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2:0 gegen Leverkusen : Köln gibt die Rote Laterne an den HSV weiter

  • -Aktualisiert am

2:0 durch Simon Zoller: Köln hofft wieder Bild: dpa

Der 1. FC Köln verlässt erstmals seit dem zweiten Spieltag Rang 18: Nach dem Sieg im rheinischen Derby gegen Leverkusen hat der FC wieder Hoffnung auf den Klassenerhalt. Leverkusen ist zu zehnt chancenlos.

          Der 1. FC Köln blüht in dieser schweren Saison bei den rheinischen Derbys auf. Dem 2:1-Sieg über Borussia Mönchengladbach zum Beginn der Bundesliga-Rückrunde ist am Sonntag ein 2:0-Erfolg über Bayer 04 Leverkusen gefolgt. Für die Kölner bedeuteten die drei Punkte neue Hoffnung im Abstiegskampf, da sie den letzten Platz an den Hamburger SV los wurden und als Siebzehnte nur noch fünf Punkte Rückstand zu Mainz 05 auf dem Relegationsrang 16 aufweisen. Osako (9. Minute) und Zoller (69.) belebten mit ihren Toren den stark wie nie in dieser Saison entflammten Optimismus beim FC, der gegen den Tabellenfünften sowohl spielerisch als auch kämpferisch zu überzeugen wusste und in Leonardo Bittencourt den besten Spieler auf dem Platz hatte.

          Frechheit siegt. Diese Kölner Haltung nach dem Motto, jetzt ist schon alles egal, machte sich FC-Trainer Stefan Ruthenbeck von vornherein zueigen. „Wir geben nicht auf und können es immer noch schaffen“, sagte er, „deshalb werden wir auf Angriff spielen.“ In dem allerdings fehlte diesmal der am Oberschenkel leicht verletzte Mittelstürmer Simon Terodde. Den kurzfristigen Ausfall des in den vier Spielen zuvor torlosen bulligen Angreifers sollten schnelle, dynamische, trickreiche Offensivspieler wie die Stürmer Osako und Zoller und die Außenangreifer Risse und Bittencourt auf ihre Art wettmachen. Denn auch soviel hatten sich Ruthenbecks Kölner vorgenommen: Sie wollten dem favorisierten Werksklub mit Champions-League-Ambitionen spielend die Stirn bieten. Dazu sollte eine bis zum Letzten ausgereizte kämpferische Note kommen, die Ruthenbeck in die martialische Formel fasste: „Wir müssen lernen, Dreck zu fressen – so schnell wie möglich.“

          Schwerer Fehlgriff: Bernd Leno lässt den Schuss von Osako durchrutschen Bilderstrecke

          Auf der anderen Seite waren die Leverkusener von vornherein auf Mann-gegen-Mann-Duelle um jeden Zentimeter gefasst. Trainer Heiko Herrlich bereitete seine spielstarke Mannschaft auf eine „harte Gangart“ der Kölner vor. Dafür hätte er seinen Kapitän Lars Bender gut gebrauchen können, den Adduktorenprobleme plagten. Auch Kevin Volland wurde vermisst. Aus gutem Grund, da dessen Frau das zweite gemeinsame Kind erwartete.

          Furiose erste Hälfte

          Von den Leverkusenern war 45 Minuten lang so gut wie nichts zu sehen. Der FC legte eine furiose erste Hälfte hin, die mit Osakos Führungstreffer nach Bittencourts fabelhafter Vorarbeit nur unzureichend belohnt wurde. In allen Parametern des Spiels, Kombinationslust, Zweikampfführung, Eins-gegen-Eins-Duelle, Siegeswille, war der abstiegsbedrohte Traditionsklub dem in der Tabelle weit höher angesiedelten Nachbarn überlegen, weil Bayer nicht wirklich dagegenhielt. „Dass wir in einem so wichtigen Spiel so auftreten können, verstehe ich nicht“, sagte Leverkusens Torwart Bernd Leno.

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          Und immer dann, wenn es für Bayer brandgefährlich wurde, war Actionheld Bittencourt an den Aufregerszenen beteiligt. In der 12. Minute, als Tah dessen Hereingabe soeben klären konnte; in der 13. Minute, als der Heber des Deutsch-Brasilianers auf dem Tornetz landete; und in der 27. Minute, als Aranguiz nach Bittencourts Vorlage vor Risse am Ball war und eine weitere Chance auf das 2:0 verhinderte.

          Rot für Alario

          Herrlichs Team machte in diesem Spielabschnitt nur einmal von sich reden: auf unrühmliche Art und Weise. Alarios Hieb mit dem Ellbogen gegen Marohs Kehlkopf (31.), als der Ball ganz woanders war, hatte Schiedsrichter Osmers zunächst nicht bemerkt – wohl aber der Videoassistent Christian Dingert. Osmers sah sich die Szene an dem für ihn reservierten Monitor noch einmal an und entschied danach folgerichtig: Rote Karte gegen den argentinischen Angreifer (33.), der seiner nach einem passenden Weg in dieses Spiel suchenden Mannschaft zusätzlich schadete.

          Die Wende zu Zehnt herbeizuführen, wurde nun zur Titanenaufgabe gegen ein Team, das bis zur Pause in keiner Sekunde wie ein Absteiger spielte. Herrlich reagierte und brachte nach dem Wechsel Henrichs für den gegen Bittencourt hoffnungslos überforderten Jedvaj ins Spiel sowie den Stürmer Pohjanpalo für den defensiven Mittelfeldspieler Baumgartlinger. Ein Spielertausch, der zumindest mehr Mut trotz Unterzahl signalisierte. Tatsächlich glichen sich nun die Verhältnisse an, weil Köln und Bittencourt in ihrem Vorwärtsdrang etwas nachließen und Leverkusen sein Engagement erhöhte. Doch das nützte Bayer 04 am Sonntag nichts mehr, nachdem Aranguiz mit einem missglückten Kopfball zurück in die eigene Hälfte Simon Zoller freie Bahn verschaffte. Mit einem Heber über Torhüter Leno hinweg und der mühelosen Vollendung seines Solos allein vor dem Leverkusener Tor war das Derby entschieden. Für die Mannschaft, die man sich nach diesem Auftritt gar nicht als Absteiger vorstellen konnte.

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