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1:1 in München : Gladbach verdirbt Bayern das Feiern

Spielverderber Hahn (rechts): Gladbach punktet in München. Bild: dpa

Nach dem 1:1 gegen Gladbach müssen die Bayern die Meisterfeier vertagen. Im Duell gegen Atlético am Dienstag wird über die finale Saison-Laune bestimmt.

          3 Min.

          Vor einem Jahr wurden die Bayern an einem schönen Sonntag auf dem heimischen Sofa Meister, als die Wolfsburger in Mönchengladbach verloren. Ihre letzten acht Titel zuvor hatten sie immer in Auswärtsspielen sicher gemacht. Und auch diesmal wird der deutsche Rekordmeister wohl in der Fremde feiern müssen. Der Mönchengladbacher André Hahn verdarb am Samstag mit seinem Ausgleich zum 1:1-Endstand in der 74. Minute den Bayern die vorzeitige Feier ihrer 26. deutschen Meisterschaft. Thomas Müller hatte die Münchner nach fünf Minuten in Führung gebracht.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Pep Guardiola hatte das wohl kommen sehen – und mit seiner Aufstellung befördert. „Es ist ein sehr gefährliches Spiel, ich hoffe, unsere Fans kommen nicht, um zu feiern, sondern um uns zu unterstützen“, hatte der Bayern-Trainer gewarnt und gefordert: „Gladbach verdient unsere Gedanken zu hundert Prozent.“

          Dabei war Guardiola selbst nicht mit hundert Prozent seiner Gedanken bei diesem, seinem hundertsten Bundesligaspiel, sondern bei der Champions-League-Aufgabe am Dienstag gegen Atlético Madrid. Das verriet seine Nominierung von acht neuen Spielern. Neben Torwart Manuel Neuer hatten nur Juan Bernat und Kingsley Coman auch am Mittwoch bei der 0:1-Hinspielniederlage in Madrid in der Startelf gestanden. Wenn es sich bei der Qualität des Bayern-Kaders nicht verböte, müsste man von einer B-Elf sprechen – zumindest war es so weit wie möglich von einer A-Elf entfernt, also von der, die am Dienstag zu erwarten ist.

          Immerhin kehrte Jerome Boateng nach überstandener Verletzung ins Team zurück – ob es ein Belastungstest für Dienstag war oder nur eine Entlastung der dann vorgesehenen Verteidiger, wird nur Guardiola wissen. Gleich nach 18 Sekunden gewann er gewohnt resolut den Ball – seine erste Aktion im Bayern-Trikot seit mehr als drei Monaten. Mit dabei auch Thomas Müller, der in Madrid zum Erstaunen vieler Beobachter erst nach siebzig Minuten gekommen war. Nach fünf Minuten erwischte er einen Eckball, wobei sein Kopfball etwas schwach geriet und genau auf Torwart Yann Sommer zuflog. Doch der Schweizer übersah den von der Seite anstürmenden Serdar Tasci. Vom Bayern-Verteidiger irritiert, der den Ball mit dem langen Bein noch ganz leicht ablenkte, ließ er den Ball ins Tor passieren.

          Es dauerte bis zur 17. Minute, ehe die Gladbacher zu ihrer ersten und einzigen Ausgleichschance vor der Pause kamen. Nach Flanke von Raffael gelang Hahn ein scharfer Kopfball-Aufsetzer, den Torwart Manuel Neuer im Tiefflug gekonnt um den Pfosten lenkte. Ansonsten war die beiderseitige Darbietung vor der Pause teilweise so ermüdend, dass die Bayern kurz vor der Pause Pfiffe vom eigenen Publikum erhielten – als der Ball weit auf den einsamen Müller geschlagen wurde, der ihn gegen zwei Verteidiger behauptete. Aber alle zehn Mitspieler waren in der eigenen Hälfte stehen geblieben, um zuzuschauen, was der alleingelassene Kollege auf die Beine stellen würde.

          Topleute auf der Bank oder der Tribüne

          Kapitän Philipp Lahm, der das Spiel gegen Gladbach wie die prominenten Kollegen Lewandowski, Costa, Alaba, Vidal und Thiago von der Bank aus verfolgte, während Ribéry, Alonso und Martínez sogar Tribünenplätze bekamen, hatte drei Tage zuvor in Madrid behauptet, es spiele „keine Rolle für das Rückspiel“, ob man den Meistertitel am Samstag schon gewinne oder nicht.

          Dieser Ansicht war offenbar auch Guardiola, der mit seiner Aufstellung eine mögliche Vertagung der Meisterschafts-Entscheidung in Kauf nahm – ein Risiko, das ihm deutlich geringer erschienen sein muss als das, seine Mannschaft noch mehr zu ermüden. Vor allem die geistige Frische fehlte zuletzt, was in den letzten Wochen zu einer deutlich verringerten Zahl von gefährlichen Angriffen und herausgespielten Torchancen geführt hatte. Guardiolas Erholungsprogramm für die Spieler, die die schwierigste Aufgabe der Saison am Dienstag lösen sollen, war die letztmögliche Maßnahme, um noch einmal letzte Reste an Frische und Freude zu aktivieren.

          Für die Zuschauer am Samstag war das alles keine gute Nachricht. Sie bekamen auch in der zweiten Halbzeit vor allem spielerische Magerkost serviert. Erst der eingewechselte Gladbacher Patrick Herrmann brachte etwas mehr Schwung ins Spiel, sein Zuspiel an den Fünfmeterraum verfehlte Hahn um Haaresbreite (69.). Drei Minuten später kam der Ball, diesmal vom ebenfalls eingewechselten Lars Stindl, präziser zu Hahn. Der Angreifer drehte sich von zwei Verteidigern weg und überraschte Neuer mit einem strammen Flachschuss aus 14 Metern ins kurze Eck.

          Weder Bierduschen, noch Jubelchöre stören die Vorbereitung

          Im Triple-Jahr 2013 waren die Bayern schon am 6. April Meister geworden, Rekord. 2014, dem ersten mit Guardiola, schon am 25. März, wieder Rekord. 2015 erst am 26. April – nun wird es Mai, wenn in Ingolstadt oder spätestens gegen Hannover der noch fällige Sieg gelingen muss. Dennoch trübte der kleine Rückschlag vom Samstag die Stimmung nicht entscheidend. Vielleicht war es Guardiola sogar lieber, dass die Konzentration auf Atlético nicht durch Bierduschen und Jubelchöre gestört wurde. Er weiß: Erst der Dienstag wird über die finale Saison-Laune der Bayern bestimmen – und über die Bewertung ihrer drei Guardiola-Jahre im Rest der Welt. Geht es gut gegen Atlético, wird die Meisterschaft nur noch Nebensache sein. Geht es schief, wird wohl auch die am Samstag vertagte Freude über die Meisterschaft keinen rechten Trost mehr bieten.

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