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1. FC Köln : Stanislawski lernt den Karneval kennen

  • -Aktualisiert am

Den Aufstieg schon wieder im Blick? Holger Stanislawski übernimmt Absteiger 1. FC Köln Bild: dpa

Der 1. FC Köln bekommt seinen Wunschkandidaten auf dem Trainerposten: Holger Stanislawski. Die neue Rolle von Frank Schaefer ist noch undefiniert.

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          Eine Zeitlang hatte es beim 1. FC Köln ja so ausgesehen, als wolle gar niemand mehr bei diesem Klub mitarbeiten. Vor ein paar Wochen noch stand der Klub so sogar ohne Führung da. Es gab einen Übergangstrainer, aber weder einen Präsidenten noch einen Sportdirektor noch einen Trainer für die neue Saison. Inzwischen gelingt es dem Verein, die Leerstellen nach und nach mit Leben zu füllen – und mit Personen.

          Nachdem der frühere Spitzenmanager des Chemiekonzerns Bayer, Werner Spinner, im April in die höchste Position des Klubs gewählt worden ist, hat der FC nun auch einen neuen Cheftrainer gefunden. Neun Tage nach dem Abstieg aus der Fußball-Bundesliga gaben die Rheinländer bekannt, Holger Stanislawski unter Vertrag genommen zu haben. Der 42 Jahre alte Hamburger tritt die Nachfolge Frank Schaefers an, der in der Schlussphase des Abstiegskampfes für vier Wochen den entlassenen Stale Solbakken abgelöst hatte.

          Der Kölner schlechthin im Trainerstab widerstand aber dem Werben des neuen Vorstandes um Spinner und hielt an seiner Absicht fest, künftig wieder im Hintergrund zu arbeiten. Schaefers genaue Rolle wird erst noch definiert, sie dürfte nicht ohne Einfluss auf die wesentlichen Parameter der neuen Mannschaft sein, die vor einem Neuaufbau steht, nicht nur weil Nationalspieler Lukas Podolski zu Arsenal London wechselt. Die Laufzeit des Trainervertrages blieb am Montagnachmittag offen. Als sicher gilt aber, dass Stanislawski die Profis vom 15. Juni an auf die neue Saison in der zweiten Liga vorbereiten wird.

          Bei 1899 Hoffenheim wurde Stanislawski nach gut einem halben Jahr im Februar entlassen Bilderstrecke

          Der neue Trainer passt in das Anforderungsprofil der Kölner, das oft diffus wirkte, zuletzt aber auf einen Mann hinauslief, der Emotion und Erfolg verbindet wie Karneval und Kampf, wie Motivation und Maßhalten. „Holger Stanislawski ist ein Trainer, der hervorragend zum 1. FC Köln passt. Wer dem fußballverrückten Hamburg mit seinem medialen Druck gewachsen ist, kann auch in Köln bestehen“, sagte Vizepräsident Harald Schumacher. Außerdem habe dieser Trainer beim FC St. Pauli schon gezeigt, dass er imstande sei, eine Mannschaft in die Bundesliga zu führen.

          Stanislawski, der an diesem Dienstag offiziell vorgestellt wird, sagte, er freue sich auf einen „Traditionsverein der Bundesliga mit großartigen Fans in einer sehr lebendigen Stadt“. Einen hohen Pulsschlag des Fußballs ist er aus Hamburg gewohnt. Dort hatte er zunächst erstklassige Arbeit geleistet, es aber nicht geschafft, den Klub vom Kiez nach dem Aufstieg in der ersten Liga zu halten. Später in Hoffenheim wurde es buchstäblich ruhiger um ihn – für seinen Geschmack zu ruhig; er wurde in der Rückrunde am 9. Februar entlassen und von Markus Babbel ersetzt.

          Als Architekt des Wiederaufbaus gedacht

          Schon im April, kurz bevor Schaefer sich überreden ließ, war Stanislawski Wunschkandidat des 1. FC Köln gewesen. Doch er wollte wohl nicht absteigen – nach dem Abstieg mit St. Pauli und dem Scheitern in Hoffenheim fürchtete er wohl um sein Ansehen als motivationsstarker, unverbrauchter, flexibler Fußball-Lehrer, der das Urwüchsige im Profigeschäft glaubhaft vertritt. Als Architekt des Kölner Wiederaufbaus steht er jedoch zur Verfügung. Es gehe darum, „eine Mannschaft mit Charakter und der richtigen Einstellung zu formen“, sagt Stanislawski. „Ich verspreche, mit ganzer Kraft an dieser Aufgabe zu arbeiten.“

          In Köln haben schon alle möglichen Trainer alles Mögliche versprochen – sechzehn an der Zahl allein in den vergangenen zwölf Jahren. Stanislawski weiß also, was auf ihn zukommt. „Ich freue mich auf die Aufgabe, auch wenn es nicht einfach wird“, sagt er. Der einzige, der den Kölnern zum ihrem Glück noch fehlt, ist ein Sportdirektor, der zu Stanislawski passt. Schaefers Position ist noch ungeklärt. Aber was auch immer diese sportliche, mit den Insignien kölscher Beliebtheit ausgestattete Eminenz genau machen wird – für Stanislawski, der eigene Ko-Trainer mitbringt, dürfte Schaefer in jedem Fall ein wichtiger Ansprechpartner sein.

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