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1:2 gegen Hertha : Der HSV leidet auch unter Titz

  • -Aktualisiert am

Auch mit neuem Trainer unterlegen: die Spieler des HSV nach der Niederlage gegen Berlin. Bild: EPA

Neuer Trainer, alte Sorgen: Das 1:2 gegen Hertha BSC Berlin trotz Führung raubt den Hamburgern wohl auch die letzten Hoffnungen auf den Klassenverbleib.

          Er trieb seine Mannschaft immer wieder nach vorn, er wollte nicht, dass sie 30 Meter vor dem Tor verharrte – doch zaubern kann auch Christian Titz nicht. Der dritte Hamburger Cheftrainer der Saison musste bei seinem ersten Einsatz mitansehen, wie sich der HSV trotz einer 1:0-Führung schon von der 46. Minute an immer weiter zurückzog, als wolle er den knappen Vorsprung eine ganze Halbzeit lang verteidigen. Das musste misslingen.

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          Hertha BSC Berlin ließ einer schwachen ersten eine bessere zweite Hälfte folgen und kam zu einem 2:1-Sieg, der dem HSV nun wohl auch die letzten Hoffnungen raubt, noch in die Nähe des Relegationsranges zu kommen. Nach ordentlicher erster Hälfte war im zweiten Durchgang nichts mehr zu sehen vom HSV. Einzig Torwart Julian Pollersbeck war auf dem Posten und bewahrte sein Team vor einem höheren Rückstand. Nach vorn ging gar nichts mehr. Selbst besiegt hatte sich der HSV und wartet nun seit Ende November 2017 auf den fünften Saisonsieg.  „Wir glauben weiterhin an uns“, sagte Trainer Titz trotzig.

          Interims-Sportchef Thomas von Heesen wunderte sich über das Auseinanderbrechen des HSV im zweiten Durchgang. „Wir haben total den Faden verloren“, monierte der ehemalige Profi der Hamburger. Den Verantwortlichen fällt es immer schwerer, an die Rettung zu glauben. „Die Enttäuschung ist riesengroß. Wir können die Tabelle lesen“, meinte der amtierende Vorstandschef Frank Wettstein. „Die Zeit wird immer knapper. Aber wir sagen nicht, dass es unmöglich ist.“

          Mehr Ballbesitz hatte Titz versprochen, was ganz schön mutig war mit einer Mannschaft, die das Siegen verlernt hat. Doch der Gegner aus Berlin machte es den Hamburgern zunächst auch ausgesprochen leicht. Nur Begleitschutz war das Defensivverhalten der Hertha, da hatte manch Hamburger genug Zeit, den Ball anzunehmen – oder gar direkt weiterzuleiten. Applaus, und „HSV!“-Rufe gab es nach 45 Minuten, die aus Hamburger Sicht nur einen Makel hatten: Wenn man so viele Chancen bekommt und der eigene Torwart zudem einen Sahnetag erwischt hat, muss man höher als 1:0 führen.

          Zumindest dieser Treffer war den Hamburgern gelungen, eine mittlere Sensation nach drei torlosen Spielen. Filip Kostic hatte im Mittelfeld den Ball von Lewis Holtby bekommen, Kostic sah links Douglas Santos starten und spielte ihm den Ball in den Lauf. Der brasilianische Olympiasieger lief durch und schoss zum 1:0 ein (25. Minute). Es war sein erster Bundesligatreffer. Danach vergaben Kostic, Holtby und noch einmal Kostic eine höhere Führung – die allerdings überhaupt nur Bestand hatte, weil Pollersbeck in der 19. Minute gegen Vladimir Darida und in der 39. Minute gegen Vedad Ibisevic großartig hielt.

          Vorstandsboss und Sportchef sind entlassen, die Fans gingen auf die Barrikaden, und zuletzt musste auch noch Trainer Bernd Hollerbach gehen – auf der Basis dieser Unruhen spielte die neuformierte HSV-Mannschaft 45 Minuten lang überraschend gut. Ohne Hahn, Mavraj, Schipplock, Walace und Diekmeier im Kader versuchte Titz sein Glück. Da hatte der Bundesliga-Neuling aber ordentlich durchgegriffen. Papadopoulos und Wood saßen auf der Bank. Dafür hatte er Matti Steinmann aus der zweiten Mannschaft dabei, und auch Lewis Holtby stand in der Startelf, jener Spieler, der Titz einst als Individualtrainer beschäftigt und danach dem HSV vorgeschlagen hatte. Holtby hatte weder unter Gisdol noch bei Hollerbach eine Rolle gespielt.

          Abwehrchef Papadopoulos zeigte sich verärgert über diese Maßnahmen: „Dass man die Erfahrenen, die letzte Saison den Klassenerhalt geschafft haben, nicht in die Mannschaft nimmt, kann ich nicht verstehen“, grollte Papadopoulos und kritisierte: „Diese Aktion, immer etwas Neues zu versuchen, ist nicht das Beste.“ Titz wollte die Reaktion des Abwehrspielers am Samstagabend nicht kommentieren. Zunächst wolle er sich mit dem Griechen unterhalten.

          Kein Zauberer: der dritte Trainer Titz

          Besser als zuletzt war das Volksparkstadion gefüllt. Auch die Stimmung war ordentlich. Ein bisschen was hat dieser Titz dann doch bewegt. Was ihm nicht gelingen konnte, ist, aus einer ewig sieglosen Mannschaft eine Siegertruppe zu machen. Ängstlich zog sich der HSV nach der Pause zurück, überließ Hertha das Spiel, und als erst Plattenhardt flanken durfte, dann van Drongelen den Ball verpasste und Valentino Lazaro vor Douglas Santos ans Spielgerät kam, stand es 1:1 (56. Minute). „Wir waren auf die neue Trainerphilosophie vorbereitet“, meinte Hertha-Coach Dardai. „Meine Mannschaft hat wunderbar gefightet.“

          Plötzlich war die ganze Verunsicherung wieder sichtbar, der Druck, im nächsten Endspiel bestehen zu müssen – dem wievielten eigentlich in dieser Saison? Sieben Minuten später konnte der eingetauschte Salomon Kalou unbedrängt zum 1:2 einschießen. „In sieben Spielen sind noch viele Punkte zu vergeben“, meinte Mittelfeldspieler Matti Steinmann. „Ich glaube noch an den Klassenerhalt.“ Dafür müssten er und seine Nebenleute die Leistungssteigerung allerdings 90 Minuten durchhalten. „Fußball besteht aus zwei Halbzeiten“, betonte Titz.

          Die Hamburger Beine wurden am Ende tatsächlich schwerer, und Hertha kam zu einem ungefährdeten Sieg, der die letzten Saisonwochen für sie entspannt werden lässt. Für die Hamburger heißt es hingegen: Noch sieben Mal Bundesliga, dann geht nach einer schlimmen Saison eine lange, lange Geschichte zu Ende. „Endlich zweite Liga – HSV!“, sangen die Hertha-Fans.

          Nicht zu fassen: der HSV verliert weiter

          Polizeieinsatz nach Spielende

          Nach der 1:2-Niederlage des Hamburger SV in der Fußball-Bundesliga gegen Hertha BSC hat es einen Polizeieinsatz gegeben. Nach Spielende sei es zu einzelnen körperlichen Auseinandersetzungen unter HSV-Fans gekommen. Auch Polizeikräfte seien angegriffen worden und hätten Zwangsmittel einsetzen müssen, hieß es in einer Mitteilung der Hamburger Polizei am Samstag auf Twitter. Mittlerweile habe sich die Lage wieder beruhigt, hieß es weiter. (dpa)

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