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1. FC Kaiserslautern : Mit dem „Kurz-Pass-Stil“ zur Pokalüberraschung

  • -Aktualisiert am

Da geht es nach oben: Sidney Sam und Kaiserslautern sind auf einem guten Weg Bild: Reuters

Der 1. FC Kaiserslautern weckt bei seinen Fans Hoffnung auf bessere Zeiten - auch dank des 2:1-Pokalsieges gegen Erstligaklub Leverkusen. Nun hoffen die Pfälzer mit Neu-Trainer Kurz auch auf die Rückkehr in die Bundesliga.

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          Tobias Sippel kam strahlend vom Feld. Am Körper trug der Torwart der deutschen U-21-Nationalmannschaft sichtlich stolz eine wertvolle Trophäe: Das Trikot jenes Mannes, der zurzeit die Nummer eins im Tor der deutschen A-Nationalmannschaft ist, René Adler. Sippel ergatterte sich die Beute nach dem 2:1 (1:0)-Sieg seines 1. FC Kaiserslautern in der zweiten Runde des DFB-Pokals gegen Bayer Leverkusen.

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Pokalüberraschung ist der sportlich wertvollste Sieg des FCK seit dem Abschied von der großen Bühne der Bundesliga vor nunmehr dreieinhalb Jahren. In diesen Zeiten der Düsternis gab es für den leidgeplagten Pfälzer Fußballfan nicht viel Grund zum Feiern. Torwart Sippel, trotz seines jungen Alters von 21 Jahren schon dienstältester Profi im zuletzt von großer Fluktuation geprägten FCK-Kader, konnte sich nur an einen ähnlich schönen Tag in seiner Karriere erinnern. „Der Sieg gegen Köln war noch großartiger“, sagte Sippel. Im Mai 2008 hatten die Lauterer am letzten Spieltag einer vollkommen missratenen Saison mit letzter Kraft das Überleben in Liga zwei gesichert.

          In dieser Spielzeit kündigt sich nun freilich ein Zeitenwende an: Seit der im Sommer auf den letzten Drücker kurz vor Trainingsbeginn im Juli verpflichtete Fußballlehrer Marco Kurz das Zepter auf Deutschlands zumindest gefühlt höchstem Fußballberg schwingt, wird auf dem Betzenberg wieder Fußball gespielt statt nur gerannt und gegrätscht.

          Baumeister des Erfolgs: Trainer Marco Kurz will Kaiserslautern in gute Zeiten führen
          Baumeister des Erfolgs: Trainer Marco Kurz will Kaiserslautern in gute Zeiten führen : Bild: dpa

          Zusätzliche Pokal-Einnahmen helfen Trainer Marco Kurz

          In der Zweiten Bundesliga reicht das, um den Traditionsklub von der Rückkehr in die Bundesliga nach vier Jahren in der Zweitklassigkeit träumen zu lassen. Derzeit rangiert der viermalige deutsche Meister auf Aufstiegsplatz zwei. Und im Zweitrundenspiel des DFB-Pokals gegen die im Vorjahr erst im Finale gescheiterte Elf von Bayer Leverkusen führte der neue „Kurz-Pass-Stil“ am Mittwochabend vor 33.712 Zuschauern für eine weitere Sensation in der an Überraschungen alles andere als armen Spielrunde.

          Dank Toren von Sidney Sam in der elften Minute und Erik Jendrisek (62.) bei einem späten Gegentreffer durch Theofanis Gekas (86.) kann der FCK mit 500.000 Euro an zusätzlichen Einnahmen planen, die dem finanziell gebeutelten Klub gut tun - und die Möglichkeit bieten, den von Trainer Kurz eingeschlagenen spielerischen Kurs fortzusetzen.

          Im vergangenen Jahr war der vor gerade einmal elf Jahren noch mit der Schale des deutschen Meisters dekorierte Fritz-Walter-Klub von solchen Gedanken an gepflegte Fußballkultur noch weit entfernt: Damals hatten sich die Fans noch vom ehemaligen Trainer Milan Sasic mit einer höchst antiquierten Art des Fußballs auf der Grundlage des „Hoch-und-weit-Stils“ wochenlang in Begeisterung versetzen lassen, weil es zur Winterpause danach aussah, als ob der Klub auf diese Weise womöglich sogar in die Bundesliga hätte zurückkehren können.

          Kuntz siegt, Sasic geht, FCK scheitert - und Kurz kommt

          „Wenn der Ball hoch nach vorne geschlagen wird, dann kann er hinten kein Unheil anrichten“, sagte Sasic einmal. „Was hilft es mir, wenn wir wie früher die jugoslawischen Techniker den Ball schön laufen lassen und trotzdem verlieren.“ Der selbst in Jugoslawien aufgewachsene Fußballlehrer scheiterte freilich mit seinem Stil.

          Vor allem auch, weil er persönlich die Vorherrschaft des Vereinspräsidenten Stefan Kuntz nicht akzeptieren wollte - und angeblich auch dessen Personalpolitik nicht mittragen wollte. Sasic verbannte beispielsweise den von Kuntz im Alleingang geholten und mit rund 400.000 Euro teuersten Spieler Jiri Bilek im Januar schon kurz nach dessen Verpflichtung zur zweiten Mannschaft. Kuntz siegte im Machtkampf, Sasic erlebte das Saisonende nicht mehr, der FCK scheiterte am Aufstieg. Und holte Marco Kurz als neuen Trainer.

          „Da ist es mir lieber, wenn der Ball am Boden ist“

          Der im Winter bei 1860 München entlassene Coach setzt Bilek nun ebenfalls vornehmlich auf die Bank. Aber er arrangiert sich mit seinem Vorgesetzten und bevorzugt gemeinsame „Kuntz-Stücke“ statt Alleingängen im Sasic-Stil. Auf diese Weise hat Kurz in Kaiserslautern in wenigen Wochen den schlechten Fußball des Vorjahres in ansehnliches Kurzpassspiel mit klarer Idee und Linie verwandelt.

          Die Pfälzer spielen plötzlich - auch dank erstaunlicher personeller Glücksgriffe auf dem Transfermarkt wie beispielsweise dem von Hertha BSC Berlin ausgeliehenen Innenverteidiger Rodnei oder dem aus Stuttgart ausgeliehenen Mittelfeldspieler Georges Mandjeck - ordentlichen Fußball. „Wir haben viele fußballerisch gute und wendige Spieler im Kader, da ist es mir lieber, wenn der Ball am Boden ist“, sagt Kurz. Und sein Torhüter Sippel ergänzt, dass das Team nun „ein gutes System und einige starke Neuzugänge habe“.

          Anfang des Kapitels „Rückkehr der Roten Teufel“?

          Gegen allerdings schwache und behäbige und im Umgang mit Großchancen vor allem in Person von Eren Derdiyok allzu großzügige Leverkusener gesellten sich zur gewachsenen Spielkultur nun auch die klassischen Pfälzer Tugenden. Diszipliniert und kampfstark verteidigten die Platzherren ihr Revier vor dem eigenen Tor, sodass den in der Bundesliga noch ungeschlagenen und bislang so spielfreudigen Rheinländern bis zur 86. Minute und dem Anschlusstreffer durch Gekas nichts Zählbares gelang.

          Erst dann mussten die leidgeprüften Fans auf dem Betzenberg kurzzeitig zittern - um den größten Erfolg seit mehr als fünf Jahren. Denn tatsächlich besiegelte der Pokalcoup gegen Leverkusen einen äußerst erfreulichen Abend. Er könnte am Anfang des Kapitels „Rückkehr der Roten Teufel“ stehen.

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