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1:1 in Hoffenheim : Der neue FC Bayern war nicht zu sehen

So sieht ein Geburtstagskind aus, dass das falsche Geschenk bekommen hat Bild: ddp

Bayerns neuer Star-Trainer Louis van Gaal musste sich bei seiner Bundesliga-Premiere mit einem Punkt zufriedengeben. An seinem 58. Geburtstag kamen die Münchner bei 1899 Hoffenheim nicht über ein 1:1 hinaus.

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          Sein größtes Geburtstagsgeschenk hatte Louis van Gaal schon nach zehn Minuten bekommen. Schwer zu sagen, was den Blick des Schiedsrichterassistenten derart trübte, dass er nach dem Kopfball von Josip Simunic nicht auf Tor entschied. Der Ball jedenfalls hatte die Linie durchaus großzügig überschritten. Das Spiel des FC Bayern München bei 1899 Hoffenheim hätte also gut und gerne auch einen anderen Verlauf nehmen können als jenen, der zu dem 1:1 vor 30.150 Zuschauern in der Rhein-Neckar-Arena führte.

          Ivica Olic (25. Minute) für die Bayern und Chinedu Obasi (41.) für Hoffenheim gelangen die Treffer bei dieser Premiere zur ungewohnten Bundesliga- und zur besten Fernsehzeit am frühen Samstagabend. Es war ein gerechtes Unentschieden, keine Frage. Doch in noch einer anderen Einschätzung waren sich Beteiligte wie Beobachter dieses munteren und abwechslungsreichen Fußballabends einig: Der neue FC Bayern war noch nicht zu sehen an diesem ersten Spieltag der 47. Saison - zumindest nicht der, den man sich in München vorstellt, seit van Gaal das Kommando übernommen hat.

          Dass der Niederländer den einen Punkt dann auch nicht als Gabe zu seinem 58. Geburtstag empfand, lag nahe. „Wir haben in der ersten Halbzeit vergessen, Fußball zu spielen“, sagte er. „Das war für mich enttäuschend. Ich hatte das Gefühl, dass wir hier gewinnen können.“ Eine Mannschaft, die lebte, die viel füreinander arbeitete: die hatte er gesehen. Aber ein Team, das den Meistertitel mit Selbstverständlichkeit einfahren kann - so weit sind die Bayern offenbar noch lange nicht. „Wir haben nicht das gezeigt, was wir uns vorgenommen haben“, fand auch Philipp Lahm. „Insgesamt können wir nicht zufrieden sein.“

          Louis van Gaal: Ein neuer FC Bayern war noch nicht zu sehen

          Nur auf dem Papier waren die Bayern nicht wiederzuerkennen

          Van Gaal war mit Dienstantritt am 1. Juli mit einigem Eifer an seine Mission gegangen: die Erneuerung der Bayern aus dem Geist einer taktischen Ordnung. Auf dem Papier zumindest war die Mannschaft im Vergleich zur Vorsaison kaum wiederzuerkennen: Mario Gomez und Ivica Olic im Angriff, Danijel Pranjic und Holger Badstuber als linke Hälfte der Viererkette und, als vielleicht größte Überraschung, Alexander Baumjohann auf der Position hinter den Spitzen. Das waren gleich fünf neue Gesichter in der Startelf, wobei nicht alle Nominierungen auf van Gaals ursprünglichem Plan gestanden haben dürften. Schließlich fehlten mit Franck Ribéry, Miroslav Klose, Luca Toni und Martin Demichelis auch vier prominente Namen.

          Mehr noch mangelte es den Münchnern in der Anfangsphase jedoch an so etwas wie Eroberergeist, der die personelle Auffrischung begleitet hätte. Fußball Marke Bayern war zunächst nicht zu erkennen - dafür umso mehr einer der Marke Hoffenheim. Mal leichtfüßig (Obasi, Eduardo), mal energisch (Salihovic), jedenfalls immer zielstrebig und gefährlich. So kam die Mannschaft von Ralf Rangnick dem Tor von Michael Rensing gleich ein paarmal bedrohlich nahe. Etwas mehr als beim Kopfball von Simunic - aber auch nicht viel - fehlte bei einem Versuch von Vedad Ibisevic (19.), der sein erstes Ligaspiel seit seinem im Januar erlittenen Kreuzbandriss absolvierte.

          Auf dem Platz war Fußball Marke Bayern nicht zu erkennen

          Wenig deutete also auf eine Führung oder gar einen Sieg der Bayern hin, zumal die Münchner auch bei eigenem Ballbesitz wenig Vorzeigbares zustande brachten - von Torgefahr ganz zu schweigen. Bis zu Olic und Gomez drangen die Bälle gar nicht erst vor, auch weil Baumjohann auf der Ribéry-Position mehr Fehler als Ideen produzierte. „Wir sind nicht richtig nach vorne gekommen“, sagte Lahm, „und wir haben zu viele Fehlpässe gespielt.“ Es war dann ein Geistesblitz von Altintop, der mit seinem Pass den Raum für Pranjic auf der linken Seite öffnete. Dessen Hereingabe verwertete Olic direkt und unhaltbar mit links. Dass es den Bayern danach nicht gelang, die Führung zumindest in die Pause zu bringen, fand Trainer van Gaal später „unprofessionell“. Wobei der Hoffenheimer Treffer auch mit großer Klasse herausgespielt war. Eduardo spielte einen langen Ball auf Ibisevic, der legte direkt und mit viel Übersicht für Obasi auf.

          Es sprach für die Bayern, dass sie mit viel Siegeswillen aus der Kabine kamen. Nach richtig gutem Fußball sah es zwar immer noch nicht aus - vor allem, weil die Fehlerquote hoch blieb. Doch immerhin kamen die Münchner gegen nachlassende Hoffenheimer nun zu guten Möglichkeiten: durch Baumjohann, der frei vor Hildebrand verstolperte (53.), einen Schuss von Schweinsteiger (61.), den der Hoffenheimer Torwart parierte, und einen Versuch von Gomez ans Außennetz (64.). Ein Tor wollte aber nicht gelingen. In der 80. Minute musste auch noch Mark van Bommel verletzt vom Platz. Er musste sich wegen einer Fußprellung im Krankenhaus untersuchen lassen. Ein Verlust des Kapitäns - das wäre etwas, was die Bayern auf dem mühsamen Weg zu neuer Klasse überhaupt nicht brauchen könnten.

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