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1:1 in Hamburg : Dortmund macht es wieder spannend

  • -Aktualisiert am

Kaum zu glauben: Mario Götze vergibt beste Chancen am Stück Bild: dpa

Borussia Dortmund ist beim HSV klar die bessere Mannschaft - und braucht doch die Nachspielzeit, um ein 1:1 gegen dezimierte Hamburger zu erreichen. Blaszczykowski beruhigt die Nerven in der 92. Minute. Van Nistelrooy hatte den HSV per Elfmeter in Führung gebracht.

          Wer solche Punkte holt in einem Spiel, in dem sich eigentlich alles gegen einen verschworen hat, der wird am Ende wohl auch Deutscher Meister. Alles, wirklich alles hatte Borussia Dortmund versucht, um die Niederlage beim Hamburger SV nach der HSV-Führung durch Ruud van Nistelrooys Elfmeter in der 39. Minute noch abzuwenden. Doch irgendetwas stand immer im Weg: der Pfosten, die Latte, der Hamburger Torwart Frank Rost oder das Schiedsrichter-Gespann mit einigen fragwürdigen Abseitsentscheidungen.

          Als sich die 8000 sangesfreudigen Dortmunder Fans wohl schon mit dem 1:0 für den HSV abgefunden hatten, obwohl der HSV nach der gelbroten Karte gegen Ben-Hatira nur noch zu zehnt spielte, stand der eingewechselte Jakub Blaszczykowski plötzlich völlig frei im Strafraum und drosch den Ball ins Hamburger Tor. In der zweiten Minute der Nachspielzeit entlud sich die Dortmunder Anspannung in grenzenlosem Jubel - die gesamte Bankbesatzung rannte aufs Feld in Richtung der Fans, allen voran Trainer Jürgen Klopp.

          Auf fünf Punkte könnte Bayer 04 Leverkusen am Sonntag im Falle eines Sieges gegen den FC St. Pauli auf den Tabellenführer aus Dortmund herankommen - doch von Eventualitäten am Tag danach wollte Klopp nichts wissen. Er sagte: „Ich halte es für extrem gerecht, hier nicht mit leeren Händen wegzufahren.“ Für die Dortmunder Moral muss das späte Remis nach einem begeisternden Spiel enorm wichtig gewesen sein. Manchmal kann auch ein Unentschieden ein Meilenstein auf dem Weg zu großen Titeln sein. In seiner Spielbewertung war Klopp nah an dieser Erkenntnis, als er sagte: „Alles, was heute passiert ist, macht uns aus. Dass wir viele Chancen haben, und mal nicht treffen, dass wir nie aufgeben. Wer einen Krümel der Kritik finden will, kann das tun. Ich sage: wir wollen genau diese Art Fußball durchziehen. Dann sind wir auf Dauer erfolgreich. Heute fahren wir zufrieden nach Hause.“

          Obenauf: Ruud van Nistelrooy nach dem verwandelten Elfmeter

          Dass die schlechte Chancenauswertung in einem spektakulären Spiel ihn nicht störte, stimmte zumindest nicht mit Klopps Gestik und Mimik überein. Immer wieder schlug Klopp die Hände vors Gesicht, wenn seine Spieler scheiterten. Gesehen hatte er Möglichkeiten seiner Profis beinahe im Fünfminutentakt. Dortmund hätte den Ausgleich erzielen müssen, als Götze völlig frei vor Rost stand. Der Dortmunder hob den Ball aber über das Tor (49. Minute). Sieben Minuten später strich Barrios' Kopfball am Hamburger Tor vorbei. Dortmund bekam nun weitere Chancen zum 1:1, mehrfach - Piszczeks Schuss wurde von Aogo abgelenkt und rollte gegen den Pfosten (64.), Götze dribbelte famos durch den HSV-Strafraum, scheiterte aber an Rost (68.). Sechs Minuten später hämmerte Barrios den Ball an die Latte. Die vierte Saisonniederlage der Dortmunder bahnte sich an.

          Der HSV kämpft famos

          Oder doch nicht? Nicht, wenn man Verteidiger Neven Subotic Glauben schenken wollte. „Es war wie verhext. Aber wir sind kein bisschen nervös geworden. Dass zeigt, dass wir als Mannschaft gewachsen sind. Noch vor zwei, drei Jahren hätten wir verloren.“ Er bezeichnete den Platzverweis gegen den Hamburger Ben-Hatira als Wendepunkt. Ab dieser 78. Minute habe der BVB in Überzahl noch druckvoller und offensiver gespielt. „Da ist ja Flanke auf Flanke in den Strafraum geflogen“, meinte Trainer Klopp und schob selbstbewusst nach: „Es ist ziemlich schwer, gegen uns ein Tor zu verhindern, wenn wir so spielen. Loben muss ich meine Außenverteidiger Piszczek und Schmelzer, die sind ja heute gefühlte 25 Kilometer gelaufen.“ Trotz der Überlegenheit und der Überzahl war es keine Selbstverständlichkeit gegen einen famos kämpfenden HSV, den einen, erleichternden Treffer noch zu erzielen.

          In Zidan für Barrios und Blaszczykowski für Lewandowski hatte Klopp schon in der 62. und 77. Minute noch mal ganz auf Offensive gesetzt. „Dass wir in der 88. Minute und selbst in der Nachspielzeit noch den Mut haben und auch daran glauben, ein Tor machen zu können, dass wir uns nicht entmutigen lassen gegen eine abgezockte Truppe wie den HSV, das macht mich schon stolz“, sagte Klopp. Entspannt parlierte der Coach nach der Partie, wollte nichts davon wissen, dass Leverkusen am Sonntag verkürzen könnte. Dieser BVB hat schon seit Wochen das große Ziel verinnerlicht, auch wenn die Formulierungen immer zurückhaltend geblieben sind. Ohne das Wort Meisterschaft in den Mund zu nehmen, sagte Neven Subotic nach einem großen Spiel, das zwar nur Remis ausgegangen war: „Natürlich wollen wir das Ding holen.“ Klopp drückte es vorsichtiger aus: „Wir müssen unsere Punkte sammeln. Dann erreichen wir unsere Ziele. Und wir werden Punkte sammeln.“

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