https://www.faz.net/-gtm-7k6yq

1:2 gegen Gladbach : Schalker Trauertage

  • -Aktualisiert am

Nicht einverstanden mit seinem Platzverweis: Benedikt Höwedes beschwert sich beim vierten Offiziellen Bild: dpa

Schalke 04 kassiert in Gladbach einen umstrittenen Platzverweis und verliert schließlich mit 1:2. Ein Nationalspieler und Liebling von Jogi Löw versenkt den entscheidenden Elfmeter.

          3 Min.

          Achtes Heimspiel, achter Heimerfolg, sechster Sieg nacheinander: Borussia Mönchengladbach ist längst mehr als nur „the best of the rest“ in der Fußball-Bundesliga. Mit dem 2:1 über den FC Schalke 04 hängte die „Elf vom Niederrhein“ am Samstagnachmittag nicht nur den Tabellenfünften um sieben Punkte ab, sie nahm damit auch Kurs auf die ersten Drei und strebt der kommenden Saison anscheinend unaufhaltsam in Richtung Champions League entgegen. „Es ist noch zu früh zu sagen, wohin die Reise geht“, sagte Granit Xhaka. Und auch sein stürmischer Borussen-Kollege Max Kruse gab sich defensiv: „Wir sind im Moment in guter Verfassung, aber man darf das alles nicht zu hoch hängen.“

          Horst Heldt ließ derweil mächtig Dampf ab. „Wir sind heute klar benachteiligt worden. Ich weiß gar nicht, ob das ein Elfmeter war“, schimpfte der Manager des FC Schalke 04 nach der 1:2 (1:2)-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach am Samstag. Nach dem Pokal-Aus und dem Rückschlag in der Meisterschaft droht der Club seine Saisonziele aus den Augen zu verlieren. Trainer Jens Keller erhielt auch mit Blick auf die entscheidende Champions-League-Vorrundenpartie gegen den FC Basel Rückendeckung: „Wir haben nun weitere sehr wichtige Spiele vor uns. Die Trainerfrage stellt sich jetzt nicht - es geht in den nächsten Spielen darum, Siege einzufahren“, sagte Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies der Online-Ausgabe der „Sport Bild“.

          Die „Königblauen“ kamen dem Ligavierten großzügig entgegen, weil sich Kapitän Höwedes kurz vor der Halbzeit die Gelb-Rote Karte einhandelte, dabei einen Elfmeter verursachte, den Kruse zur 2:1-Führung nutzte (45. Minute). Zuvor hatte Farfan mit einem Strafstoß die in dieser Woche wieder einmal von Turbulenzen heimgesuchten Schalker in Führung gebracht (17.) – ein Vorsprung, der nicht lange hielt, weil Raffael acht Minuten später das 1:1 in diesem Spitzenspiel erzielte. Einen Anlass, sich möglichst bald von dem umstrittenen Trainer Jens Keller zu verabschieden, bot dieses Duell unter Gleichstarken (bis zu Höwedes’ Platzverweis) jedenfalls nicht.

          Wer Traumtore schießt, darf auch ausgelassen jubeln: Raffael umringt von Mitspielern

          Die Fotografen hatten zunächst nur einen im Visier: Keller. Die schwache „königsblaue“ Leistung bei der 1:3-Niederlage daheim im Pokal-Achtelfinale gegen Hoffenheim hatte die Stimmung rund um Gelsenkirchen jedenfalls derart eingetrübt, dass nun alles möglich schien – auch die Trennung von Keller, der dort keine große Lobby mehr hat. Die Arbeitsbilanz des seit fast einem Jahr in der Verantwortung stehenden Fußballlehrers will Sportchef Horst Heldt nach der Hinrunde ziehen. Das klingt nicht verheißungsvoll für den 43 Jahre alten Schwaben, der am Mittwoch im Champions-League-Spiel gegen den FC Basel unter Siegzwang steht, da nur ein voller Erfolg den Schalkern zum Erreichen des Achtelfinales verhilft.

          Die Schalker Mannschaft, zuvor in fünf Bundesligaspielen unbesiegt, zeigte am Samstag zumindest über weite Strecken der ersten Hälfte ihr zweites Gesicht und präsentierte sich anders als am Dienstag konzentriert, spielfreudig und professionell. Sie erschwerte damit den Gladbachern ihr sonst oft perlendes Kombinationsspiel und stach selbst einmal zu. Die Flanke des Sprinters Farfan hätte den diesmal als Stürmer aufgebotenen Boateng vermutlich genau erreicht, hätte ihn Verteidiger Korb nicht am Arm gezogen und zu Boden gedrückt. Schiedsrichter Zwayer deutete folgerichtig auf den Elfmeterpunkt, und Farfan nutzte die Gelegenheit zum 1:0 für die Westfalen (17.).

          Da gab’s noch Grund zum Jubeln: Jefferson Farfan bringt Schalke per Elfmeter in Führung

          Dann aber drehten eine fabelhafte Einzelaktion und ein fatales Handspiel die Begegnung. Raffael zirkelte den Ball aus zwanzig Metern hoch ins Tornetz (25.): sein achter Saisontreffer am 15. Spieltag. Der bisherige Saisonrekord des Brasilianers lag bei sieben Toren, die er für Hertha BSC nach 34 Spieltagen zu Buche stehen hatte. Der unverhoffte Ausgleich veränderte aber nicht die gesamte Szenerie, da sich die Schalker zunächst unbeeindruckt zeigten und ihren kultivierten Kombinationsfußball weiter aufzogen. Ausgerechnet ihr Kapitän und Vorkämpfer Höwedes bescherte ihnen dann aber ein zu schweres Handicap. Mit dem Oberarm wehrte der schon verwarnte Innenverteidiger einen Schuss von Kruse im Schalker Strafraum ab. Abermals konnte der Berliner Unparteiische nicht anders, als auf Strafstoß, garniert mit der zweiten Gelben Karte für Höwedes, zu entscheiden. Kruse traf in der 45. Minute zum 2:1, und Höwedes ging für diesen grauen Dezember-Samstag auf Nimmerwiedersehen.

          2:1 nach Toren und 11:10 nach Spielern, so lautete der Vorsprung der heimstärksten Bundesliga-Mannschaft in diesem Duell zwischen dem Vierten und Fünften der Liga. Alle Vorteile lagen nun bei den „Fohlen“, die nach dem Wechsel das Tempo, den Druck und die ohnehin schon hohe Passqualität ihres Spiels erhöhten. Herrmann (54./56.) besaß zwei gute Torgelegenheiten, doch zum einen war der Abschluss des rechten Flügelmanns zu ungenau, und zum anderen wies Torhüter Fährmann mit einer exzellenten Parade nach, warum er derzeit die Nummer eins der Schalker ist. Die berappelten sich noch einmal und bewiesen Konterstärke, vor allem, wenn Farfan auf und davon brauste. Insgesamt wurde diese Partie über weite Strecken dem hohen Anspruch, der sich mit ihr verband, gerecht – auch auf Seiten der Schalker. Die Kraft zur letzten Pointe aber besaßen die „Königsblauen“ nicht mehr, auch wenn Boateng in der Nachspielzeit nah am Ausgleich war, als ter Stegen seinen Kopfball parierte.

          Borussia Mönchengladbach - FC Schalke 04 2:1 (1:1)

          Bor. Mönchengladbach: ter Stegen - Korb, Jantschke, Stranzl, Wendt - Kramer, Xhaka - Herrmann (90. Nordtveit), Arango - Raffael (88. Brouwers), Kruse (83. de Jong)
          FC Schalke 04: Fährmann - Uchida, Höwedes, Felipe Santana, Kolasinac (81. Fuchs) - Matip, Neustädter (84. Szalai) - Farfán, Meyer, Draxler (89. Clemens) - Boateng
          Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
          Zuschauer: 54.010 (ausverkauft)
          Tore: 0:1 Farfán (17./Foulelfmeter), 1:1 Raffael (24.), 2:1 Kruse (45.+1/Handelfmeter)
          Gelbe Karten: Korb (4) / Meyer (3), Neustädter (2), Uchida (4)
          Gelb-Rote Karten: - / Höwedes (45./Handspiel)

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Brexit-Verhandlungen : London legt neue Vorschläge vor

          Medienberichten zufolge habe London Brüssel in den Brexit-Verhandlungen neue Vorschläge für die irische Grenze gemacht. Ein Punkt, der für die Bundesregierung eminent wichtig sei, sagt Staatsminister Michael Roth.
          Von der Türkei unterstützte Kämpfer am Montag in Ras al-Ain

          Türkische Offensive in Syrien : Harte Gefechte um Grenzstadt

          Nach schweren Kämpfen sollen Kurden nach Angaben von Aktivisten türkische Truppen aus der wichtigen Grenzstadt Ras al-Ain vertrieben haben. Andere Quellen sprechen von anhaltenden Gefechten.

          Krankhaftes Sexualverhalten : Wenn die Lust zur Qual wird

          Ähnlich wie Drogen- und Spielsüchtige sind auch Sexbesessene darauf aus, sich stets neue „Kicks“ zu verschaffen. Vielen Patienten könne eine Verhaltenstherapie helfen, sagen Forscher. Jedoch hilft nicht jeder Lösungsansatz.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.