https://www.faz.net/-gtm-73xi5

1:2 gegen Leverkusen : Bayerns Serie ist gerissen

Weiß schlägt rot, Bayer schlägt Bayern Bild: dpa

Ein Eigentor von Bayern-Verteidiger Jerome Boateng macht die Überraschung perfekt: Bayern München verliert sein erstes Bundesliga-Spiel in dieser Saison nach acht Siegen.

          Ausgerechnet der Lieblingsgegner hat die Rekordserie des FC Bayern gestoppt. Nach acht Siegen in den ersten acht Saisonspielen, Bestmarke in fünfzig Bundesliga-Spielzeiten, hat der überlegene Tabellenführer am Sonntag Abend ein dramatisches und zumeist überlegen geführtes Spiel gegen Bayer Leverkusen durch zwei kuriose Treffer von Stefan Kießling (40. Minute) und Sidney Sam (87.) 1:2 verloren. Beim ersten Treffer wurde Kießling von Philipp Lahm bei einem misslungenen Klärungsversuch angeschossen, beim zweiten erwischte der misslungene Kopfball von Sam, der das Bayern-Tor deutlich verfehlt hätte, Verteidiger Jerome Boateng im Gesicht, von wo er unerreichbar für Torwart Manuel Neuer ins Tor flog. Zwischenzeitlich hatte Mario Mandzukic (77.) das wütende Anrennen der Bayern mit dem 1:1 belohnt, doch am Ende standen die Münchner konsterniert mit leeren Händen da.

          Ausgelassenen feierten die Leverkusener um ihren glänzenden Torwart Bernd Leno ihren ersten Sieg bei den Bayern seit 1989. Von den letzten 18 Besuchen hatten sie nur zwei von 54 möglichen Punkten aus München mitgebracht. Doch jede Serie endet irgendwann, hier waren es gleich zwei. Dabei hatte es schon nach zwei Minuten zunächst nach einer Fortsetzung der Bayern-Gala der bisherigen Bundesliga-Saison ausgesehen. Thomas Müller spielte den Ball flach und scharf vom rechten Flügel an den Fünfmeterraum, wo der aus dem Rückraum herangespurtete Bastian Schweinsteiger die Kugel kunstvoll mit der rechten Hacke hinter dem linken Standbein vorbei unerreichbar für Torwart Bernd Leno zum langen Eck verlängerte. Doch er verfehlte das Ziel um Zentimeter.

          Doch so viel künstlerische Freiheit sollten die Bayern nicht mehr oft bekommen. Denn die Leverkusener staffelten ihre Vierer-Abwehrreihe und ihren Fünfer-Abwehrblock so geschickt und aufmerksam, dass die meisten Angriffsversuche der Bayern sich darin verfingen. Besonders die Unberechenbarkeit des angeschlagenen Franck Ribery wurde deutlich vermisst. Der begabte David Alaba, von Haus aus Außenverteidiger, diesmal ersatzweise als Flügelstürmer eingesetzt, mühte sich eifrig, konnte aber die Bayer-Abwehr nicht in Verlegenheit bringen. Und wenn dann doch einmal ein Münchner in der ersten Halbzeit zum Abschluss kam, so Mario Mandzukic mit einem Kopfball (14. Minute), Toni Kroos aus spitzem Winkel (35.) oder Schweinsteiger mit einem Distanzschuss (40.), dann war immer wieder Leno reaktionsschnell zur Stelle.

          Nanu, verloren: Mario Mandzukic kann es nicht glauben

          Die Bayern wirkten erstmals in dieser Saison in der Bundesliga nicht frisch, das galt auch für die Defensive, bisher mit nur zwei Gegentreffern in acht Spielen ein Prunkstück des Rekordmeisters. Erstmals in Gefahr geriet das Bayern-Tor in der 32. Minute, als Torwart Manuel Neuer eine Flanke von Carvajal nicht erwischte und Philipp Lahm für ihn zur Ecke klären musste. Zehn Minuten später aber war es Lahm, der patzte, nachdem ein Ballverlust im Mittelfeld zu einem schnellen Konter mit einem Dreiecksspiel von Kießling und Schürrle am Strafraum führte. Den letzten Querpass von Schürrle konnte Lahm mühelos abfangen, doch sein misslungener Klärungsversuch traf Kießling, von dem der Ball zum 0:1 ins Netz flog.

          Trainer Jupp Heynckes suchte neuen Schwung in Gestalt des kleinen Wirblers Xherdan Shaqiri, der zur zweiten Halbzeit für Verteidiger Holger Badstuber kam und Alaba am Flügel ablöste. Das führte schon nach vier Minuten zu einem wuchtigen Vorstoß des Schweizers, der Kroos perfekt bediente, doch der starke Leverkusener Verteidiger Philipp Wollscheid klärte im letzten Moment. Kurz darauf musste abermals Leno bei einem Gewaltschuss von Jerome Boateng hellwach sein, dann auch bei einem Distanzschuss von Shaqiri. Kurz darauf versuchte es der Schweizer mit einer Schwalbe, die ihm aber nur eine Gelbe Karte einbrachte.

          Abgesehen von zwei vergebenen Konterchancen durch Kießling und Schürrle spielte sich der Großteil der zweiten Halbzeit in der Leverkusener Hälfte, ja im Leverkusener Strafraum ab – erst recht nachdem Heynckes auch personell auf maximale Offensive geschaltet hatte. Er brachte den wieder genesenen Flügelstar Arjen Robben für den defensiven Mittelfeldmann Luiz Gustavo und dann auch noch Claudio Pizarro als zweite zentrale Spitze für den Spielgestalter Schweinsteiger.

          Bilderstrecke

          Der letzte Wechsel zahlte sich umgehend aus. Pizarro bediente Mandzukic mit einer Flanke von der linken Seite, und der Kroate köpfte mit seinem achten Saisontreffer das 1:1. Nur zwei Minuten später hätten die beiden Mittelstürmer in unfreiwilliger Kombination fast sogar das Führungstor erzielt – Pizarros misslungener Schuss traf Mandzukics Schienbein, und von dort trudelte der Ball an den Außenpfosten. Ebenso kurios fiel dann völlig überraschend der Siegtreffer durch den abgefälschten Kopfball des eingewechselten Sam – und fast doch noch, in der letzten Minute der Nachspielzeit, der Ausgleich, nachdem Torwart Neuer den Ball am gegnerischen Strafraum, achtzig Meter vor seinem eigenen Tor, gewonnen hatte. Doch Pizarros Kopfball, der 25. Torschuss der Bayern, landete auf der Latte.

          Bayern München - Bayer Leverkusen 1:2 (0:1)

          Bayern München: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Badstuber (46. Shaqiri) - Luiz Gustavo (59. Robben), Schweinsteiger (74. Pizarro) - Müller, Kroos, Alaba - Mandzukic
          Bayer Leverkusen: Leno - Carvajal, Wollscheid, Toprak, Hosogai - Bender, Reinartz, Rolfes - Castro (89. Friedrich), Kießling (83. Sam), Schürrle (83. Hegeler)
          Schiedsrichter: Meyer (Burgdorf)
          Zuschauer: 71 000 (ausverkauft)
          Tore: 0:1 Kießling (42.), 1:1 Mandzukic (77.), 1:2 Boateng (87./Eigentor)
          Gelbe Karten: Dante (2), Mandzukic (1), Shaqiri (1) / Carvajal (3)

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sowohl Trump als auch Johnson winken mit ihrem zerstörerischen Potential. Nur schätzen sie ihre Position falsch ein.

          Schwäche der EU? : Boris Trump

          Sowohl Trump als auch Johnson verschätzen sich: Man kann aus den Wechselbeziehungen der globalisierten Welt nicht in Trotzecken fliehen und dabei nachhaltige Gewinne machen. Europa ist da in einer stärkeren Position.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.