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1. FC Köln einst und heute : Das deutsche Real Madrid

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Graziler Techniker: Der junge Wolfgang Overath jongliert gekonnt den Fußball Bild: imago sportfotodienst

An diesem Montag tritt der 1. FC Köln zum Topspiel der zweiten Liga bei Erzgebirge Aue an. Im Gründungsjahr der Bundesliga spielte der FC noch in einer anderen Dimension: Vor 50 Jahren führten Hans Schäfer und Wolfgang Overath die Mannschaft zur Meisterschaft.

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          Ein bisschen von der elitären Arroganz der alten Meister klingt noch heute durch. Wenn Wolfgang Overath über die Premiere der Fußball-Bundesliga am 24. August 1963 erzählt, weist er gern auf den damals großen Abstand zwischen dem 1. FC Köln und den restlichen fünfzehn Klubs hin. „Wir hatten schon eine Vereinsanlage und das Geißbockheim“, sagt der Weltmeister von 1974 im Blick zurück auf den Beginn von Deutschlands erfolgreichster Sport- und Unterhaltungsserie, „als sich die anderen noch in der Garage umzogen. Wir spielten in blütenweißen Trikots - und erinnerten damit an ein Markenzeichen von Real Madrid -, als die anderen noch dunkle oder bunte Trikots trugen. Und wir hatten eine sehr, sehr gute Mannschaft. Wir haben die erste Bundesligasaison geprägt.“ Bei so viel Wir-Gefühl der rheinischen Überflieger konnte am Ende nur die erste Meisterschaft in der neuen ersten deutschen Fußballklasse stehen.

          Der 1. FC Köln hatte mit seiner Freude am schönen Spiel den höchsten Maßstab gesetzt, dem er sich von vornherein verpflichtet hatte. Mit Overath, dem jungen, und Hans Schäfer, dem alten Spielmacher des FC, vorneweg. Schäfer, einer der Weltmeister von 1954, stürzte sich mit 35 in sein letztes Abenteuer als kölsches Fußballidol; sein Nachfolger startete unter Anleitung von Trainer Georg Knöpfle in seine erste Halbprofisaison, nachdem er zuvor, weil vom Amateurverein Siegburg 04 abgeworben, ein Jahr gesperrt war.

          Torquotient statt Tordifferenz

          Streng waren damals die Bräuche, wenn ein begabter Amateur im Spitzenfußball sein Glück versuchen wollte. Overath war derart talentiert, dass er nach einem Trainings- und Testspieljahr in seiner ersten Bundesligaspielzeit alle dreißig Saisonspiele für den Klub bestritt, dem er ein Leben lang die Treue hielt. Er setzte dazu auf Anhieb ein Achtungszeichen, als er an jenem 24. August nach einem Doppelpass mit Schäfer gleich mal das erste von zwei Kölner Toren zum 2:0-Auswärtssieg beim späteren Absteiger 1. FC Saarbrücken schoss.

          Der Start war spektakulär gelungen. Und er wies sofort die Richtung, da der FC nach den acht Eröffnungsspielen der Bundesliga, die geschlossen um 17 Uhr angepfiffen wurden, sogleich Tabellenführer war. Mochte auch der Meidericher SV, der Vorgängerverein des MSV Duisburg, 4:1 in Karlsruhe gesiegt haben, hievte dieser Erfolg den niederrheinischen Verein dennoch nicht an die Spitze. Seinerzeit galt nicht die Tordifferenz, sondern der Torquotient als Maßstab für die Tabellenrechner.

          Die erste Spielzeit ist nahezu langweilig

          Der 1. FC Köln wäre am Ende des ersten Bundesligajahrs nach jedem Zählverfahren Klassenbester gewesen. Mit sechs Punkten Vorsprung vor den Meidericher „Zebras“ machten die nur zweimal besiegten Rheinländer den Debütantenball zu einem Alleingang. Nur am vierten Spieltag stand der punktgleiche Hamburger SV einmal um ein Törchen besser da, doch danach eroberten Overath, Schäfer, Karl-Heinz Thielen, Christian Müller, Wolfgang Weber, Heinz Hornig, Helmut Benthaus und die anderen Meisterspieler aufs Neue die Tabellenspitze, von der sie niemand mehr verdrängte. So gesehen, war die erste Spielzeit nahezu langweilig nach all den Jahren der fieberhaft erwarteten Endspiele um die deutsche Meisterschaft zwischen den besten Oberliga-Mannschaften.

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          Die Kölner waren in ihrem manchmal fast arrogant anmutendem Auftreten so etwas wie der Vorläufer des FC Bayern München, der den Auswahlkriterien der damals Verantwortlichen im Deutschen Fußball-Bund 1963 nicht genügte, um von vornherein als erstklassig eingestuft zu werden. Als die Münchner 1965 sportlich aufstiegen, gehörte der 1. FC Köln noch immer zu den führenden deutschen Klubs, doch den Meistertitel gewann er nur noch einmal: 1978. Da war der Gründervater des kölschen Fußballruhms, Franz Kremer, längst tot. Dieser Unternehmer, der mit Werbeartikeln handelte, schuf sein größtes Werbeprodukt als Vormann, Vordenker und Vorkämpfer des 1. FC Köln. „Er war eine überragende Persönlichkeit“, schwärmt Overath noch heute von dem Visionär, „ein Mann mit Charisma.“ Mit Kremers Tod 1967 war die schönste Zeit des danach allzu wankelmütigen FC eigentlich schon vorbei. „Wir haben dann nicht mehr so gut gearbeitet wie andere Vereine“, sagt Overath, dessen Herzensklub inzwischen zum fünften Mal zweitklassig spielt.

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