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1:2 gegen Wolfsburg : Schalke-Trainer Magath verliert gegen seine Meisterschüler

  • -Aktualisiert am

Gesichter eines Trainers Bild:

Das Wiedersehen geriet zur Enttäuschung: Meistertrainer Magath hatte auf einen Erfolg mit seinen neuen Schalkern gehofft. Doch die alten Schüler gewannen mit 2:1. Am Ende konnte Magath aber wenigstens ein wenig scherzen.

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          Einen Moment der persönlichen Nähe hat sich Felix Magath am Freitagabend nicht gegönnt. Er hätte auch nicht gepasst zu diesem Fußballlehrer, der es gelernt hat, sich von Gefühlen nicht über die Maßen beeinflussen zu lassen. So hielt es der 56 Jahre alte Cheftrainer des FC Schalke 04 auch diesmal, als seine Meister von gestern zu Besuch in der Gelsenkirchener Arena waren und beim 2:1-Sieg auch noch die Punkte mitnahmen. „Ich lege keinen Wert darauf, Kontakte zu ehemaligen Spielern zu suchen“, sagte der Profi Magath, kurz bevor sich Mannschaft und Tross des VfL Wolfsburg wieder auf den Weg zurück nach Niedersachsen machten.

          Dabei kannte Magath seine Wolfsburger und natürlich auch den doppelten Torschützen des VfL noch aus dem Effeff. Nur half ihm all seine Insiderkenntnis wenig, da Magaths Spieler sowohl bei Edin Dzekos Kopfballtreffer zum 1:0 (55. Minute) als auch beim Rechtsschuss des unwiderstehlich davongebrausten Bosniers zum 2:1 (81.) nicht aufgepasst hatten. Und das, nachdem ihnen Sekunden zuvor das 1:1 durch Höwedes' Kopfballtor (80.) geglückt war.

          „Es geht hier (noch) nicht um die Champions League“

          „Wir haben mit hundert Prozent Leidenschaft gespielt“, sagte der Juniorennationalspieler später. Doch was nützt alle Passion, wenn nicht hundert Prozent Cleverness und Kaltblütigkeit dazukommen. „Der VfL“, urteilte dessen ehemaliger Trainer ganz richtig, „war die reifere Mannschaft, das hat heute den Unterschied ausgemacht.“ Ein paar Minuten später verhehlte der Zampano der strengen Fußballlehre auch seine weiche Seite nicht, als er zugab, dass seine mit dem Titel reich belohnte Aufbauarbeit im VW-Werksklub Spuren hinterlassen habe. „Wir hatten sehr viel Erfolg miteinander. Das verbindet, das kann man nach vier Monaten nicht so einfach wegstecken.“

          In die falsche Richtung gezeigt?

          Da dieser Unterfranke ein bekennender Dialektiker ist, erfuhr er die Widersprüchlichkeiten dieses Abends besonders schmerzhaft - auf der einen Seite die Mannschaft, die er mit viel Geld des Volkswagenkonzerns konstruiert und entwickelt hat; auf der anderen ein Team, das er in einer Phase übernehmen musste, da den Schalkern das große Geld fehlt. Für Magath bedeutet die defizitäre Grunddisposition, dass er verstärkt Talente ausbilden und vorhandene Potentiale zur Neige ausschöpfen muss. „Irgendwann“, hat der hochdotierte Entwicklungshelfer am Freitag gesagt, „wird eine Stammmannschaft da sein, aber noch läuft unser Spiel nicht rund. Es geht hier (noch) nicht um die Champions League, sondern darum, vielleicht die Europa League zu schaffen.“

          Respekt vor dem Fußball-Magister Magath

          Neidisch schaut er deswegen nicht nach Wolfsburg, wo sein Nachfolger Armin Veh erst einmal durchatmen kann, weil Wolfsburg nach drei Niederlagen wieder den Anschluss an die Bundesliga-Spitzengruppe geschafft hat. Um einen persönlichen Sieg über Magath ging es dem ähnlich wie Magath souveränen Denker am allerwenigsten. „Für mich“, sagte Veh, „war das ein normales Bundesligaspiel.“ Auch Magaths frühere Schutzbefohlene empfanden die Begegnung mit ihrem alten Trainer eher als positiven Ansporn, sich von ihrer besten Seite zu zeigen.

          So hob Mittelfeldspieler Christian Gentner hervor, „dass wir nicht gegen ihn (Magath) gespielt haben, denn wir haben ihm ja sehr viel zu verdanken“. Und Dzeko, der immer gern unter Magaths Führung gearbeitet hat, freute sich zwar darüber, „dass es sehr schön und etwas Besonderes“ sei, gegen den „alten Trainer gespielt und gewonnen zu haben“. Doch seine Worte verrieten vor allem den Respekt vor dem Fußball-Magister Magath.

          „Da macht ja fast das Verlieren Spaß“

          Der brauchte ein paar Minuten, um seinen Ärger über vermeintliche Fehlentscheidungen des Berliner Schiedsrichters Gräfe und die Naivität seiner Spieler bei den Wolfsburger Treffern zu verarbeiten. „Das Wiedersehen“, sagte Magath zunächst, „habe ich gut verkraftet, die Niederlage nicht.“ Wenig später klang der Aschaffenburger schon versöhnlicher.

          Froh über die nach einigen Diskussionen mit wichtigen Fangruppierungen zurückeroberte Begeisterungsfähigkeit des Publikums, sagte Magath: „Heute war es phantastisch in der Arena. Da macht ja fast das Verlieren Spaß.“ Mit diesem Schlusssatz hatte der Meister zu scherzen beliebt. Aber das macht Magath ja gern - manchmal auch, um von seinen wahren Gefühlen abzulenken.

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