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1:3 in Dortmund : Frankfurt trägt Trauer

Was nun, Herr Daum?
          3 Min.

          In den letzten Tagen vor dem Spiel und vermutlich auch in seinen letzten Tagen als Eintracht-Trainer hatte Christoph Daum seinem Ruf als Motivationskünstler noch einmal alle Ehre gemacht. Zuerst ließ er Plakate in der Kabine aufhängen, die seine verunsicherten Spieler aufrichten sollten. „Wenn die Sonne aufgeht, musst du besser sein als jeder anderer Spieler“ - auf diese Art wollte Daum trotz der miserablen Ausgangslage vor dem letzten Spiel noch einmal von irgendwoher einen Funken Zuversicht herbeilocken. Am Abend vor der Partie hielt der Frankfurter Cheftrainer dann noch eine flammende Rede.

          Peter Penders
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Möglichst lange ohne Gegentor über die Runden kommen und vorne auf ein Geschenk hoffen, so schien der Plan der Eintracht in Dortmund auszusehen. Dass Teil eins bis zur Halbzeit aufging, lag vornehmlich an Torwart Ralf Fährmann, der Worten Taten folgen ließ. „Der Trainer ist an sechs Tagen die Woche rund um die Uhr für uns da, jetzt müssen wir mal einen Tag für ihn da sein“, hatte Fährmann gesagt. In der 11. Minute konnte Fährmann das erste Mal für seinen Trainer und für all seine Mitspieler da sein - er parierte einen Foulelfmeter von Barrios, den Köhler an Blaszyczkowski verursacht hatte. Es war der vierte Strafstoß in dieser Saison, den die Dortmunder nicht nutzen konnten - die anderen drei hatte der verletzte Nuri Sahin vergeben.

          Die angriffsschwächste Mannschaft der Rückrunde führt

          Einmal so in den Mittelpunkt gerückt, blieb Fährmann mit frisch gewonnenen Selbstvertrauen im Brennpunkt. Kurz nach seiner ersten Großtat rettete er wieder gegen Barrios (14.), und nur eine Minute später lenkte er einen Kopfball von Lewandowski noch um den Pfosten. Auch Teil zwei des Daumschen Plans wäre beinahe vor der Pause noch aufgegangen. Denn kaum war die Führung von Borussia Mönchengladbach in Hamburg auf der Anzeigentafel eingeblendet worden, da zwang Caio mit einem Schuss aus 30 Metern den Dortmunder Kapitän Weidenfeller zu einer Parade.

          Abgestiegen: Vasoski und Co.
          Abgestiegen: Vasoski und Co. : Bild: REUTERS

          Immer wieder hatte Daum in der Vorbereitung auf diese Partie davon geredet, dass im Fußball immer alles möglich sei - und Zweifel an seiner Arbeit hatte das Abrutschen auf einen Abstiegsplatz bei ihm angeblich nicht hinterlassen. Daum hatte seiner Mannschaft aussichtslose Situationen vor Augen geführt, die anders endeten als erwartet. „Im Champions League-Finale 2005 lag Liverpool 0:3 zurück und hat noch gewonnen.“ Soviel Tore waren von der Eintracht, die bis zu dieser Partie nur sechsmal in der Rückrunde getroffen hatte, in Dortmund nicht zu erwarten - aber eins hätte ja schon reichen können. Das kleine Wunder geschah kurz nach der Pause tatsächlich: Die angriffsschwächste Mannschaft der Rückrunde ging in Führung.

          Russ trifft ins eigene Tor

          Gekas bewies einen Hang zur Artistik, als er einen weiten Pass Richtung Tor lenkte, und Rode (46.) schob diese Vorlage aus kürzester Entfernung über die Linie. Es dauerte einige Minuten, bis sich die Borussia von diesem Schock erholt hatte, aber danach entwickelte sich die Partie wieder nur in eine Richtung. Nach 68 Minuten war das Wunder von Dortmund wieder in einige Ferne gerückt. Barrios gelang der Ausgleich aus sieben Metern - Fährmann brachte zwar noch die Hände an den Schuss, aber der Ball trudelte hinter die Linie. Nur wenige später Minuten war es um die Eintracht geschehen: Wieder konnte Fährmann gegen den alleine vor ihm auftauchenden Barrios zunächst retten, aber den Abpraller stolperte Russ ins eigene Tor.

          Die letzte Hoffnung der Frankfurter war damit geschwunden, und erstmals in seiner Karriere musste Daum miterleben, wie eine von ihm betreute Mannschaft abstieg. Dass Fährmann einen weiteren Elfmeter parierte und dem eingewechselten Dede das Abschiedsgeschenk verwehrte, dass der gerade eingewechselte Frankfurter Titsch-Rivero wegen einer vermeintlichen Notbremse die Rote Karte sah, spielte keine Rolle mehr. „Nach der Führung haben ich noch gehofft. Jetzt sind wir alle sehr enttäuscht. Aber das hat nicht am heutigen Tag gelegen“, sagte Verteidiger Maik Franz.

          Bruchhagen: „Es wird einen Neuanfang geben“

          „Ich habe selbst noch in der 85. Minute auf den Klassenverbleib gehofft. Aber nach der Roten Karte war mir klar, dass es nicht klappen würde“, sagte der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen. „Es wird einen Neuanfang bereits in der nächsten Woche geben. Ich bin überzeugt, dass wir mit einer starken Mannschaft dann in einem Jahr wieder in der Bundesliga sind.“

          Daum hatte zwar in den Tagen vor der Partie in Dortmund plötzlich beteuert, sich einen Verbleib auch bei einem Abstieg vorstellen zu können, aber dies erscheint als sehr unwahrscheinlich. Klare Worte fand er nach dem Spiel nicht. Es könnte „Überlegungen und Gespräche“ in den nächsten Tagen geben, aber sein Vertrag laufe zunächst aus. Während Bruchhagen vermutlich bleiben und künftig einen Sportdirektor an seiner Seite haben wird, ist Daums Abgang nach seiner gescheiterten Mission unvermeidlich. 18 Spieler der Eintracht haben einen Vertrag für die Zweite Liga.

          Der Lizenzspieleretat der Eintracht in Liga zwei soll sich auf 18 Millionen Euro belaufen, damit wäre das Ziel Wiederaufstieg schon formuliert. „Hier bricht kein Chaos aus“, hatte Bruchhagen vor dem vierten Abstieg (nach 1996, 2001 und 2004) angekündigt - angesichts der stets auf Krawall ausgerichteten Eintracht-Ultras ein mutiges Versprechen.

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