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1:2 in Hannover : Und Bayern verliert doch

Sieg für die Roten - die aus Niedersachsen Bild: dpa

Erst Abdellaoues Elfmeter, dann Panders abgefälschter Schuss: Hannover 96 schlägt den FC Bayern. München spielt lange zu zehnt und wacht zu spät auf.

          So hat man den FC Bayern in dieser Saison noch nicht erlebt: auswärts geschlagen, lange um einen Spieler dezimiert und fuchsteufelswild. Die 1:2-Niederlage des Tabellenführers bei Hannover 96 hatte alle Zutaten, die ein Spitzenspiel ausmachen - und noch ein paar mehr.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Bei den Bayern sah Verteidiger Jerome Boateng nach 28. Minute die Rote Karte nach einer Tätlichkeit, Cherundolo musste nach gut einer Stunde bei Hannover nach einer Gelb-Roten Karte gehen. Aber entscheidet setzt Hannover dem Tabellenführer mit den Treffern von Abdellaoue (22 Minute, Foulelfmeter) und Pander (50.) durch.

          Nahaufnahme: Hannover schlägt Bayern - mal wieder Bilderstrecke

          Die Mannschaft von Mirko Slomka präsentierte sich dabei als ein erstklassiges und ganz variables Kollektiv, mit Pander als einem Mittelfeldspieler von Extraklasse. Die Bayern wiederum hatten genug Chance, um die Niederlage auch trotz halbstündiger Unterzahl abzuwenden. Doch vor allem Gomez ließ beste Gelegenheiten aus. Es reichte für die Bayern in einem immer wieder mitreißenden Duell nur noch zu einem Treffer von David Alaba (83.), Schweinsteiger traf vier Minuten später nur den Pfosten für einen Tabellenführer, der bis zur letzten Sekunde mit aller Leidenschaft um den Ausgleich kämpfte. In der Nachspielzeit stürmte sogar Torwart Neuer - aber vergeblich.

          Wenn man sich am Sonntag um 17.30 Uhr die Tabelle der Fußball-Bundesliga anschaute, dann war man versucht zu sagen, dass die letzte Partie des zehnten Spieltags wie geschaffen war für die Münchner.

          Bei einem Sieg in Hannover wären die Bayern auf und davon gezogen, der Vorsprung selbst auf den hartnäckigsten Verfolger Dortmund hätte schon sechs Punkte betragen. Aber spätestens nach einer halben Stunde war klar, dass beim giftigen Spitzenduell des Tages alte Gewissheiten überhaupt keine Rolle mehr spielten.

          Hannover führte gegen die Bayern schon 1:0 durch den Elfmeter von Abdellaoue (23.), und Jerome Boateng sah bereits die Rote Karte (28.). Die Bayern hatten sich in diesen Momenten Schwächen und Unbeherrschtheiten geleistet, die man vom Souverän dieser Saison bisher nicht kannte. Kapitän Philipp Lahm ging im Strafraum ungewohnt ungeschickt in den Zweikampf mit Pinto, und Schiedsrichter Gräfe entschied sofort und ganz richtig auf Elfmeter.

          Aber die Bayern protestierten heftig. Geburtstagskind Abdellaoue, der Stürmer wurde 26 Jahre alt, nutzte die Gelegenheit, um Manuel Neuer nach 771 Minuten in der Bundesliga wieder mal die Bekanntschaft mit einem Gegentor zu verschaffen.

          Boateng stößt Schulz - Rot

          Nur fünf Minuten später handelten sich die Bayern den zweiten und entscheidenden Rückschlag des Tages ein. Pinto war von Rafinha an der Mittellinie gefoult worden und lag nun in der Coachingzone der Bayern. Boateng beschimpfte Pinto, weil er offenbar eine Schwalbe vermutet hatte, und dann stieß er den Hannoveraner Betreuer weg, der Pinto behandeln wollte. Was folgte, war klassische Rudelbildung, bei der nun Christian Schulz den Bayern-Verteidiger wegstieß. Boateng revanchierte sich auf dieselbe Art, allerdings heftiger.

          Gräfe beriet sich intensiv mit seinen Assistenten und zeigte Schulz die Gelbe Karte und Boateng Rot. Auch da lag Gräfe genau richtig.

          Ein schon bis dahin packendes Spiel hatte nun auch seinen ganz großen Aufreger gefunden, und alles, was vorher gespielt wurde, war mit der Münchner Unterzahl kaum mehr von Belang. Bis dahin hatte Abdellaoue nach einem herrlichen Zuspiel von Pander (12.) schon den Pfosten getroffen, die Bayern wiederum hätten durch Gomez´ Kopfball ebenso in Führung gehen können, aber Torwart Zieler reagierte prächtig (14.). In der 20. Minute kam auch der Hannoveraner Torhüter nicht mehr an den Schuss von Kroos heran, aber der Ball landete an der Latte.

          Von den beiden zählbaren Rückschlägen in der ersten Halbzeit erholten sich die Bayern recht schnell und erhöhten den Druck. Hannover verlegte sich nun stärker auf das Konterspiel, aber die Klasse der Bayern konnte sich auch in Unterzahl sehen lassen. Müller leistete kurz vor der Pause erstklassige Vorarbeit, aber Gomez schoss den Ball aus kurzer Distanz über das Tor (38.).

          Schweinsteiger trifft nur den Pfosten

          Auch nach der Pause hieß das Duell gleich wieder Gomez gegen Zieler, und wieder war der Hannoveraner dabei der Sieger (47. und 50.). Nahezu im Gegenzug entschied Hannover das Spitzenspiel, und den Bayern musste es vorkommen, als hätte sich an diesem Tag alles gegen sie verschworen. Panders Schuss fälschte Luiz Gustavo ins eigene Tor ab (50.).

          Doch die Aufregung legte sich nicht in Hannover bei einem jederzeit hochemotionalen, aber immer wieder auch erstklassigen Spiel. Hannover wäre in der 54. Minute durch Cherundolo beinahe der dritte Treffer geglückt, aber Neuer reagierte hervorragend. Zehn Minuten später war Cherundolo wieder im Blickpunkt, er sah nach wiederholtem Foulspiel, diesmal an Ribery, die Gelb-Rote Karte.

          Hannover verteidigte seinen Vorsprung bravourös - und kam Neuer dabei mit Kontern immer wieder gefährlich nahe. Die Bayern wiederum stemmten sich gegen ihre zweite Saisonniederlage. In den letzten zehn Minuten schien der Elan der Bayern dann ein wenig nachzulassen. Doch in der 84. Minute war es der eingewechselte Alaba, der seine erste Chance gleich nutzte. Schweinsteiger war dem Ausgleich (87.) dann ganz nahe, doch sein Schuss aus kurzer Entfernung trudelte nur gegen den Pfosten.

          Hannover 96 - Bayern München 2:1 (1:0)

          Hannover 96: Zieler - Cherundolo, Haggui, Pogatetz, Schulz (46. Rausch) - Pinto, Schmiedebach - Stindl, Pander - Schlaudraff (71. Chahed), Abdellaoue (79. Ya Konan)
          Bayern München: Neuer - Rafinha (68. Alaba), Boateng, Badstuber (87. Petersen), Lahm - Luiz Gustavo, Schweinsteiger - Müller, Kroos, Ribéry - Gomez (84. Olic)
          Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)
          Zuschauer: 49.000 (ausverkauft)
          Tore: 1:0 Abdellaoue (23./Foulelfmeter), 2:0 Pander (50.), 2:1 Alaba (83.)
          Gelbe Karten: Pinto (5), Schmiedebach (4), Schulz (3), Zieler (2) / Ribéry (1)
          Gelb-Rote Karten: Cherundolo (63./wiederholtes Foulspiel) / -
          Rote Karten: - / Boateng (28./Tätlichkeit)

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