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1. FC Köln : Volker Finke - Lustbetont ins Ungewisse

Sportdirektor Volker Finke steht beim 1. FC Köln vor einer großen Bewährungprobe Bild: dpa

Als Sportdirektor soll Volker Finke den abstiegsbedrohten Kölnern mehr Struktur und Kontur verleihen. An Aufgaben mangelt es nicht. Seinen ersten öffentlichen Auftritt kostet er ausschweifend aus. Finke tritt den Dienst nicht ohne Zweifel an.

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          Es war ein trüber Tag in Köln. Doch am Dunst, der das Geißbockheim am Dienstag umhüllte, lag es nicht, dass Volker Finke nur eine Ahnung davon hatte, was ihn im Lichte seiner neuen Aufgabe erwartet. Die prekäre sportliche Lage des 1. FC Köln war dem Zweiundsechzigjährigen zwar schon vor seinem offiziellen Dienstbeginn bekannt. Aber mit den Aufgeregtheiten, die zum kölschen Umfeld gehören, ist der gebürtige Niedersachse noch ebenso wenig vertraut wie mit seinem neuen Job.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Mann, der in sechzehn Jahren beim SC Freiburg zum Rekordtrainer der Fußball-Bundesliga wurde und anschließend zwei Spielzeiten den japanischen Klub Urawa Red Diamonds betreute, soll dem abstiegsbedrohten FC als Sportdirektor mehr Struktur und Kontur verleihen. So weit, so gut. Allerdings ist sich Finke nicht sicher, welche Herausforderungen am Schreibtisch tatsächlich auf ihn zukommen. „Ich weiß nicht, ob ich geeignet bin, weil ich es noch nie gemacht habe“, sagte der Bundesliga-Rückkehrer und bekannte sich damit alles andere als zweifelsfrei zu seiner neuen Aufgabe. „Ich gehe aber lustbetont heran.“

          Im Wortsinne händeringend versuchte die ergraute Fußball-Eminenz am Dienstag, viel Lust und einen Tick Zuversicht zu vermitteln. Und obwohl er seine Aufgabe darin sieht, sich im Hintergrund um die künftige Zusammenstellung des FC-Kaders und um die Nachwuchsförderung zu kümmern, kostete er seinen ersten Auftritt in der Öffentlichkeit ausschweifend aus. Seine Vorstellung geriet so lang wie eine Halbzeit ohne Nachspielzeit - 45 Minuten.

          Seine fußballerische Heimat war lange der SC Freiburg - bis es ihn ins Ausland zog

          „Etwas Eigenes schaffen, das den Fußball attraktiv machen kann“

          Die Ideen, wie er dazu beitragen könnte, aus dem sportlich angeschlagenen und wirtschaftlich verschuldeten Tabellensechzehnten einen Klub mit erstklassiger Zukunft zu machen, gerieten zum Anfang allerdings noch etwas vage. Eine „Spielidee“, wie Finke sie einst selbst beim SC Freiburg ins Leben rief, wolle er auch beim 1. FC Köln etablieren. „Die werde ich dem FC aber nicht vermitteln, sondern sie muss wachsen.“ Als neuer Sportdirektor werde er dazu beitragen, „etwas Eigenes zu schaffen, das den Fußball attraktiv machen kann. Dafür braucht man Geduld und Unterstützung.“

          Geduld ist bei einem Erstligaverein, zumal einem wie dem daueraufgeregten FC, ein rares Gut. Hilfe indes erhofft sich Finke, der fortan jede Trainingseinheit der Profis begutachten und die Bundesligaspiele von der Tribüne aus beobachten will, nicht nur vom Vorstand um Präsident Wolfgang Overath, sondern vor allem von Trainer Frank Schaefer. Der 47 Jahre alte Ur-Kölner soll dem Altmeister, der als Sportdirektor eine Art Lehrling ist, dabei helfen, „den Kölner Fußballstandort einzuschätzen“.

          Im Gegenzug wolle er Schaefer beistehen, „dass er seine Rolle gut spielen kann“. Der Trainer scheint die Hoffnung auf produktive Zusammenarbeit zu teilen, zeigte er sich doch froh darüber, dass die nach der Trennung von Michael Meier zwei Monate lang vakante Stelle des Sportlichen Leiters wieder besetzt ist: Gerade im Abstiegskampf, so Schaefer, sei es „sehr hilfreich, wenn man mehr Ansprechpartner rund um die Mannschaft hat“.

          „Überhaupt keine Motivation, auf die Trainerbank zurückzukehren“

          Allerdings könnte Finkes Verpflichtung den Coach, der erst seit wenigen Monaten im Profifußball aktiv ist, zusätzlich unter Druck setzen. Bei anhaltender Erfolglosigkeit des FC scheint nicht ausgeschlossen, dass Finke von der Vereinsführung gedrängt würde, seinen Schreibtisch vorübergehend zu verlassen und auf der Trainerbank Platz zu nehmen.

          Gerüchte, wonach er nach zwei Schlappen aus den kommenden beiden Heimspielen gegen Bayern München und den FSV Mainz 05 interimistisch auch Schaefers Posten übernehmen könnte, verwies Finke ins Reich der Fabel: „Ich sehe ihn im Moment als richtigen Mann am richtigen Platz.“ Er selbst habe in seiner langjährigen Fußballkarriere zwar gelernt, „niemals nie zu sagen“, sagte der ehemalige Studienrat. „Aber ich habe überhaupt keine Motivation, auf die Trainerbank zurückzukehren.“

          Kölsche Last-Minute-Posse auf dem Transfermarkt

          An kniffligen Aufgaben mangelt es Finke auch neben der Seitenlinie nicht. Youssef Mohamad, von Finke einst nach Freiburg geholt, ist immer noch nicht gut auf Trainer Schaefer zu sprechen, weil er sein Kapitänsamt in der Winterpause an Lukas Podolski verlor. Nun muss Finke, den der Libanese „wie einen Vater“ ansieht, das Verhältnis kitten. An andere Stelle ist er zum Nichtstun verdammt. Am Montag musste Finke miterleben, wie der geplante Transfer des HSV-Stürmers Eric-Maxim Choupo-Moting kurz vor Ablauf der Transferfrist zur kölschen Last-Minute-Posse geriet.

          Weil das Faxgerät von Choupo-Motings Vater und Berater elf Minuten vor 18 Uhr streikte, erreichten die unterschriebenen Unterlagen den Klub und die Deutsche Fußball-Liga mit Verspätung. Die DFL berät noch über Kulanz. Doch auch ohne zusätzlichen Stürmer sieht Finke den FC auf einem guten Weg. „Es ist Bewegung in die Mannschaft gekommen. Wir müssen die Bewegung dorthin lenken, dass wir das Saisonziel erreichen.“ In Köln ist eine Zeit der doppelten Bewährung angebrochen: Die Mannschaft muss ihre Erstligatauglichkeit beweisen und Finke seine Eignung als Sportdirektor.

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