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1:1 in Nürnberg : Dortmund lässt Punkte liegen

Schulter voraus: Dortmunds Marvin Ducksch kommt vor Nürnbergs Torschütze Per Nilsson an den Ball Bild: dpa

Im Vergleich zum Spiel in Neapel hält sich Dortmunds Trainer Klopp auffällig zurück. Schmelzer bringt den BVB in Führung, Nilsson gleicht für Nürnberg aus. Die B-Elf der Borussia kann die Siegesserie nicht verlängern.

          3 Min.

          Club oder Klopp? Am Ende des brisanten Duells stand kein Sieger. Mit einer durch Verletzungen geschwächten Mannschaft kam Borussia Dortmund am Samstag beim 1. FC Nürnberg nicht über ein 1:1 hinaus und erlitt den ersten Punktverlust der Saison – aber keinen Kontrollverlust wie drei Tage zuvor in Neapel. Marcel Schmelzer hatte den Tabellenführer mit einem kunstvollen 25-Meter-Freistoß in Führung gebracht (37. Minute), Per Nilsson glich für die weiter sieglosen Nürnberger aus.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Jürgen Klopp, für seinen cholerischen Auftritt in Neapel nicht nur von sich selbst kritisiert („Ich mache da draußen ’nen Affen, das geht nicht. Das war völlig doof!“), sondern auch vom Bund Deutscher Fußball-Lehrer, hielt sich diesmal auffällig zurück mit Auftritten an der Seitenlinie. Nur einmal war so etwas wie ein Wutanfall zu erkennen, als er brüllend und armwedelnd die Trainerbank verließ, doch richtete sich das zu Recht gegen die eigene Mannschaft und deren Passivität vor der Pause nach dem Führungstor.

          Klopp hatte sich vor der Partie zu einem gravierenden Umbau seiner Mannschaft entschlossen. Obwohl er neben Gündogan und Kehl auch noch den in Neapel verletzten Abwehrchef Mats Hummels ersetzen musste, riskierte er es, Spielern wie Lewandowski, Mchitarjan und Sahin zunächst eine Pause nach dem aufreibenden Champions-League-Auftakt zu verschreiben.

          Zur Pause mussten auch noch Reus und Schmelzer angeschlagen den Platz räumen. Diese wohl kräftigste Rotation seiner bisherigen Amtszeit in Dortmund verschaffte zwei Nachwuchsspielern, dem 21 Jahre alten Außenverteidiger Erik Durm und dem zwei Jahre jüngeren Stürmer Marvin Ducksch, ihr Startelf-Debüt in der Bundesliga.

          Dortmunds Nationalspieler Marco Reus, hier im Zweikampf mit Timothy Chandler, musste zur Halbzeit verletzt ausgewechselt werden
          Dortmunds Nationalspieler Marco Reus, hier im Zweikampf mit Timothy Chandler, musste zur Halbzeit verletzt ausgewechselt werden : Bild: AFP

          Gegen die Nürnberger, seinen persönlichen Lieblingsgegner (neun Siege, ein Remis hatte Klopp bisher in zehn Partien mit Dortmund geschafft), schien der Dortmunder Trainer dieses Risiko mit einer halben B-Elf eingehen zu können. Doch nach der ersten Dortmunder Chance durch Marco Reus, der nach Umspielen von Torwart Raphael Schäfer aus spitzem Winkel scheiterte (7.), kamen die verunsicherten Nürnberger allmählich ins Spiel, weil die Pressing-Versuche der Borussen sich als nicht so effizient wie gewohnt erwiesen – es fehlte zunächst die Frische, der letzte Schritt.

          Nach zwanzig Minuten brauchte der Favorit viel Glück, als ein Bogenkopfball von Mike Frantz aus 14 Metern an die Latte flog und sieben Minuten später ein wuchtiger Weitschuss von Hiroshi Kiyotake knapp über das Tor strich. Aber auch Dortmund hatte seine Chancen, etwa durch Aubameyang, der mit einem Volleyschuss aus spitzem Winkel das Tor knapp verfehlte (37.). In der weitgehend ausgeglichenen ersten Halbzeit war es dann der lichte Moment von Schmelzer, der im Ergebnis den Unterschied machte.

          Ruhig und ohne Ausraster: BVB-Trainer Jürgen Klopp
          Ruhig und ohne Ausraster: BVB-Trainer Jürgen Klopp : Bild: dpa

          Zu Beginn der zweiten Halbzeit suchten die Nürnberger ihre Chance gegen den personell arg geschwächten Favoriten – und wurden belohnt, als Nilsson einen Freistoß-Abpraller zum 1:1 verwertete. Es war bereits der fünfte Gegentreffer der Dortmunder in der jungen Saison nach Standards – je einer gegen Braunschweig und Hamburg und zwei gegen Neapel. „Bei Standards müssen wir uns verbessern“, hatte Klopp gefordert – eine Forderung, die am Samstag noch ohne Wirkung blieb.

          Der „Club“ zeigte sich verbessert gegenüber dem 1:1 in Braunschweig, nach dem sich Sportdirektor Martin Bader „erschüttert“ gezeigt hatte über die Art und Weise, wie wir gespielt haben“ und erklärte: „Wir sorgen uns um unseren Verein.“

          Dortmunds Marvin Ducksch hat Ball und Gegenspieler Mike Frantz im Visier
          Dortmunds Marvin Ducksch hat Ball und Gegenspieler Mike Frantz im Visier : Bild: dpa

          Trainer Michael Wiesinger demonstrierte vor dem Dortmund-Spiel Entschlossenheit und strich seinen erfahrensten Spieler, Hanno Balitsch mit 334 Bundesliga-Einsätzen, „aus sportlichen Gründen“ aus dem Team. Auch Veteran Javier Pinola fand sich nach Gelb-Rot-Sperre nur auf der Bank wieder, auf der linken Abwehrseite ersetzt durch den 21-jährigen Marvin Plattenhardt – der den Ausgleich gegen Dortmund per Freistoß vorbereitete.

          Doch der scheinbar beflügelnde Treffer zum 1:1 wurde eher zum Weckruf für den angeschlagenen Tabellenführer, der das Spiel danach komplett bestimmte und zahlreiche Chancen produzierte. Blaszczykowski schoss aus 17 Metern knapp vorbei (54.), Ducksch scheiterte aus kurzer Entfernung an Torwart Schäfer (56.), Aubameyang verfehlte das Tor aus spitzem Winkel (59.), und Jonas Hofmanns wuchtiger Schuss nach schönem Solo wurde von Schäfer pariert (76.).

          Flexibel: Erik Durm durfte gegen Nürnberg erst rechts, dann links verteidigen
          Flexibel: Erik Durm durfte gegen Nürnberg erst rechts, dann links verteidigen : Bild: AFP

          Wie aus dem Nichts hatte der eingewechselte Alexander Esswein in der 90. Minute den Siegtreffer für Nürnberg auf dem Fuß – und hämmerte den Ball frei über das Tor. Es wäre denn vielleicht auch ein wenig zu viel gewesen für die Selbstbeherrschung von Jürgen Klopp.

          1. FC Nürnberg - Borussia Dortmund 1:1 (0:1)

          1. FC Nürnberg: Schäfer - Chandler, Nilsson, Pogatetz, Plattenhardt - Stark, Hasebe - Kiyotake (89. Angha), Frantz, Hlousek (67. Esswein) - Ginczek (81. Pekhart)
          Borussia Dortmund: Weidenfeller - Durm, Subotic, Sokratis, Schmelzer (46. Sahin) - Bender, Großkreutz - Aubameyang, Blaszczykowski (65. Lewandowski), Reus (46. Hofmann) - Ducksch
          Schiedsrichter: Kircher (Rottenburg)
          Zuschauer: 50.000 (ausverkauft)
          Tore: 0:1 Schmelzer (37.), 1:1 Nilsson (51.)
          Gelbe Karten: Chandler (2) / Reus (2), Subotic (1)

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