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1:1 in Nürnberg : Unentschieden mit zwei Bayern-Verlierern

Abgang mit hängendem Kopf: Robben sah Rot Bild: dpa

Die größte Gefahr für das Tor des FC Bayern steht im selben: Thomas Kraft präsentiert sich in der ersten Hälfte unsicher und verschuldet in der zweiten den Nürnberger Ausgleich. Nach Spielschluss sieht der wütende Arjen Robben rot.

          3 Min.

          Das 182. bayrische Derby blieb ohne Sieger und hatte doch zwei Verlierer - die Münchner Thomas Kraft und Arjen Robben. Der Bayern-Torwart verschuldete mit einem schlampigen Zuspiel in der 62. Minute den Ausgleichstreffer durch den 1. FC Nürnberg. Christian Eigler hatte sich den Ball geholt, Kraft überlupft und e seinem Team damit ein verdientes 1:1 gesichert, nachdem die Bayern schon nach fünf Minuten durch Thomas Müller in Führung gegangen waren. Aus Wut über das Resultat attackierte Robben nach Schlusspfiff Schiedsrichter Knut Kircher so heftig, dass der Bayern-Star noch die Rote Karte erhielt. Robben bedauerte später seinen Blackout und sagte: „Ich entschuldige mich bei meinen Spielern und den Fans, weil ich wohl nächste Woche nicht dabei sein werde.“ Da empfängt der FC Bayern im Spitzenspiel Bayer Leverkusen.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Wieder einmal enttäuschten sich die Münchner selbst, entsprechend reagierte auch Bastian Schweinsteiger. „Wer solche Chancen verpasst und Fehler macht, der hat einen Sieg nicht verdient“, sagte der Mittelfeldmann. Dass Hannover die Bayern auch noch von Platz drei in der Tabelle verdrängt hat, befand Trainer Louis van Gaal als „sehr schlecht für uns“.

          Anders als am Ende bei Robben blieben diesmal die Umgangsformen des Nürnbergers Javier Pinola tadellos. Der Argentinier, der in der Hinrunde in München Bastian Schweinsteiger angespuckt hatte, wollte sich vor dem Spiel noch einmal persönlich beim Bayern-Spielmacher entschuldigen und gelobte Besserung. Dafür leistete er sich schon nach fünf Minuten ein spielerisches Fehlverhalten, das sein Team teuer zu stehen kam. Bei einem langen Zuspiel wurde der Linksverteidiger in Höhe der Mittellinie von der kräftigen Frühlingssonne geblendet, nahm den Ball unsauber an und verlor ihn dadurch an den heranstürmenden Arjen Robben. Der Holländer stach mit Hochgeschwindigkeit in die entblößte Nürnberger Hälfte und fand mit einem diagonalen Zuspiel den in den Strafraum gespurteten Thomas Müller. Der ließ einen Verteidiger aussteigen und vollendete den Konter zum 0:1.

          Alle auf Eigler: Nürnberg feiert den Kunstschützen

          Die Nürnberger brauchten einige Zeit, um sich von diesem Rückschlag zu erholen, sie kamen dem Tor zunächst nur durch einen Freistoß von Ilkay Gündogan nahe, der um die Mauer ans Außennetz flog. Und schon ereilte sie der nächste Rückschlag, denn nach einem Foul von Toni Kroos war Gündogan deutlich angeschlagen. Der kleine Spielmacher schleppte sich noch eine Viertelstunde durch die Partie, musste dann aber nach 33 Minuten durch Jens Hegeler ersetzt werden.

          Zu diesem Zeitpunkt hatten die Bayern die Kontrolle über die Partie übernommen. Sie dominierten das Mittelfeld, fabrizierten allerdings in Tornähe nur Stückwerk, mit Ausnahme einer Torchance in der 28. Minute, als Mario Gomez nach flacher Hereingabe von rechts in beste Schussposition gelangte, im letzten Moment aber von Philipp Wollscheid gestört wurde.

          Krafts verhängnisvoller Fehler

          Die Nürnberger hielten körperlich und kämpferisch dagegen, kamen aber über die Andeutung von Torgefahr bei einigen Eck- und Freistößen nicht hinaus. Es fehlte in letzter Konsequenz die Ruhe und Übersicht beim letzten Pass oder beim Abschluss. So bei Kapitän Andreas Wolf, der eine Minute vor der Pause nach einem Freistoß völlig frei zum Kopfball kam, aber ohne Zielvermögen blieb. Die größte Gefahr für das Bayern-Tor in der ersten Halbzeit kam denn von den Bayern selbst, genauer von Torwart Thomas Kraft, der in der 39. Minute an einem langen Pass von Almog Cohen vorbeisegelte, der Ball aber zum Glück für die Bayern ins Toraus trudelte, ehe ihn der heranspurtende Nürnberger Christian Eigler erreichen konnte.

          Trotz der Führung und der weitgehenden Nürnberger Harmlosigkeit sah Bayern-Trainer Louis van Gaal in der Pause Bedarf, seine Defensive zu stabilisieren. Er brachte Diego Contento für Danijel Pranjic auf der linken Abwehrseite und Anatoli Timoschtschuk für Kroos im defensiven Mittelfeld. Doch er hätte besser seinen Torwart ausgewechselt, der, ohne groß geprüft worden zu sein, immer wieder Unsicherheit verbreitete - so, als er zweimal den Ball unbedrängt zum Gegner spielte. Beim dritten Mal wurde Krafts Fehljustierung verhängnisvoll für die Bayern. Am eigenen Strafraumeck attackiert, wollte Kraft den Ball, den er sicher zu kontrollieren schien, auf Philipp Lahm lupfen, tat das aber so ungenau, dass Eigler dazwischenspurten konnte. Antritts- und gedankenschnell schlug der Nürnberger Stürmer den Ball direkt über den entgeisterten Kraft hinweg ins Tor.

          Nach nur 63 Minuten vollzog van Gaal seinen dritten und letzten Wechsel, brachte Miroslav Klose für Müller, und der Reserve-Stürmer brachte tatsächlich etwas Gefahr. Sein Kopfball nach einer Ecke musste von Cohen auf der Linie abgewehrt werden (68.). Noch besser war die Gelegenheit für Gomez, der aber im Nachschuss aus vier Metern über das Tor schoss (77.). Auch Nürnberg hatte noch seine Siegchance, doch Hegeler segelte völlig frei knapp an einer Flanke vorbei (87.).

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