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1:1 in Nürnberg : Bayern München holt nur einen Derby-Punkt

Nur ein Punkt für München: Bayern-Trainer van Gaal Bild: ddp

Rückschlag für Bayern München im Titelkampf: Im bayrischen Derby beim 1. FC Nürnberg gingen die Münchner zwar standesgemäß in Führung, mussten aber den Ausgleich des Aufsteigers hinnehmen. Gündogan beendete die Bayern-Serie.

          3 Min.

          Am Ende feierten die Zuschauer im ausverkauften Frankenstadion jeden Befreiungsschlag wie ein Tor und den Schlusspfiff wie einen Sieg. Denn im 180. bayrischen Derby hat der Vorletzte der Bundesliga das geschafft, was seit drei Monaten keinem anderen gelungen war: dem FC Bayern einen Punkt abzujagen. Mit einem glücklich erkämpften, aber moralisch verdienten 1:1 beendete der „Club“ die 13-Siege-Serie des übermächtigen Nachbarn.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Thomas Müller hatte die Münchner in der 35. Minute in Führung gebracht, Ilkay Gündogan in der 54. Minute den Ausgleich erzielt. Bayern-Trainer Louis van Gaal hatte aus Vorsicht auf Franck Ribéry verzichtet, der im Champions-League-Spiel gegen Florenz eine Wadenprellung erlitten hatte und für das Top-Spiel gegen Hamburg am nächsten Sonntag geschont wurde. Die Botschaft war deutlich: Gegen Nürnberg sollte die Bayern-Klasse auch ohne die Weltklasse des Franzosen ausreichen.

          Zunächst sah es auch ganz danach aus. Die Nürnberger überließen den Ball den Bayern, konzentrierten sich lieber darauf, in der eigenen Hälfte die Räume eng zu machen und gut „gegen den Ball“ zu arbeiten, wie Trainer das nennen. Zumindest schafften sie es so, fast eine halbe Stunde lang eine echte Bayern-Chance zu verhindern, auch Arjen Robben konnte rechts keine große Wirkung erzielen. Dafür gaben die Nürnberger aber auch so gut wie jeden Offensivgeist auf, und so war die einzige Szene, bei der Bayern-Torwart Jörg Butt in der ersten Halbzeit ein wenig in Schwierigkeiten kam, eine schwierige, halbhohe Rückgabe von Martin Demichelis.

          Gündogans Premierentor stoppte die Siegesserie der Bayern

          Unerwarteter Kreativschub

          In der 25. Minute gelang den Bayern beinahe einmal so etwas wie eine Strafraumaktion, doch bei Robbens Hereingabe war Torwart Rafael Schäfer vor dem Ribéry-Ersatz Ivica Olic am Ball. Im Gegenzug dann fast so etwas wie ein gelungener Nürnberger Angriff, Philipp Lahm musste zur Ecke klären - was war denn da los, das sah ja fast aus wie ein Fußballspiel?

          Doch nach diesem unerwarteten Kreativschub erlahmte das Derby wieder - bis zur 35. Minute, als Ribéry-Vertreter Ivica Olic per Hacke auf Mario Gomez leitete. Dessen flache Hereingabe von der linken Seite fand Müller, der aus dem Rückraum in den Strafraum gespurtet war. Aus rund zehn Metern lenkte er den Ball mit dem Innenrist ins rechte obere Eck. Es war die erste echte Bayern-Chance, die zweite gab es noch kurz vor der Pause. In der 45. Minute dribbelte sich Robben links durch, gab halbhoch vors Tor, wo Olic volley knapp neben das kurze Eck schoss. Die Szene blieb aber nicht ohne Folgen, denn nach der Pause blieb Robben, der beste Bundesligaspieler der letzten Wochen, mit einer Oberschenkelverletzung in der Kabine, für ihn kam Hamit Altintop.

          Gündogan hat die Nürnberger Führung auf dem Fuß

          Auch die Nürnberger wechselten, für den wirkungslosen Angelos Charisteas kam Eric-Maxim Choupo-Moting, sofort kam mehr Zug ins „Club“-Angriffsspiel. Das Heimteam legte seine Passivität ab. In der 54. Minute lief sich Choupo-Moteng rechts frei, seinen scharfen Schuss konnte Butt nur abklatschen, und im zweiten Nachsetzen traf Gündogan zum Ausgleich. Es war das erste Bundesligator seiner Karriere.

          Kurz danach hatte der aus Gelsenkirchen stammende Türke sogar das 2:1 auf dem Fuß, doch sein Distanzschuss ging knapp neben das Tor. Fünf Minuten später hatten sich die Bayern von dem Rückschlag erholt, doch nach schöner Vorarbeit von Müller war die Flanke von Gomez zu scharf für Olic. Dann schaltete Lahm schneller als die Nürmberger, führte einen Freistoß so flott aus, dass Müller frei war, dessen Heber über Schäfer hinweg flog, aber auch über das Tor. Auf der anderen Seite überlief der schnelle Rechtsverteidiger Dennis Diekmeier seinen Gegenspieler und schoss aus spitzem Winkel wuchtig über das Tor.

          Mit Biss, Entschlossenheit - und einmal auch mit Glück

          Plötzlich war es ein richtiges, packendes Derby - ein Fußballspiel, in dem beide Seite auf Sieg spielten. Die Nürnberger Bayern-Leihgabe Andreas Ottl hatte es vorher ein Spiel genannt, das man zur Not auch „mit Kratzen und Beißen“ bestreiten müsse. Nach der allzu braven ersten Hälfte entsprach die zweite dann eher der Vorstellung von einem leidenschaftlichen Derby.

          Nun konnten die Nürnberger den Bayern eine Spielweise aufzwingen, die denen nicht behagte. Dem Dauerdruck der Bayern in der Schlussphase, dem oft aber die spielerische Note fehlte, hielt der „Club“ mit viel Biss und Entschlossenheit standhielten - und einmal auch mit Glück und dem Können ihres Torwarts. Die größte Siegchance der Bayern vereitelte Schäfer, als er den Schuss des freistehenden Gomez aus sieben Metern in der 77. Minute glänzend abwehrte.

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