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Baumgart beschwert sich : „In der Infrastruktur weit unter manchem Zweitligisten“

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Nicht nur eine Persönlichkeit, sondern auch meinungsstarker Fachmann: Kölns Trainer Steffen Baumgart Bild: dpa

Mangelnde Kooperationsbereitschaft, keine Lösungen: Der Trainer des 1. FC Köln wagt mit einem Hieb gegen die Grünen im Stadtrat einen kleinen Ausflug in die Politik – und er schießt gegen Lukas Podolski.

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          In dieser Woche hat Steffen Baumgart ein Terrain betreten, in dem so manche Gefahr lauert, aber der Trainer des 1. FC Köln verlangt von seinen Spielern mutige Entscheidungen. Also geht er mit gutem Beispiel voran. Zunächst einmal formulierte er vor dem Spiel gegen RB Leipzig (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) an diesem Samstag eine deutliche Kritik an der kölnischen Ikone Lukas Podolski, die mal wieder darauf hingewiesen hatte, dass der FC seit Jahren am Versuch scheitert, sein Potential zu entfalten.

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          Das sei schon richtig, sagte Baumgart zwar, aber nur um Podolskis Image umgehend einen Kratzer zu verpassen: „Fakt ist aber auch, dass er ein Teil davon war. Als er hier war, hat der Verein sich auch nicht weiterentwickelt.“ Und als der Trainer schließlich richtig in Fahrt war, warf er der Stadt mangelnde Kooperationsbereitschaft beim Ausbau des Vereinsgeländes vor. „Wir sind in der Infrastruktur weit unter manchem Zweitligisten, das gibt mir zu denken“, sagte er. Er habe das Gefühl, dass die Verantwortlichen in der Politik und in den Behörden sich damit „auszeichnen, gegen viele Sachen zu sein und keine Lösungen anbieten.“

          Das war ein Hieb gegen die Grünen, die stärkste Fraktion im Stadtrat, die das Projekt ablehnt. Das Thema ist allerdings hoch komplex und hat eine lange Vorgeschichte, in deren Verlauf nicht nur die Stadt, sondern auch der Verein wenig kompromissbereit auftraten. Baumgart kann nach wenigen Wochen in der Stadt unmöglich alle Details kennen, aber seine Botschaft ist klar: Dieser Mann will etwas bewegen beim FC. Jenseits der sportlichen Facharbeit wolle er, „versuchen, alles­­ hier weiter zu entwickeln“. Die meisten FC-Fans werden Baumgart für seinen kleinen Ausflug in die Politik applaudieren, bei etlichen Kölnern wird er jedoch Sympathien verloren haben. Aber das dürfte ihm egal sein, nachdem ihm zuletzt immer mehr Herzen zugeflogen sind.

          „Ein bisschen Ahnung von Fußball“

          Die Mannschaft steht mit sieben Punkten auf dem siebten Tabellenplatz und spielt einen mitreißenden Offensivfußball. Sogar der seit Jahren eher erfolglose Held Anthony Modeste blüht wieder auf. Immer wieder tauchen im Zusammenhang mit dem 49 Jahre alten Rostocker Baumgart Begriffe wie Glaube, Mut und Emotionen auf, und tatsächlich scheint dieser Freund des offenen Wortes viele Menschen anders zu berühren als die meisten seiner Vorgänger. Allerdings wäre es falsch, Baumgart auf sein Charisma und seine emotionalisierende Wirkung zu reduzieren. „Es mag jetzt den einen oder anderen überraschen, aber ich habe schon das Gefühl, dass ich auch ein bisschen Ahnung von Fußball habe“, sagte er diese Woche.

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          Baumgart ist nicht nur eine Persönlichkeit, sondern auch ein meinungsstarker Fachmann. Am Donnerstag verblüffte er seine Zuhörer mit der These, dass der für den Klassenverbleib wegweisende Sieg gegen RB Leipzig im April unter Friedhelm Funkel nur „Zufall“ gewesen sei. „Das hatte nichts mit Können zu tun“, sagte er. Dabei hatte der FC damals mit viel Hingabe und der klassischen Attitüde des Underdogs, der erst mal stabil sein will, ein individuell besseres Team besiegt.

          Doch diese Herangehensweise ist Baumgart zuwider. Am zweiten Spieltag in München spielte der FC in der Schlussphase beim Stand von 2:2 offensiv weiter und verlor 2:3, dem Trainer hatte die Haltung seiner Spieler gefallen. Vorige Woche in Freiburg hingegen ärgerte sich Baumgart, „dass die Mannschaft ein 1:0 verteidigen und nicht das 2:0 machen wollte“. Wo das hinführt, ist noch unklar, aber aufregend ist der 1. FC Köln mit diesem Trainer allemal.

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