https://www.faz.net/-gtm-6xfva

1. FC Köln : Auf tönernen Füßen

  • -Aktualisiert am

Sorgt für Zwist: Chong Tese Bild: dpa

Ärger in der Sportlichen Leitung, ein verletzter Podolski und schlechte Ergebnisse: Wieder einmal gerät ein Bundesligaprojekt des 1. FC Köln in größte Gefahr.

          3 Min.

          In seiner Rolle als klubinterne Beruhigungspille war der Kölner Geschäftsführer Claus Horstmann in der zurückliegenden Woche mal wieder besonders gefragt. Der in großer Offenheit ausgetragene Disput zwischen Cheftrainer Ståle Solbakken und Sportchef Volker Finke wegen der Blitzverpflichtung des nordkoreanischen Angreifers Chong Tese gab Horstmann akuten Anlass für ein Sechs-Augen-Gespräch. Und die zentrale Botschaft des 47-Jährigen an die beiden Herren danach lautete: „Natürlich gibt es da unterschiedliche Meinungen. Das ist auch gut so, denn das bringt die besten Ergebnisse. Aber so etwas gehört hinter verschlossene Türen.“

          Als „Nebenkriegsschauplatz, auf dem wir nicht unsere Kräfte vergeuden sollten“, wischt er das offenkundig schwierige Verhältnis zwischen Finke und Solbakken gar wie eine lästige Fliege vom Tisch. Und erwähnt stattdessen, was dem Klub, dessen Suche nach einem neuen Präsidenten sich laut Horstmann „bis in den März hineinziehen kann“, in diesen eisigen Februartagen am meisten sorgt: Das Liga-Tableau, wo bei einer Niederlage an diesem Sonntag in Kaiserslautern (17.30 Uhr / Live im F.A.Z.-Ticker) der Sturz auf den Relegationsplatz droht. „Es gibt keinen Grund, nervös zu werden“, findet Ruhepol Horstmann zwar, fordert aber schon: „Wir müssen in den nächsten Spielen punkten - um uns wieder im sicheren Mittelfeld, unserem eigentlichen Ziel, zu plazieren.“

          Dass Lukas Podolski beim Zitterduell in der Pfalz passen muss, macht die Sache für die Fußballprofis aus der Domstadt nicht einfacher. Bei dem 26-jährigen Vereinsheiligen brach vor acht Tagen gegen Schalke (1:4) eine Knöchelverletzung neu auf, die sich Podolski bei einem privaten Jux-Kick im Weihnachtsurlaub zugezogen hatte.

          Erinnerungen ans vergangene Jahr

          Der Nationalstürmer, nicht nur wegen seiner 15 Tore - bei insgesamt 28 FC-Treffern - in dieser Saison das Ein und Alles der Kölner, fehlt der Solbakken-Elf vier Wochen. Und spätestens damit steht die „Neuausrichtung“ (Horstmann) des FC, für die Finke vor einem Jahr als zentraler Baustein aus Japan geholt worden war, mal wieder auf tönernen Füßen.

          So wie im Frühjahr 2011, als Finke - damals noch Sportdirektor, inzwischen zum Geschäftsführer Sport aufgestiegen - kurzfristig für den zurückgetretenen Chefcoach Frank Schaefer einsprang und dem Verein mit Siegen über Leverkusen und in Frankfurt am dritt- und vorletzten Spieltag den Klassenverbleib sicherte. „Mir war klar, dass es das im Falle einer Niederlage im Derby gegen Bayer wahrscheinlich schon gewesen wäre mit meiner Zeit in Köln“, sagte Finke im Rückblick auf die geglückte Rettungsaktion - der aber trotz allem ein fader Beigeschmack anhaftet.

          Verletzt: Lukas Podolski Bilderstrecke

          Musste Schaefer, vor seinem Bundesligajob viele Jahre als Jugendtrainer für den FC tätig, doch erleben, wie Finke seine Ausführungen bei einer Videoanalsye vor versammelter Mannschaft korrigierend ergänzte. Zudem rief der Sportchef von sich aus bei Kölner Journalisten an und thematisierte in den Gesprächen unter anderem Schaefers - aus seiner Sicht problematische - Zugehörigkeit zu einer Kölner Baptistengemeinde.

          Finke will eine neue „Streitkultur“

          Das ist es wohl, was Claus Horstmann meint, wenn er über den Kollegen aus der Geschäftsführung sagt: „Volker Finke bringt Sachorientierung und Knowhow mit. Er ist ein starker Charakter, der für den FC und für den Fußball kämpft.“ Dabei kündigte der frühere Dauertrainer des SC Freiburg schon vor seiner Ankunft im Rheinland an, er wolle eine neue „Streitkultur“ in den von zwei Boulevardblättern durchdrungenen Klub tragen. Die weitgehend emotionsfreie Art des 63-jährigen Sportchefs nimmt Claus Horstmann dabei billigend in Kauf.

          „Volker Finkes Einsatz“, sagt der Mann, der sich unter den drei FC-Geschäftsführern als der „Primus inter Pares“ bezeichnet, „muss nicht immer allen gefallen. Aber es geht ihm immer um die Sache.“ Freunde fürs Leben wird der frühere Studienrat für Sport, Sozialkunde und Mathematik im gefühlsduseligen Köln mit seiner Art kaum gewinnen - aber das liegt Finke ohnehin fern.

          Stattdessen möchte er sich nach erfolgreicher Trainerkarriere auch als Sportchef eines Bundesligaklubs beweisen. Dass er dabei von seinem alten Job eingeholt wird, war abzusehen. So wies Finke nach dem 0:1 zum Rückrundenstart in Wolfsburg pikiert darauf hin, dass es schlicht ein Gesetz der Wahrscheinlichkeitsrechnung sei, dass eine Mannschaft auch mal einen Treffer erzielt, wenn sie pausenlos ungehindert vor das Tor des Gegners - in diesem Fall das der Kölner - flanken darf. Für Solbakken, bei dem Innenverteidiger nicht auf den Außenpositionen aushelfen sollen, war das eine schallende Taktik-Ohrfeige.

          Was bleibt, ist banges Warten

          Umso leichter fiel es dem Norweger, sich nun über die Verpflichtung des Back-up-Stürmers Chong Tese zu mokieren, den Finke ihm kurzfristig präsentierte. „Chong Tese passt genau in unser Anforderungsprofil, und das hat der Trainer weitestgehend vorgeschlagen“, erklärte der Sportchef dazu. Zudem sei Solbakken mit der Verpflichtung einverstanden gewesen. Eine Mitteilung, die den Coach verwunderte, hatte er den Nordkoreaner doch erst drei Tage vor dem Transfer erstmals auf DVD begutachtet. Zuvor, so Solbakken, sei der aus Bochum geholte Stürmer nie ein Thema gewesen.

          Was bleibt, ist das bange Warten auf den zunehmend FC-müden Podolski („Köln wird immer zwischen Platz 18 und 10 stehen“), dem der Verein bei der Entscheidung, seinen 2013 auslaufenden Kontrakt womöglich vorzeitig zu verlängern, laut Horstmann nun „Zeit lassen“ will. Hat sich Volker Finke, zu dem der Nationalspieler ein professionell-kühles Verhältnis pflegt, mit seiner Forderung nach forcierten Vertragsverhandlungen doch bereits Podolskis Spott eingefangen. Schon jetzt steht dafür fest, was Finke und Solbakken und die übrigen Kölner Neuausrichter im Fall des Abstiegs erwartet. „Das wäre“, betont Horstmann, „eine komplette Zielverfehlung für uns alle, für die wir natürlich auch die Verantwortung tragen würden.“

          Weitere Themen

          Deutschland bezwingt Argentinien

          Davis Cup : Deutschland bezwingt Argentinien

          Der Auftakt ist gelungen: Beim Davis Cup im neuen Turniermodus sichert sich das deutsche Tennis-Team den Sieg gegen Argentinien bereits nach den Einzeln. Für Ärger sorgt derweil das kanadische Team.

          Topmeldungen

          Mord an Fritz von Weizsäcker : Aus Abneigung gegen den Vater

          Der Mörder von Fritz von Weizsäcker ist offenbar psychisch krank. Die Messerattacke auf den Sohn des früheren Bundespräsidenten soll er im Detail geplant haben. Sein angebliches Motiv wirft Fragen auf.
          Ministerpräsident Armin Laschet in der Staatskanzlei in Düsseldorf

          Armin Laschet im Interview : „Wir wollen den Erfolg von AKK“

          Vor ihrem Parteitag macht die CDU einen aufgescheuchten Eindruck. Der stellvertretende Parteivorsitzende und NRW-Ministerpräsident, Armin Laschet, spricht im F.A.Z.-Interview über die Querelen in der CDU, über AKK, über Windkraft – und Kopftücher.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.