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1:2 gegen Mönchengladbach : Ein Tiefschlag für die Eintracht

Frankfurts Torwart Nikolov kann's nicht fassen Bild: dpa

Es ist eine „schwere Niederlage“ für die Eintracht: Frankfurt verlor gegen Tabellennachbar Mönchengladbach mit 1:2. Beim 0:1 schoss Russ Torwart Nikolov an. Dann traf Brouwers. Schwegler verkürzte nur noch - zu wenig für einen Punkt.

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          Heribert Bruchhagen sprach als Erster von einer „schweren Niederlage, die uns hart trifft“. Das Besondere an diesem 1:2 der Frankfurter Eintracht gegen Borussia Mönchengladbach: Erstmals in dieser Saison sind die Hessen von einem Gegner geschlagen worden, den man gemeinhin auf Augenhöhe oder darunter wähnt. In den Vorjahren hat es derartige Tiefschläge nicht gegeben.

          Vielleicht auch deshalb gestand sich Vorstandschef Bruchhagen ein, „dass wir immer den Blick nach unten haben. Wir schauen immer mit einem Auge nach Nürnberg, Gladbach, Hertha - überall.“ Lange hat es an diesem 13. Bundesliga-Spieltag nicht danach ausgesehen, dass die Eintracht gegen die Borussia ernsthaft in Bedrängnis geraten könnte. S

          chließlich war sie die Mannschaft, die sich vor allem durch Ümit Korkmaz (40. Minute) und Alexander Meier (43.) gute Chancen herausspielte und gerade im Fall des aus einer Notlösung heraus an zentraler Sturmstelle aufgebotenen Meier das Pech hatte, dass dessen Kopfball von Jean Jaurès auf der Linie geklärt wurde. Doch es gab auch manche Unzulänglichkeit im Frankfurter Spiel. So vermochte beispielsweise der von Beginn an aufgebotene Markus Steinhöfer kaum eine vernünftige Flanke zu schlagen. Sein Freistoß (24.) sowie sein Eckball Sekunden vor der Pause waren Ärgernisse.

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          Kein Amanatidis, kein Fenin, kein Liberopoulos

          In der Entstehung nicht minder ärgerlich war der überraschende Führungstreffer für die Gladbacher. Innenverteidiger Marco Russ agierte bei einem Rettungsmanöver im Fünfmeterraum derart unglücklich, dass sein direkt in das Gesicht von Oka Nikolov gezielter Schuss wie eine Billardkugel ins eigene Tor prallte (54.). 0:1 statt 1:0 - für einen wie Rechtsverteidiger Patrick Ochs unverständlich, „denn drei Punkte heute wären Pflicht gewesen. Aber es hat uns einfach an Durchschlagskraft gefehlt.“

          Kein Ioannis Amanatidis, kein Martin Fenin und auch kein um seinen verstorbenen Vater trauernder Nikos Liberopoulos: Meier als Aushilfsstürmer machte seine Sache zwar nach Kräften ordentlich, vermochte als Einzelkämpfer aber nicht die ausschlaggebende Wucht zu entwickeln. Als die weiteren Treffer durch Roel Brouwers (66.) und Pirmin Schwegler (86., Handelfmeter) gefallen waren, merkte Eintracht-Kapitän Christoph Spycher in seiner Analyse an, „dass wir weiter zu unserem Saisonziel stehen. Wir haben eines ausgegeben, das mit der Mannschaft besprochen, und dann muss man auch dazu stehen.“

          Auch nach einer Niederlage wie dem 1:2 gegen Gladbach, die die Eintracht tabellarisch zwar auf Platz elf verharren lässt. Noch ist der Abstand zu den bedrohlichen Plätzen, die einer wie Bruchhagen zumindest mit einem Auge im Visier hat, relativ konstant geblieben. Trainer Michael Skibbe findet das in Ordnung. Er sprach von einem „guten Polster an Punkten“ und verbreitete die Hoffnung, „dass wir uns die fehlenden Zähler von heute in einer Woche in Berlin holen werden“. Bei jener Hertha also, die aktuell von dem Mann trainiert wird, der fünf Jahre lang vorzügliche Aufbauarbeit in Frankfurt geleistet hat und die Eintracht wie kein Zweiter kennt: Friedhelm Funkel.

          „Bei uns ist ein klarer Abwärtstrend zu erkennen“

          Elfmeterschütze Pirmin Schwegler, auch gegen die Borussia wieder einer der besten und fleißigsten Eintracht-Profis, wollte sich der optimistischen Grundhaltung seines Förderers Skibbe nicht anschließen. „Bei uns ist ein klarer Abwärtstrend zu erkennen“, sagte er nach der zweiten Heimniederlage dieser Saison. Große Freude über seinen verwandelten Strafstoß - Rob Friend hatte einen Freistoß von Caio mit der Hand im Strafraum abgewehrt - wollte denn auch nicht aufkommen. Gleichwohl aber empfahl er zur Krisenbewältigung, „jetzt nicht zu jammern. Diejenigen, die da sind, müssen wir stark machen“, so der Schweizer.

          Sogar Rückkehrer Caio, bei der jüngsten 0:4-Auswärtspleite in Leverkusen noch früh ausgewechselt, zeigte nach schlechten Trainingsleistungen während der Woche nun unter Wettkampfbedingungen gegen Gladbach phasenweise eine ordentliche Vorstellung. Auch der Österreicher Ümit Korkmaz, erstmals nach langer Wartezeit wieder in der Startelf aufgeboten, verdiente sich mit einigen Tempodribblings die Sympathien seines Trainers.

          Die Sympathien eines ganzen Vereins hatte sich Zeit ihres Wirkens Ute Hering erworben. Die umtriebige, freundliche Frau war beim Mutterverein Eintracht 28 Jahre lang die treue Seele, die alles zusammenhielt. Am Samstag, nach kurzer schwerer Krankheit, ist die nur 55 Jahre alt gewordene Ute Hering verstorben. „Sie ist für uns eine echte Freundin geworden“, sagte Präsident Peter Fischer. „Ute hinterlässt eine Lücke, die wir nicht schließen können.“ Sportlich die „schwere Niederlage“ gegen Mitbewerber Gladbach, menschlich der Verlust einer hochgeschätzten Integrationsfigur: kein guter Tag für die Frankfurter Eintracht.

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