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Finale der zweiten Liga : „Das Ziel Bundesliga kann es in Heidenheim nicht geben“

Großen Anteil am Erfolg hat auch Frank Schmidt, der seit fast 13 Jahren die Mannschaft leitet. Und Ihr Torwarttrainer Bernd Weng ist sogar noch länger mit dabei als Sie.

Ohne Frank Schmidt wäre unsere Erfolgsgeschichte ohnehin niemals möglich gewesen. Und ja, Bernd Weng, mit dem ich bei uns zu Landesliga-Zeiten noch gemeinsam auf dem Feld gestanden habe, hat tatsächlich ein Jahr mehr auf dem Buckel beim FCH als ich. Aber nur, weil ich als Spieler mal für eine Saison gedacht habe, ich müsste zum FC Oberkochen in die Kreisliga B wechseln. (lacht)

Kontinuität gehört also zum Konzept?

Ganz eindeutig. Und da ließen sich noch viele, viele weitere Beispiele finden. Wir versuchen, mit Menschen langfristig gemeinsam zu arbeiten. Ob das Michaela Schmied als Mitarbeiterin im Bereich Finanzen ist oder Alexander Raaf, unser Teammanager und früherer Torjäger. Beide sind seit Amateurzeiten dabei. Und diese Liste beim FCH ist lang. Wir haben ganz viele ehemalige Spieler eingebunden in unterschiedlichste Bereiche unseres Vereins.

Laufen Sie damit nicht Gefahr, irgendwann einmal vielleicht nicht mehr die nötige Fachkompetenz in den einzelnen Bereichen zu haben?

Den Punkt kann ich schon nachvollziehen. Aber ganz so extrem machen wir es nicht. Wir setzen auf Kontinuität. Wir setzen auf Stabilität. Und wir setzen auf Menschen, die diese DNA verkörpern. Aber wir setzen auch auf Kompetenz von außen. Bernhard Raab zum Beispiel, einer unserer Ko-Trainer, ist 2014 dazugekommen und hat wesentliche Impulse gesetzt. Erst für das Hartmann-Nachwuchsleistungszentrum und später bei den Profis. Oder unser Athletiktrainer Said Lakhal, der als Leichtathlet Olympiateilnehmer für Marokko war und ganz viel Knowhow mitbringt. Natürlich muss man aufpassen, dass man sich nicht nur um sich selbst dreht. Aber wenn wir nur Impulse von außen holen würden, dann hätten wir möglicherweise die Gefahr einer Söldnermentalität. Die wollen wir gar nicht.

Bereit für den Aufstieg in die Bundesliga? Klub-Boss Holger Sanwald bremst die Erwartungen.
Bereit für den Aufstieg in die Bundesliga? Klub-Boss Holger Sanwald bremst die Erwartungen. : Bild: Picture-Alliance

Die Mannschaft spielt effektiv und eher weniger spektakulären Vollgas-Fußball. Will der 1. FC Heidenheim gar nicht ins Rampenlicht drängen?

Sagen wir es so: Wir haben einen Weg gefunden, der für uns erfolgreich ist. Natürlich müssen wir effektiv sein, weil wir bedeutend weniger finanzielle Mittel hatten und haben als Teile der Konkurrenz. Das war in der Oberliga so, in der Regionalliga, in der dritten Liga und dann auch in der zweiten Liga. Mittlerweile gehören wir da zum vorderen Mittelfeld ...

... mit einem Gesamtetat von etwa 35 Millionen Euro ...

Ja, aber nach wie vor müssen wir überdurchschnittlich effektiv sein. Wir können es uns nicht leisten, zwei, drei Trainer zu bezahlen, weil wir in der Vereinsführung alle paar Monate eine neue Idee haben, wer das noch besser machen könnte. Effektiv zu sein heißt aber nicht, unspektakulär zu sein. Manchmal fühle ich mich da zu Unrecht in eine Schublade gesteckt. Ich erinnere gerne an unser spektakuläres 4:5 im DFB-Pokal-Viertelfinale letztes Jahr gegen Bayern München.

Das liegt möglicherweise aber auch an der, wenn man so will, vornehmen Zurückhaltung, die Sie auch in diesem Gespräch an den Tag legen.

Weil wir nicht davon leben, ständig große Worte in die Welt hinauszuposaunen. Ich glaube einfach, dass es besser ist, durch Leistung zu überzeugen als durch eine große Klappe. Und das passt auch besser zu unserer Region, zu den Menschen, die hier leben. Die sind schaffig, die sind fleißig. Jemand, der viel redet, ohne dass etwas dahintersteckt, kommt bei uns nicht gut an.

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