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1:3 in Augsburg : Relegation als letzte Hamburger Hoffnung

  • -Aktualisiert am

Der fassungslose Torwart: Rene Adler schimpft Bild: dpa

Trotz Kurztrainingslager und Einsatz eines Bioenergetikers verliert der desolate HSV in Augsburg 1:3 und kann bestenfalls noch auf die Relegation hoffen. Und die DFL fordert Sicherheiten.

          Wohl fast alle der 30.000 Dauerkartenbesitzer des Hamburger SV waren im Sommer davon ausgegangen, für 17 Heimspiele bezahlt zu haben. Doch es sieht danach aus, als käme am 15. Mai ein 18. hinzu. Das erfreuliche an dieser an sich schlechten Nachricht: Alle, die ein Saison-Ticket gekauft haben, dürfen an jedem Donnerstagabend um 20.30 Uhr umsonst in die Arena, sollte es zum Play-off-Spiel gegen den Dritten der zweiten Liga kommen.

          Dazu entschlossen sich die HSV-Verantwortlichen um Vorstand Carl Jarchow. Ein Gratis-Spiel, auf das alle gern verzichtet hätten – und doch eine Partie, die diesem desolaten HSV wie ein Gewinn vorkommen muss: Beim 1:3 in Augsburg am Sonntagnachmittag spielte Trainer Mirko Slomkas Elf wieder, als hätte sie den Ernst der Lage verkannt. Vor allem die Abwehrschwäche war frappierend. Unter Slomka bleibt Hamburg auswärts sieglos, und die 3500 mitgereisten Fans waren fassungslos nach diesem Spiel gegen den FCA.

          So hatten auch das zweitägige Kurz-Trainingslager und der Einsatz eines Bioenergetikers keine messbare Wirkung auf den HSV: beides hatte Slomka in seinem elften Spiel zum ersten Mal ausprobiert.

          Das kleine Augsburg macht es dem großen Hamburg vor

          Das Beste am Spieltag waren wieder mal die Niederlagen der Konkurrenz aus Braunschweig und Nürnberg. Am Samstag gegen die Bayern geht der Hamburger Kampf um Rang 16 weiter. Tolgay Arslan wird dann fehlen – er sah in Augsburg die zehnte gelbe Karte.

          Auch Klaus-Michael Kühne wird dann wieder am TV-Gerät sitzen und seinem Lieblingsklub zuschauen. Der mögliche Einstieg des Milliardärs stößt allerdings nicht überall im Verein auf Gegenliebe. Gerade der aktuelle Vorstand würde lieber ohne den Mann mit den Spendierhosen auf Geldjagd gehen, um den von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) geforderten Überschuss von zehn Millionen Euro im Falle des Klassenverbleibs zu erzielen. Diesen Betrag will die DFL als liquide Mittel bis Ende Mai sehen, sonst wird es nichts mit der Lizenz.

          Unbestätigt ist bisher, dass es im Falle des Abstiegs sogar 20 Millionen Euro Überschuss sein müssen. Kühne wäre bereit, für seinen Lieblingsklub zu bürgen. „Mein Engagement beim HSV würde auch im Falle eines Abstiegs gelten“, sagt Kühne. „Ich bin weiterhin bereit, den HSV maßgeblich zu unterstützen.“ Das wäre auch den Männern hinter der Reformbewegung „HSVplus“ um Otto Rieckhoff am liebsten. Sollten die HSV-Mitglieder am 25. Mai für eine Ausgliederung des Profibereiches stimmen, käme Kühne wohl sehr schnell ins Boot. Doch der aktuelle Vorstand Carl Jarchow, Sportchef Oliver Kreuzer und der Aufsichtsratschef Jens Meier wären ihre Jobs los - „HSVplus“ und Kühne haben andere Kandidaten für die Führungsposten im Klub.

          Weil Jarchow und Co. wissen, was Kühne von ihnen hält (wenig), bemühen sie sich, die geforderten Sicherheiten bei Banken zu bekommen. Das gilt aber als schwierig, weil den Klub derzeit fast 100 Millionen Euro Verbindlichkeiten plagen. Zudem prüft der HSV nach Informationen der „Morgenpost“, ob er bei der Berechnung des Schlüssels, nach dem die Fernsehgelder von der DFL verteilt werden, ungerecht behandelt worden ist. Offenbar gibt es im Klub die Hoffnung, vier bis fünf Millionen Euro nach zu erlösen, sollte der Beschwerde stattgegeben werden. Beide Möglichkeiten wären erst einmal viel komplizierter als das Hoffen auf Kühnes Millionen – doch das Kämpfen an verschiedenen Schauplätzen zeigt eben auch, wie zerrissen dieser Verein ist und wie viele Personen letztlich mitreden. Sollte Jarchows Pläne platzen, bliebe nur Kühne als Retter. Denn Spieler sollen am liebsten nicht verkauft werden, weder Hakan Calhanoglu noch René Adler. Bei Rafael van der Vaart sieht das anders aus - der derzeit verletzte Spitzenverdiener kann bei einem ordentlichen Angebot im Sommer gehen.

          Altintop raubt den mutlosen Norddeutschen die Hoffnung

          In Augsburg verschlief der HSV die Startphase und lag nach sechs Minuten durch Halil Altintops Tor zurück. Ab der 30. Minute kamen die Hamburger besser ins Spiel, weil Augsburg mehr Raum gestattete. In diese Phase erzielte Altintop sein zweites Tor am Nachmittag und raubte den nun mutlosen Norddeutschen schon früh jede Hoffnung (32. Minute). Nach André Hahns 3:0 infolge eines schlimme Adler-Fehlers kündigte sich ein Debakel an, ehe Heiko Westermann in der 44. Minute der 3:1-Endstand mit der Schulter gelang.

          Als Favorit darf sich diese Mannschaft gegen keinen Zweitliga-Dritten fühlen, ob er Paderborn oder Fürth oder Kaiserslautern heißt. Ob es dazu überhaupt kommt, haben am nächsten Wochenende auch Braunschweig gegen Augsburg und Nürnberg gegen Hannover in der Hand. Vielleicht ist der HSV dann schon Letzter, und das 18. Heimspiel rückt in weite Ferne.

          FC Augsburg - Hamburger SV 3:1 (3:1)

          FC Augsburg: Hitz - Verhaegh, Callsen-Bracker, Klavan, Ostrzolek - Vogt (46. Kohr), Baier - Hahn, Altintop, Esswein (84. Werner) - Mölders (72. Ji)
          Hamburger SV: Adler - Diekmeier, Westermann, Mancienne, Jansen (69. Jiracek) - Badelj (75. Demirbay), Arslan - Rincón, Calhanoglu, Ilicevic - Maggio (61. Zoua)
          Schiedsrichter: Welz (Wiesbaden) -
          Zuschauer: 30 660 (ausverkauft)
          Tore: 1:0 Altintop (6.), 2:0 Altintop (32.), 3:0 Hahn (42.), 3:1 Westermann (44.)
          Gelbe Karten: Ostrzolek (9) / Arslan (10), Calhanoglu (2)

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