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1:1 in Wolfsburg : Auf Bayerns Schock folgt der Leichtsinn

  • -Aktualisiert am

So wird das nichts mit dem Meistertitel: Van Gaals Bayern spielen in Wolfsburg nur remis Bild: dapd

Nach einem frühen Billardtor von Müller sieht Bayern wie der sichere Sieger aus, doch Riether schafft den späten Ausgleich für Wolfsburg. Beide Mannschaften verschießen einen Elfmeter. Und Ribéry verletzt sich am Knie.

          3 Min.

          Der deutsche Fußballmeister Bayern München hat schon sein erstes Zwischenziel in der Bundesliga-Rückrunde verfehlt. In einer aufregenden Partie vor 30 000 Zuschauern in der ausverkauften Volkswagen Arena kam die Mannschaft von Trainer Louis van Gaal am Samstagnachmittag beim abstiegsbedrohten Tabellen-Vierzehnten VfL Wolfsburg nur zu einem 1:1 nach Toren von Thomas Müller (7. Minute) und Sascha Riether (86.).

          Die Jagd auf die nun 16 Punkte in Front liegenden Dortmunder sehen selbst die Münchner inzwischen als chancenlos. „Es bleibt immer eine Hoffnung. Aber sie sind einfach zu weit weg und das muss man akzeptieren. Und dann kann man auch gratulieren“, sagte Arjen Robben, der nach langer Verletzungspause erstmals eingewechselt wurde. Der Trainer sieht es ganz ähnlich: „Es ist alles möglich, das ist immer noch so. Aber wir müssen uns auf den zweiten Platz richten“, sagte van Gaal.

          Auf Robben und Gustavo müssen die Fans warten

          Die Bayern waren am Samstagnachmittag zwar das reifere Team, ließen sich aber von den kampfstarken Wolfsburgern immer wieder in Verlegenheit bringen. Zu dem an Knalleffekten und unverhofften Wendungen reichen Drehbuch dieses Spiels gehörten unter anderem auch zwei verschossene Elfmeter (durch Lahm und Grafite), das Comeback des Münchner Superstars Robben sowie eine neue, möglicherweise schwere Verletzung von Franck Ribéry, dem französischen Flügelflitzer der weiter auf Rang verharrenden Bayern.

          Schwerwiegender Verlust: Ribéry scheidet verletzt aus

          Auf Robben und Luiz Gustavo mussten die Bayern-Fans anfangs noch warten. Beide zählten beim Anpfiff zu den wertvollen Bank-Reserven der Münchner. Robben, weil er nach schwerer Verletzung (Muskelriss im Oberschenkel) erst behutsam an den Spielbetrieb herangeführt wird; Luiz Gustavo, weil sich der aus Hoffenheim gekommene Brasilianer an der Säbener Straße erst einmal akklimatisieren soll. Wieder aktiv dabei war der von einer Schambeinverletzung genesene Innenverteidiger Holger Badstuber - als Chef einer im Zentrum sehr jungen Abwehr. Badstuber und sein brasilianischer Nebenmann Breno sind mal gerade 21 Jahre alt und damit noch ein Jahr jünger als die neue Nummer eins zwischen den Pfosten. War von Thomas Kraft in der Hinrunde, wenn überhaupt, nur am Rande die Rede, fokussierte sich diesmal das ganz große Interesse auf das Ligadebüt des neuen Schlussmannes der Bayern.

          Müller gelingt ein kurioses Führungstor

          In Wolfsburg müssen sich die Spieler des unter Erfolgsdruck stehenden Trainers Steve McClaren erst einmal an Spiele ohne ihren für eine Ablösesumme von 35 Millionen Euro zu Manchester City abgewanderten Kapitän Edin Dzeko gewöhnen. Beim Meister von 2009 gab endlich Nationalspieler Arne Friedrich als Chef des Abwehrverbundes nach quälenden Monaten mit Bandscheibenproblemen seinen starken Bundesliga-Einstand.

          Er musste sogleich mitansehen, dass die Münchner wie die Feuerwehr loslegten: Schon nach fünf Minuten krachte ein Gomez-Schuss gegen die Latte, und nach sieben Minuten führten sie durch ein kurioses Tor. Bei einem weiten Abschlag von Kraft zögerten die Wolfsburger Schäfer und Benaglio; gedankenschnell sprintete Müller dazwischen, und nach einem Pressschlag mit Torhüter Benaglio trudelte der Ball ins VfL-Tor.

          Bayern muss zwei Schrecksekunden verdauen

          Danach ließ Bayern Ball und Gegner laufen, musste aber in der 17. Minute einen schweren Rückschlag hinnehmen. Josué war Ribéry auf den Fuß gestiegen, der knickte um, und dabei verletzte sich der Münchner Franzose so nachhaltig am linken Knie, dass er in der 25. Minute durch Robben ersetzt wurde, der erst einmal Tritt zu fassen versuchte. Dazwischen musste der Meister eine weitere Schrecksekunde verkraften. Dejagah hatte Pranjic im Strafraum gefoult, doch Philipp Lahm schoss den Strafstoß gegen den Pfosten (21.).

          In dieser turbulenten Partie ging es minütlich rund. So auch, als Dejagahs Kopfball nach Schäfers Freistoß an der Latte landete (37.); als der Berliner Schiedsrichter Gräfe ein Freistoßtor von Diego nicht anerkannte, weil Cicero hauchdünn im Abseits gestanden und damit Krafts Sicht behindert hatte (42.); und schließlich, als Grafite bei einem sehr zweifelhaften Foulelfmeter - nachdem Badstuber Dejagah berührt hatte - Lahm kopierte und ebenso scheiterte (45.+2). Allerdings hatte der damit in zwei Szenen überragende Kraft seine Hand dazwischen, als er den strammen Schuss gegen die Latte lenkte.

          „Vielleicht darf ich mal etwas egoistisch sein“

          Bayern gab auch nach dem Wechsel dank besserer Spielorganisation den Takt dieser intensiv geführten Begegnung vor, musste aber gegen die engagierten Niedersachsen stets auf der Hut sein. Zum Glück behielt vor allem Kraft bei seiner starken Premiere den Überblick - so auch bei einem Kopfball von Mandzukic, den er fabelhaft parierte (56.). Auf der anderen Seite drehte nun auch Robben mehr und mehr so auf, wie man ihn in bester Erinnerung behalten hat. Um in diese Partie voller Turbulenzen etwas mehr Ruhe zu bringen, durfte von der 69. Minute an auch der Neu-Bayer Luiz Gustavo mithelfen, den wertvollen 1:0-Vorsprung über die Zeit zu bringen.

          Das gelang nicht, weil sich Schweinsteiger von Schäfer wie ein Jugendspieler ausspielen ließ und Riether die Vorlage seines Kollegen Neu-Kapitän zum 1:1 (86.) nutzte. Das Remis belohnte den Elan der kampfstarken Altmeister von 2009. Derweil sah ein weiterer Bayern-Spieler neben dem Debütanten Kraft noch etwas Positives am Rückrundenauftakt. „Vielleicht darf ich mal etwas egoistisch sein. Ich fühle mich wie der glücklichste Mensch in der Bundesliga“, sagte Robben bezogen auf sein lang ersehntes Comeback.

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