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Ärger nach Kölns Corona-Fällen : „Ich wundere mich, dass Spieler das mit sich machen lassen“

  • Aktualisiert am

„Wahrscheinlich 2 Spieler, 1 Mitarbeiter infiziert. Rest trainiert weiter“: SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach Bild: dpa

Kaum startet die Bundesliga mit Corona-Tests, gibt es positive Befunde in Köln. Dort sieht man das aber nicht als Rückschlag im Kampf um den Neustart der Spiele. Doch harsche Kritik an den Plänen des Fußballs kommen prompt.

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          Am trainingsfreien Samstag herrschte beim 1. FC Köln rege Betriebsamkeit. In unzähligen Telefonaten hatten die Verantwortlichen viel zu besprechen. Doch die Stimmung rund ums Geißbockheim war erstaunlich entspannt. Denn die drei positiven Corona-Fälle im Verein wurden als Zeichen, als „positives Signal“ für die Tragfähigkeit des Hygienekonzepts der Deutschen Fußball Liga gewertet. Und nicht als herber Rückschlag für den FC.

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          Geschäftsführer Alexander Wehrle, der auch dem DFL-Präsidium angehört, bestätigte, dass es sich bei den Infizierten um zwei Spieler und einen Mitarbeiter handle. Das Ergebnis zeige aber, „dass wir sehr zuversichtlich sein können, dass wir auf Basis dieses Konzepts in den Spielbetrieb gehen können“, sagte Wehrle bei Sky. Das Gesundheitsamt habe das Konzept als „tragfähig“ bewertet.

          Zwar blieb zunächst völlig offen, bei wem sich die drei bis dahin laut Verein symptomfreien Angestellten angesteckt haben. Wehrle verwies aber darauf, dass das Gesundheitsamt die Fälle genau bewertet habe. Mannschaftsarzt Paul Klein betonte, die Behörde habe „kein erhöhtes Ansteckungsrisiko durch den Trainingsbetrieb“ erkannt. „Und deshalb ist auch keine kollektive Quarantäne angezeigt.“

          Diese „so genannte häusliche Absonderung ist nur für Personen der Kategorie 1 vorgesehen. Nicht wir, sondern das Gesundheitsamt bewertet, auf wen dies zutrifft“, erläuterte Klein: „Und nach diesen eindeutigen Kriterien gehen wir davon aus, dass durch die Maßnahmen im Trainingsbetrieb in Gruppen kein Spieler eine Kontaktperson der Kategorie 1 zu einem anderen Spieler ist.“

          Deshalb sind auch nur die drei betroffenen Personen in die 14-tägige Quarantäne gegangen. Nach dem trainingsfreien Wochenende werden die negativ Getesteten am Montag noch einmal getestet. Zu Spielen und zum Training ist laut Konzept nur zugelassen, wer zweimal nacheinander negativ getestet wurde. Am Wochenende hat der FC trainingsfrei.

          Danach wird es laut Wehrle noch einmal eine enge Abstimmung mit dem Gesundheitsamt geben. Dabei gehe es auch um den geplanten Übergang vom Gruppen- zum Mannschaftstraining. Darauf hofft der FC wie viele Rivalen am Mittwoch nach dem Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten. Wie die meisten anderen Vereine trainieren die Kölner derzeit in sorgfältig voneinander getrennten Gruppen von zuletzt zwölf Spielern.

          Der FC würde als Tabellenzehnter wieder in den Spielbetrieb einsteigen. Auf welche beiden Profis Trainer Markus Gisdol dabei möglicherweise verzichten muss, ist unbekannt. „Der 1. FC Köln wird aus Rücksicht auf die Privatsphäre der Betroffenen keine Namen bestätigen“, hieß es vom Verein. Die Kritik von SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, dass trotz der Corona-Fälle weiter trainiert wird, verhallte am Geißbockheim.

          „Wahrscheinlich 2 Spieler, 1 Mitarbeiter infiziert. Rest trainiert weiter“, schrieb Lauterbach bei Twitter: „Wer mit Covid-19 trainiert, riskiert
          Schäden an Lunge, Herz und Nieren. Ich wundere mich, dass Spieler das mit sich machen lassen. Fußball soll Vorbild sein, nicht „Brot und Spiele“.“ Der Rheinländer Lauterbach war zuletzt mehrfach öffentlich als Kritiker einer Lockerung von Maßnahmen während der Corona-Pandemie und einer Wiederaufnahme der Bundesliga aufgetreten.

          Der Neustart der Liga soll noch im Mai erfolgen. Dann mit Geisterspielen, mit denen die Kölner durch das Geister-Derby kurz vor der Unterbrechung bei Borussia Mönchengladbach schon Erfahrung gesammelt haben. Die DFL-Pläne stehen und fallen aber mit der Tragfähigkeit des medizinischen Konzepts.

          „Wir sehen jetzt im Alltag, dass unser Konzept frühzeitig Risiken erkennt und reduziert“, sagte Task-Force-Chef Tim Meyer, der ärztliche Direktor des Instituts für Sport- und Präventivmedizin an der Universität des Saarlandes in einer FC-Mitteilung: „Wir sind überzeugt, dass wir den Spielern mit unserem Konzept die Ausübung ihres Berufs unter bestmöglichem Infektionsschutz ermöglichen können.“

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