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0:0 in Hannover : Köln holt den ersten Punkt

  • -Aktualisiert am

Voller Einsatz in Hannover: Beide Teams schenkten sich nichts. Bild: dpa

Hannover und der FC bekämpfen sich nach Herzenslust. Tore fallen nicht. Damit verlieren die Kölner erstmals nach fünf Niederlagen zum Start nicht. Aufsteiger Hannover erlebt indes eine Enttäuschung.

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          Ständig wurde gefoult, gerackert, gekämpft und vor des Gegners Tor geflankt: Gejubelt wurde jedoch nicht. Wer hart umkämpfte Fußballspiele mag und Freude an Standardsituationen in allen Variationen hat, wird seinen Frieden mit dieser Partie schließen können. Das 0:0 zwischen Hannover 96 und dem 1. FC Köln war eine dieser Begegnungen, in der sich zwei Teams nach Herzenslust bekämpfen und am Ende doch neutralisieren. Vor 47.000 Zuschauern waren die Niedersachsen über weite Strecken die tonangebende Mannschaft und hatten ein deutliches Chancenplus auf ihrer Seite.

          Wahrscheinlich wird der 1. FC Köln, der sieglos und Tabellenletzter geblieben ist, mit seinem Teilerfolg gut leben können. Der Mannschaft um Kapitän Matthias Lehmann fehlt es angesichts von Erfolgserlebnissen an der nötigen Lockerheit. Ein Remis in Hannover muss angesichts dieser Konstellation als Erfolg eingestuft werden. „Im Endeffekt sind wir sehr glücklich, dass wir hier den ersten Punkt geholt haben. Die Art und Weise lässt auf mehr hoffen“, sagte der Kölner Torhüter Timo Horn. „Keiner kann von uns erwarten, dass wir hier Hannover an die Wand spielen. Wir hatten zwei 100-prozentige Chancen, aber vor dem Tor ist es wie verhext.“

          Bundesliga

          In dem aktuellen 1. FC Köln, der nach einer sehr erfolgreichen Saison 2016/17 in dieser Spielzeit nicht in Wallung kommen will, steckt eine nicht unerhebliche Menge Hannover 96. Die beiden Mittelfeldspieler Konstantin Rausch und Leonardo Bittencourt hatten genau wie Sportdirektor Jörg Schmadtke sehr bewegte und erfolgreiche Zeiten bei den Niedersachsen. Warum ihr früherer Verein auf einmal dort steht, wo sich der 1. FC Köln eigentlich gerne sehen würde, führte der sechste Bundesliga-Spieltag noch einmal mit Nachdruck vor Augen. Nach dem direkten Wiederaufstieg unter der Regie von Cheftrainer André Breitenreiter ist das Team von Hannover 96 nur ganz sachte verstärkt worden.

          Aus einem Aufsteiger mit vermeintlich mit beschränktem Potential ist ein Liganeuling mit eingespielter Erfolgself geworden. Auch im Heimspiel gegen Köln wurde die Anzahl an Fehlern minimiert und zum Teil mutig nach vorne gespielt. Dass Hannover 96 immer noch ungeschlagen dasteht, ist einer klugen Mischung aus Fleiß, Einsatzbereitschaft und taktischem Geschick zu verdanken. Der Höhenflug von Hannover 96 und das Formtief des 1. FC Köln gehören zu den Merkwürdigkeiten einer Liga, die sich einer brisanten Jahreszeit nähert. Mit dem Herbstbeginn ist in der Regel ligaintern geklärt, wer die an ihn gestellten Erwartungen nicht erfüllt. Peter Stöger, der die Kölner bis in die Europa League geführt hat, gehört weiterhin zu den Cheftrainern mit hohen Sympathiewerten. Dennoch ist ihm anzumerken, dass die Misere des FC einen Großteil der Unbeschwertheit nimmt.

          Wieder gab es Proteste gegen Hannover-Präsident Kind (links). Bilderstrecke

          Was Stögers Mannschaft in Hannover anzubieten hatte, war sehr harmlos und eher auf Schadensbegrenzung bedacht. „Ein bisschen wie im falschen Film“, wähnt sich Sportdirektor Schmadtke angesichts der sportlichen Probleme. Ob in Köln demnächst auch mal die künftige Zusammenarbeit mit Stöger auf den Prüfstand gestellt wird, gehört zu den unangenehmen Fragen der Branche. Aber nur wenige können das Böse des bezahlten Fußballs in so charmante Worte kleiden wie er. Sportchef Schmadtke hat erklärt, dass man gewillt sei, eine schwierige Situation für den Verein mit Bordmitteln zu lösen. Viel eleganter lässt sich eine etwaige Trainerdiskussion nicht umschreiben.

          Der Hauch von Besserung, den der 1. FC Köln mit seinem Remis in Hannover erkämpfen konnte, war von seltsamen Umständen im 96-Stadion begleitet. Ein Teil der Fans hat es sich zum Ziel gesetzt, die Stimmung in der Arena am Maschsee zu boykottieren. „The sound of silence“ stand auf einem der vielen Transparente, die aus Protest gegen den Führungsstil von Martin Kind hochgehalten wurde. Der Präsident von Hannover 96 wird von einem Teil der Ultras angefeindet, weil er sein Ideal von einem modernen Fußballverein auf seine Art durchsetzen will. Also wird ausgerechnet im Norden des Stadions, wo eigentlich die gute Stimmung ihre Heimat hat, weiter eisern geschwiegen. Diese merkwürdige Form von Protest passte zu einem stimmungsarmen Nachmittag, der mit spielerischen Höhepunkten geizte. Als nach 93 mehrheitlich zähen Minuten der Schlusspfiff ertönte, wagte es kaum jemand auf dem Platz oder den Zuschauertribünen zu jubeln. „Wir waren nicht griffig genug und haben zu viel liegen lassen“, sagte Hannovers Sportchef Horst Heldt. „Aber wir müssen alle zufrieden sein mit dem 0:0.“

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