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1:2 in Hannover : Dortmund hat die Siegermentalität verloren

  • -Aktualisiert am

Niedergeschlagene Dortmunder: Der Meister lernt das Verlieren Bild: dapd

In der vergangenen Saison war so etwas undenkbar: Der deutsche Meister Borussia Dortmund verschenkt in der Schlussphase eine Führung. Hannovers Willensstärke wird zurecht belohnt.

          Eine Krise, auch keine kleine, hat man sich bei Borussia Dortmund gar nicht erst einreden lassen. Dafür stand die gute Leistung beim 1:1 in der Champions League gegen den FC Arsenal am Dienstag. Mal sehen, wie die Dinge in dieser Woche laufen beim deutschen Meister, denn das 1:2 bei Hannover 96 am Sonntagnachmittag war ein weiterer herber Rückschlag in der Bundesliga. Die späten Gegentreffer durch Haggui in der 87. und Ya Konan in der 89. Minute bescherten Dortmund die dritte Niederlage nacheinander - ein Spitzenplatz ist in weite Ferne gerückt für die Borussia. Im Duell der Europapokal-Teilnehmer genügte dem deutschen Meister das Tor Kagawas in der 63. Minute nicht zum dritten Saisonsieg. Dabei vergaben die Borussen beste Chancen und hatten sich die Schuld an der Niederlage selbst zuzuschreiben.

          Der Trend der „Roten“ weist hingegen deutlich nach oben - das 2:1 gegen den Meister ließ die Fans in der ausverkauften Arena wieder jubeln, auch wenn Sobiech kurz vor Schluss die Rote Karte sah. Die Belohnungen für eine starke Saison können manchmal schmerzhaft sein. „Man merkt schon die Belastung“, sagte Sergio Pinto, Mittelfeldspieler bei Hannover 96, „morgens steht man mit ein paar Wehwehchen mehr auf.“ Erst die Qualifikationsspiele zur Europa League gegen den FC Sevilla, dann die erste Gruppenpartie gegen Standard Lüttich am Donnerstag, Hannover 96 lebt ganz schön stressig zu Beginn dieser noch jungen Spielzeit.

          Ganz hart wird es, wenn zum Wochenabschluss ein derart laufstarker Gegner wie Borussia Dortmund kommt und keine Rücksicht auf Europapokal-Strapazen nimmt. Von Anfang an stand Hannover 96 unter Druck. Mittelfeld-Renner Pinto durfte am Sonntagnachmittag zuschauen und sich auf der Bank ein bisschen ausruhen von den Strapazen der vergangenen Wochen, ehe er ab der 64. Minute zum Einsatz kam. Auch Cherundolo, Rausch, Schulz und Abdellaoue (beide verletzt) standen anders als Donnerstag nicht in der Startelf, statt dessen durften sich Stoppelkamp, Chahed, Pander, Hauger und Ya Konan versuchen. Volle Rotation also gegen den Meister - Mirko Slomka, Trainer von Hannover 96, nutzte die volle Breite seines Kaders aus. Nicht viel anders machte es sein Dortmunder Kollege Jürgen Klopp.

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          Zwei Tage mehr Zeit zur Vorbereitung als die „Roten“ hatte Dortmund seit dem ansehnlichen 1:1 in der Champions League gegen den FC Arsenal am Dienstag. Klopp ersetzte die gesperrten Kehl und Götze sowie den verletzten Bender und den formschwachen Großkreutz durch Gündogan, da Silva, Blaszczykowski und Perisic, den Torschützen gegen Arsenal. Mit der veränderten Formation kam der deutsche Meister deutlich besser zurecht als die Niedersachsen mit ihrer umgebauten Mannschaft.

          Vor allem die Außenverteidiger Pander und Chahed hatten Probleme, die Außenbahnen nicht zur Gefahrenzone werden zu lassen. Im Spiel nach vorn gelang ihnen wenig. Ab der 15. Minute hatte Dortmund das Spiel im Griff und kam zu Chancen. Zu beschauen war nun jedoch auch die bekannte Schwäche der Borussia - es werden zu viele Chancen vergeben. Perisic traf volley in der 24. Minute nur Zielers Fäuste, Blaszczykowskis Heber prallte ebenfalls vom Torwart Hannovers ab (39.).

          Klopps Team geht unter

          Hannover hatte alle Hände voll zu tun, keinen Gegentreffer zu bekommen und hatte ein paar Mal Glück, den Dortmunder Kombinationsfluss in höchster Bedrängnis durch eine Fußspitze oder ein anderes Körperteil zu unterbinden. Gefährlich wurde es nur, wenn Hannover hinten den Ball eroberte und seine Spezialität vorführte: Konter. In der 26. Minute wehrte Roman Weidenfeller im Dortmunder Tor einen Schuss Ya Konans ab, den Nachschuss Stoppelkamps blockte die Abwehr der Borussia. In vielen anderen Szenen verlor Hannover 96 den Ball aber viel zu schnell wieder, und das Zusammenspiel zwischen Ya Konan und Schlaudraff klappte auch nicht.

          Ähnlich wie beim 0:0 gegen Lüttich fiel den „Roten“ im Spiel nach vorn arg wenig ein, und man vermisste auch den Mut, dem Meister aus Dortmund mehr entgegen zu setzen als geordnete Defensive. Intern hatte Slomka die Leistung gegen die Belgier auch kritisiert, und womöglich fasste er sein Team auch am Sonntag etwas härter an in der Pause. Zumindest legte Hannover den Respekt nach dem Seitenwechsel ab und traute sich zu, etwas couragierter nach vorn zu spielen. Beinahe wäre Hannover dafür belohnt worden, doch Stoppelkamps abgefälschten Schuss wehrte Weidenfeller ab (62.).

          Nur Sekunden später wand sich Kagawa mit katzenhafter Eleganz durch die Abwehr Hannovers und lupfte den Ball elegant an Zieler vorbei zum 1:0 für Dortmund ins Tor. Doch Dortmund gab den Sieg noch aus der Hand, als Haggui in der 87. Minute zum Ausgleich traf und Ya Konan zwei Minuten später für den K.o sorgte. In Hannovers spätem Dauerdruck war Klopps Team untergegangen.

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