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1:1 in Gladbach : Videobeweise und Vestergaard bremsen Mainz

  • -Aktualisiert am

Diskutiert wird immer: der Mainzer Trainer Sandro Schwarz (l) im Gespräch zur Halbzeitpause mit Schiedsrichter Sven Jablonski (3.v.l.) Bild: dpa

Mainz 05 agiert stark wie lange nicht in der Fremde. Die Borussia hat Glück mit der Videohilfe aus Köln. Hecking prognostiziert das Ende zur Winterpause. Und der Mainzer Torwart sorgt für Slapstick.

          Franz Beckenbauer hat einst die Sorge geäußert, dass den Stammtischen der Gesprächsstoff ausgehen könnte, wenn der Fußball Fehlentscheidungen durch technische Hilfsmittel abschaffen sollte. Nach einem abermaligen Videobeweis-Kabarett beim 1:1 zwischen Borussia Mönchengladbach und Mainz 05 nach Toren von Abdou Diallo für Mainz (19. Minute) und Jannik Vestergaard (67.) dürfte diese Sorgen ein weiteres Stück kleiner geworden sein. Gesprächsstoff über die 90 Minuten hinaus lieferte nämlich einmal mehr in dieser Spielzeit gerade der Videobeweis, der eigentlich Zweifel ausräumen sollte.

           „Wir haben heute eigentlich zwei Tore geschossen, aber ich habe nicht einmal gejubelt, weil man mittlerweile daran gewöhnt ist, erst mal auf den Videobeweis zu warten“, sagte der Mainzer Trainer Sandro Schwarz. „Es fühlt sich schlecht an, was heute wieder passiert ist.“ Borussen-Trainer Dieter Hecking prognostizierte gar, dass der Videobeweis wegen der abermaligen Diskussionen „zur Winterpause eingestampft wird“, obwohl er grundsätzlich eine gute Sache sei. „Es sollte ein Test für ein Jahr sein, aber wir geben diesem Test keine Chance. Es bringt doch nichts, wenn wir alles immer wieder diskutieren“, sagte Hecking. Und er kennt auch die Schuldigen: „Wir tun alles dafür, dass er nicht kommt“, sagte der Coach. „Ich bin ein Befürworter des Videobeweises, aber die Diskussionen bringen überhaupt nichts.“

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          In Mönchengladbach fing vor 53.000 Zuschauern alles mit einem Foul am Mainzer Jean-Philippe Gbamin an, der im gegnerischen Strafraum von Lars Stindl in der Ausholbewegung am Schussbein getroffen und somit am Torschussversuch gehindert wurde. Schiedsrichter Sven Jablonski hatte nichts gesehen und ließ weiterspielen. Und auch der Video-Assistent griff nicht ein (17.). Als Mainz 05 kurz darauf nach einem Öztunali-Eckball durch einen Kopfballtreffer des französischen Innenverteidigers Diallo doch die Führung erzielte (19.), war diese Situation vergessen. Diallo profitierte vom zögerlichen Herauslaufen des Gladbacher Torwarts Yann Sommer, der aber auch vom Torschützen im Fünfmeterraum angegangen wurde. Nach Rücksprache erkannte Jablonski das 1:0 für die Mainzer an.

          Spezialfrage für besonders Regelkundige: Hätte Mainz 05 aber nicht zusätzlich einen Elfmeter für die Szene zwei Minuten zuvor zugesprochen bekommen müssen, da das Tor aus einer viel späteren, neuen Spielszene heraus erzielt wurde und somit nicht von einer Art Vorteilsauslegung gesprochen werden konnte? Oder hatte Videoassistent  Wolfgang Stark in Köln diese Situation anders bewertet als vermutlich jeder  Fernsehzuschauer? Die Schiedsrichter wollten am Samstagabend nicht zur Klärung  beitragen.

          Anders sah es aus, als den Rheinhessen das vermeintliche 2:0 (39. Minute) nach einem schönen Schlenzer von Levin Öztunali wieder aberkannt wurde. Voller Unverständnis redeten die Mainzer noch beim Gang in die Kabine auf den Schiedsrichter ein. Jablonski hatte nach Betrachtung der Fernsehbilder in der so genannten Review Area entschieden, dass dem Schuss von Öztunali eine ahndungswürdige Szene vorausgegangen sein soll: Er bewertete eine Berührung zwischen Suat Serdar und Matthias Ginter im Kampf um den Ball als Foul von Serdar.

          In der 53. Minute schließlich folgte die nächste Szene, die Stoff für Diskussionen bot: Diallo schoss sich beim Rettungsversuch den Ball im Mainzer Strafraum selbst an den ausgestreckten Arm. Videoassistent Wolfgang Stark sah in Köln über dieses Fehlverhalten hinweg. 

          Die Gladbacher erzielten dennoch den Ausgleich. Vestergaard köpfte nach einem Eckball von Thorgan Hazard ein (67.). Der Däne kam unbedrängt zum Kopfball, obwohl der fast zwei Meter große Innenverteidiger bei fast jedem Standard von den Mannschaftskollegen anvisiert wird. Der Mainzer Kapitän Stefan Bell schaffte es indes nicht, als zugeteilter Gegenspieler Vestergaard beim Anlaufen zum Kopfball hinreichend zu behindern.

          Hoch, höher, Vestergaard: Der Däne in Diensten der Borussia köpft ein

          In der Schlussphase waren die Mainzer einem Sieg nochmals sehr nah, Torhüter Sommer gegen Viktor Fischer, die Latte bei einem Brosinski-Freistoß und der fehlende Torjägerinstinkt des eingewechselten Fabian Frei verhinderten aber den späten Siegtreffer. Angesichts all der Aufreger der Partie trat fast in den Hintergrund, dass die Mainzer mit ihrer besten Saisnleistung den Grundstein gelegt hatten für den Teilerfolg.

          In den ersten Minuten agierten sie trotz der zuvor mageren Auswärtsausbeute von lediglich einem Punkt und einem Tor in vier Begegnungen furchtlos und sandten mit Distanzschüssen durch Gbamin und Serdar erste erste Grüße an Borussen-Schlussmann Sommer. Derart ermutigt verteidigten die Mainzer sehr weit vorne, wodurch sie den Gegner vom eigenen Tor fernhielten und zusehend verunsicherten. Die Rheinhessen nutzten bei ihren Kontern große Räume im Zentrum, wo die Borussia aufgrund ihrer vornehmlich offensiv ausgerichteten Mittelfeldspieler Lücken aufwies. „Wir haben ein richtig gutes Spiel gezeigt, uns aber bei 20:10 Torschüssen leider nicht mit dem Sieg belohnt“, sagte der Mainzer Sportvorstand Rouven Schröder.

          Slapstick von Torwart Zentner

          Torhüter Robin Zentner sorgte derweil in seinem zweiten Bundesligaspiel für eine in der Bundesligageschichte vermeintlich noch nie gesehene Slapstick-Einlage: Nachdem er einen Rückpass am Elfmeterpunkt vermeintlich  unter Kontrolle gebracht hatte, merkte Zentner nicht, dass der Ball weiter Richtung eigenes Tor rollte. So trat er ein Luftloch.

          Da war eben noch der Ball: Der Mainzer Torwart Robin Zentner (r.) hatte seine liebe Mühe in diesem Spiel

          „Ich dachte, dass der  Ball vor mir liegt, aber es war nur der Elfmeterpunkt, den ich aus dem  Augenwinkel heraus für den Ball hielt“, sagte Zentner. „Zum Glück ist nichts  passiert, deshalb werde ich irgendwann sicher auch selbst drüber lachen  können.“ In letzter Sekunde bemerkte der Schlussmann sein Missgeschick und beförderte den Ball vor einem einschussbereiten Gladbacher aus der Gefahrenzone. Wäre die Einlage mit einem Gegentreffer bestraft worden, wäre Zentner wohl noch während des Spiels über soziale Medien zu fragwürdigem, weltweitem Ruhm gelangt.

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