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1:4 gegen Bayern : Der FC steigt ab

  • -Aktualisiert am

Abschied: Lukas Podolski geht - Köln auch Bild: REUTERS

Lukas Podolski geht, und mit ihm der FC Köln: Der erste Bundesliga-Meister steigt zum fünften Mal in die zweite Liga ab. Nach dem 1:4 gegen die Bayern kommt es zu Tumulten.

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          Am Ende stiegen über der Südkurve schwere schwarze Wolken auf. Am Zaun hing ein Transparent: „Wir trauern um den 1. FC Köln.“ Böllerschüsse brachten das Stadion zum Zittern. Eine Hundertschaft Polizisten sicherte den Rasen, den die Spieler nach dem Schlusspfiff fluchtartig verlassen hatten. Das war der unrühmliche Abgang des 1.FC Köln aus der Fußball-Bundesliga und der traurige Abschied Lukas Podolskis, der mit Beginn der nächsten Saison zu Arsenal London wechselt.

          Beim 1:4 gegen Bayern München konnte des Kölners liebster Fußballprinz nichts mehr ausrichten. Da die Berliner ihr Heimspiel gegen Hoffenheim 3:1 gewannen, rutschte Köln am letzten Spieltag auf den vorletzten Tabellenplatz ab und steigt zum fünften Mal aus der Bundesliga ab. Während der schweren Ausschreitungen Kölner Chaoten nach Spielschluss wurde allen Spieler angst und bange. Rauchbomben wurden gezündet, die Polizei musste das Spielfeld absichern. „Es ist eine Schande, was hier im Stadion abgegangen ist. Das sind keine Fans, das sind Idioten, die die Fußballbühne nutzen“, sagte der Münchner Nationalspieler Mario Gomez. Doppel-Torschütze Thomas Müller meinte: „Wir haben den Schiedsrichter gefragt, ob er nicht zehn Sekunden eher abpfeifen kann, damit wir sicher in die Kabine kommen. Das hat er auch gemacht.“

          Nach 52 Minuten hatte der Kölner Blick sich nur noch nach Berlin gerichtet. Der FC selbst hatte gerade das 0:2 hinnehmen müssen - bezeichnenderweise ein Eigentor des Kapitäns Pedro Geromel, der auch mit seiner individuellen Leistung zu den Absteigern der Saison gehört. Zwei Minuten nach diesem Missgeschick baute Arjen Robben den Vorsprung der Bayern, die Thomas Müller mit seinem ersten von zwei Toren (34./85.) in Führung geschossen hatte, nochmals aus. Im Stadion waren nur noch die Bayern-Fans zu hören, bei den Anhängern der Heimelf indes machte sich Resignation breit.

          Den Glauben an die eigene Mannschaft hatten sie längst verloren, und aus Berlin kamen auch keine Signale, die einen letzten Rest an Hoffnung hätten einflößen können. Die Trauer verdrängte den Trotz, der sich in den ersten fünf Minuten nach der Pause angedeutet hatte, und schlug bei einigen schließlich in Wut um. Auch das Tor von Milivoje Novakovic (63.) vermochte die Lebensgeister der Rheinländer nicht mehr zu wecken. Sie hatten sich in dieser Saison zu oft und zu lange auf die Schwächen anderer verlassen. „Es ist ein unglaublich unnötiger Abstieg, das ist Wahnsinn für mich“, sagte Frank Schaefer, der seine Mission als Kölner Trainer am Samstag beendete: „Jetzt hat jeder mit sich selbst genug zu tun.“

          Ein schwarzer Tag für Köln Bilderstrecke

          Den Niedergang des 1. FC Köln kennzeichnen in dieser Saison viele Facetten. Alles hatte mit dem (für sich genommen legitimen) Wunsch begonnen, innovativ zu sein. Vor der Saison hatte der damalige Sportdirektor Volker Finke in Ståle Solbakken nicht nur einen Charakterkopf unter Vertrag genommen, sondern auch einen Systemveränderer. Der smarte Norweger trat mit dem Anspruch an, allein sein System sei das seligmachende: Zwei Viererketten auf einer Linie zu plazieren, im Zweifel alle Kräfte im Zentrum zu bündeln und notfalls die Außenpositionen zu vernachlässigen. Verstanden haben das die wenigsten seiner Männer. Köln wurde zur Schießbude der Liga, trotz einer veritablen Torwartleistung.

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