden Stürmern den Raum so verengen soll, dass der Gegner zu Fehlpässen gezwungen wird, auch ohne ein Pressing, wie es etwa Borussia Dortmund meisterlich vorführt. In der Frühphase dieser Saison zeigen sich die meisten Kölner Profis überfordert von dieser Strategie. Die Mannschaft bekommt deren Risiken und Nebenwirkungen zu spüren, vor allem wenn der Gegner, wie zuletzt Schalke, das Spielgeschehen auf die Außenpositionen verlagert, wo ein „Doppeln“ des heranstürmenden Gegners nicht vorgesehen ist.

          Solbakken rechtfertigt sein Konzept und fordert Geduld. Anfangs sei es auch den Spielern seines früheren Vereins FC Kopenhagen schwer gefallen, dieses System zu erlernen, sagt der Trainer. Doch später habe die Mannschaft in der Champions League sogar dem FC Barcelona damit zugesetzt. Seine Lehre enthalte den „Fußball der Zukunft“. Aber wann beginnt diese Zukunft? Wird sie in Köln je beginnen? Zweifel erscheinen angebracht, auch wenn Solbakken den FC Kopenhagen in sechs Jahren fünf Mal zur Meisterschaft geführt hat.

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