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1. FC Köln : Das Gift der Spekulationen

  • -Aktualisiert am

Es könnte das letzte Spiel für Trainer Frank Schaefer werden, obwohl Präsident Wolfgang Overath sagt: „Er macht gute Arbeit und hat unser Vertrauen” Bild: dpa

Der 1. FC Köln liegt auf dem vorletzten Platz. Die Domstädter befinden sich in einer Dauerkrise. Vor dem Derby am Samstag (15.30 Uhr) gegen Borussia Mönchengladbach wird alles in Frage gestellt - auch Trainer Frank Schaefer.

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          Am Mittwoch stellte sich Matthias Sammer beim 1. FC Köln vor. Als die Besucher des Vereinsgeländes, die sich die Vorbereitung der Mannschaft auf das Derby am Samstag (15.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker) gegen Borussia Mönchengladbach ansehen wollten, den Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erblickten, gerieten sie in helle Aufregung. Schon vor Wochen war zwar vereinbart worden, dass Sammer den Kölner Nachwuchstrainern und Vertretern der Klubsponsoren sachkundige Vorträge halten sollte.

          Doch da der ehemalige Nationalspieler seit der Entlassung von Zvonimir Soldo vor drei Wochen als neuer Cheftrainer und wegen der wachsenden Widerstände gegen FC-Manager Meier auch als möglicher Kandidat für das Amt eines Sportdirektors genannt wurde, entstanden umgehend Vermutungen. Die Klubführung signalisierte jedoch, dass personelle Änderungen nicht geplant seien. Auch Sammer betonte, er wäre an den DFB vertraglich gebunden. „Da bin ich zufrieden. Alles Weitere wird man sehen“, sagte er und räumte mit dem zweiten Teil seiner Bemerkung nicht die Spekulation aus, dass eine Zusammenarbeit völlig ausgeschlossen sei.

          Um den ersten Fußball-Klub der Domstadt herrscht momentan eine noch größere Unruhe als in normalen Zeiten, ausgelöst durch die große Sorge über die mangelhafte sportliche Lage. Nur dem Nachbarn aus Gladbach, zu dem ein Verhältnis gepflegt wird, das der Rivalität zwischen Schalke und Dortmund entspricht, geht es noch übler. Als stünde ein Duell wie in alten Zeiten an, in denen diese Vereine um die Meisterschaft rangen, wird für die Partie zwischen dem Siebzehnten und dem Achtzehnten der Tabelle ein Topzuschlag verlangt. „Es ist ein besonders brisantes Spiel, eines der brisantesten der letzten Jahre“, sagt Frank Schaefer, der aus dem Juniorenbereich beförderte Nachfolger von Soldo.

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          „Er hat unser Vertrauen“

          Nach Siegen im Pokal gegen 1860 München (3:0) und gegen Hamburg (3:2) in der Bundesliga genügte die Niederlage in Nürnberg (1:3) am vorigen Wochenende, um Schaefer wieder in Frage zu stellen. Präsident Wolfgang Overath stemmte sich gegen die Behauptungen, vom Ergebnis gegen Gladbach hänge die Zukunft von Schaefer ab. „Warum sollte das ein Endspiel für ihn werden? Er macht gute Arbeit und hat unser Vertrauen“, sagte Overath. Eine Niederlage aber könnte die Krisenstimmung vor der Mitgliederversammlung des Klubs, dem es auch wirtschaftlich kontinuierlich schlechter geht, eskalieren lassen.

          Innerhalb des letzten Jahres wuchsen die Schulden um elf Millionen auf 24,1 Millionen Euro an. Trotz hoher Investitionen wird die Frage gestellt, ob der Spielerkader überhaupt eine ausreichende Qualität besitzt. Der Verein hoffte in der dritten Saison nach dem Wiederaufstieg bei optimalem Verlauf auf einen einstelligen Tabellenplatz. Stattdessen sind die als Konkurrenten eingeschätzten Teams wie Freiburg, Frankfurt und Mainz zu fleißigen Punktesammlern geworden, lediglich Hannover und die Aufsteiger St. Pauli und Kaiserslautern könnten auf längere Sicht eingeholt werden.

          Stagnation in der Dauerkrise

          Wenn Overath seinen 1. FC Köln spielen sieht, dann sieht es meistens so aus, als wäre er Qualen ausgesetzt. Als der Weltmeister von 1974 das Auswärtsspiel in Hannover (1:2) besuchte, erklärte er, er müsse seine Freizeit dafür opfern. Dies wurde als Hinweis interpretiert, dass er das aufreibende Ehrenamt als Zumutung empfindet und eine Bezahlung begrüßen würde. „Wird Overath weitermachen, tut er sich das weiter an? Wie wird er am 17. November vor die Mitglieder treten?“, fragte die Zeitung „Kölner Stadt-Anzeiger“ vor drei Tagen.

          Den Nachweis, erfolgreich als Lenker in schwierigen Situationen zu walten, konnte Overath bisher nicht erbringen. Seit seinem Amtsantritt 2004 stagniert der Klub in einem Zustand der Dauerkrise. Tapfer stellte sich der Präsident zuletzt vor Schaefer und vor allem auch vor Meier, dessen Ablösung der Verwaltungsrat vorigen Sonntag verlangte. Das Derby gegen Gladbach bildet in Köln seit Jahrzehnten einen Höhepunkt der Saison, nur vergleichbar mit den Heimspielen gegen den FC Bayern. Seine Vorfreude habe erheblichen Schaden genommen, sagte Meier. Im Heimspiel gegen den HSV brachte Lukas Podolski die Fans dazu, ihre Proteste gegen den Manager zu dämpfen. Er habe „Autosuggestion“ betreiben müssen, erklärte der Manager, um vor dem Derby ein wenig Freude zurückzugewinnen.

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