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1:3 in Hannover : Bayern München im freien Fall

  • -Aktualisiert am

Letzet Chance? Louis van Gaal Bild: dapd

Nach dem 1:3 in Hannover steht Bayern München vor den Trümmern der Saison. Bayern-Boss Rummenigge spricht nach einer indiskutablen Leistung vom „absoluten Tiefpunkt“. Auf die Zukunft des Trainers will keiner mehr wetten.

          3 Min.

          Bayern München steht vor den Trümmern einer Saison. Nach dem Ausscheiden im DFB-Pokal am Mittwoch hat der deutsche Rekordmeister am Samstag auch im Kampf um die Qualifikation für die Champions League einen schweren Rückschlag erlitten. Nach dem 1:3 gegen Hannover 96 beträgt der Rückstand auf die Niedersachsen in der Fußball-Bundesliga schon fünf Punkte. Ob die Münchner Vereinsführung Trainer Louis van Gaal die Gelegenheit geben wird, aus der Ruine einer Spitzenmannschaft wieder eine schlagkräftige Truppe aufzubauen, ist die große Frage. Der Niederländer hatte zuletzt kein glückliches Händchen, sein taktisches Konzept ging zu oft nicht mehr auf. Die Niederlage in Hannover hatte eine besondere Pointe für ihn. Den entscheidenden dritten Gegentreffer verschuldete der junge Torwart Thomas Kraft, der in der 63. Minute nach einem Weitschuss von Pinto den Ball durch die Finger gleiten ließ. Van Gaal hatte in der Winterpause Kraft anstelle des routinierten Hans-Jörg Butt zur Nummer eins gemacht.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Der Trainer gab sich nach der Partie enttäuscht, aber gefasst. Er betonte, dass seine Elf in der zweiten Halbzeit mit „Löwenherz“ gespielt hätte. „Aber das reicht nicht.“ Doch war es womöglich sein letzter Auftritt für den FC Bayern? „Ich habe bisher immer die Rückendeckung des Vorstands bekommen. Aber ich bin jetzt nicht in der Lage, diese Frage zu beantworten. Dafür sind andere zuständig“, sagte der Holländer. Ansonsten gab er sich ratlos: „Es ist sehr schwer, das zu erklären. Jeder ist enttäuscht, weil wir etwas anderes erwartet haben.“

          Wer Karl-Heinz Rummenigge nach dem Spiel zuhörte, könnte meinen, dass es für van Gaal nun ganz eng würde. „Wir haben katastrophale Tage hinter uns. Die Art und Weise dieser Niederlage tut weh. Heute war der absolute Tiefpunkt der Saison“, sagte der Vorstandschef des FC Bayern. Rummenigge wollte dem Trainer am Samstag keine Garantie zur Weiterbeschäftigung geben. „Wir werden eine Nacht darüber schlafen und dann analysieren und überlegen, wie es weitergeht.“

          Hochstimmung in Hannover: Trainer Mirko Slomka

          Krafts Patzer, Brenos Platzverweis

          Sogar Kapitän Philipp Lahm zeigte sich relativ zurückhaltend, was die Zukunft des Trainers betrifft. Auch er wollte sich auf Nachfrage nicht hinter van Gaal stellen, sondern sagte: „Jeder wird an den Ergebnissen und an den Punkten gemessen - auch jetzt.“ Auf die Münchner kommenden spannende Stunden und Tage zu. Nicht nur für van Gaal, sondern auch für den von ihm ins Spiel gebrachten Torwart Kraft war es ein schwarzer Samstag. Aber auch seine Kollegen hatten ihren Anteil an der Niederlage. Allen voran Innenverteidiger Breno, der nach einer Unbeherrschtheit in der 73. Minute die Rote Karte sah. In Unterzahl hatten die Bayern keine Chance mehr zur Fortsetzung ihrer Aufholjagd, die eine Viertelstunde zuvor vielversprechend begonnen hatte.

          Nach einer völlig indiskutablen Leistung und einem 0:2-Rückstand durch Treffer von Abdellaoue (16. Minute) und Rausch (51.) hatte Robbens 1:2 (55.) endlich den Kampfgeist der Münchner geweckt. Im Minutentakt eröffneten sich Gomez, Robben und Müller Großchancen, ehe Krafts Patzer die Phase alter Stärke unterbrach und Brenos Blackout sie beendete.

          Schweinsteiger und van Bommel wurden vermisst

          55 Minuten lang hatten die Bayern ein Bild des Jammers abgegeben. Zwischen lässig (Breno), gedankenlos (Badstuber), desinteressiert (Timoschtschuk) agierten die Profis, was viel zu wenig war, um aggressive Hannoveraner auch nur zu bedrängen. Angeführt von den überragenden Schlaudraff und Abdellaoue spielten die Niedersachsen die Bayern in der ersten Halbzeit an die Wand, sobald sie ihre überfallartigen Konter starteten.

          Waren die Bayern am Ball, wurden sie von ihren Gegnern zu Breitwandfußball gezwungen. Diese 45 Minuten waren ein Lehrstück dafür, wie ein Mittelfeld mit Namen besetzt wie Rausch, Pinto, Schmiedebach und Stindl einen Champions-League-Kandidaten lahm legen und ausspielen kann. Der gelbgesperrte Schweinsteiger wurde von den Bayern schmerzlich vermisst, ein mitreißender Kämpfer wie Mark van Bommel ebenso.

          Hannovers Taktik: einschläfern und überrollen

          Als van Gaal in der zweiten Halbzeit Badstuber und Timoschtschuk durch van Buyten und Ottl ersetzte, wurde die Not etwas kleiner, aber entscheidend für den Spielverlauf war diese Maßnahme nicht. Die Bayern hätten mehr Spieler wie Robben, Müller und Lahm gebraucht, die bereit gewesen wären, neben ihrem Können, auch ihren Willen zu zeigen.

          Zehn Minuten lang wiegten sich die Bayern in der Sicherheit einer Scheinüberlegenheit. Fast unbedrängt konnten sie sich den Ball zuschieben, was zu zwei Fast-Chancen führte, aber im letzten Moment packte die Abwehr der Niedersachsen zu. Der häufige Ballbesitz der Münchner war jedoch nicht Ausdruck spielerischer Klasse, sondern Teil der Taktik Hannovers, die in zwei Schlagworte zusammenzufassen war: einschläfern und überrollen.

          In dieser Form wird die Mannschaft von Trainer Slomka bis zum Saisonende ein heißer Kandidat zumindest für Platz drei, wenn nicht gar zwei sein. Slomka freute sich nach dem Sieg: „Es ist ein ganz toller Augenblick, weil es ja auch ein Spiel war, in dem es tabellarisch um etwas ging. Außergewöhnlich. Wir waren heute mutig - ganz anders als im Hinspiel. Wir kämpfen um unsere Position in der Tabelle, wir kämpfen hart, wir müssen dagegen halten und das machen wir momentan sensationell gut.“

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