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1:1 in Freiburg : Bayern rotiert zu Punktverlusten

Ungewohntes Bild: Bayern-Spieler mit hängenden Köpfen Bild: AP

Bayern München beginnt in der vorgezogenen Begegnung des 4. Spieltags in Freiburg mit der stärksten Bank der Ligageschichte. Das Rotations-Ensemble auf dem Feld kommt dann nur zu einem Remis. Schweinsteiger muss verletzt vom Feld.

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          Eine solche Ersatzbank muss man sich erstmal leisten können. Ribéry,  Mandzukic, Robben, Boateng, Lahm, Alaba, dazu Torwart Starke - das waren die  hochdekorierten Profis, die Pep Guardiola am Dienstagabend zunächst in die  ungewohnte Zuschauerrolle versetzte. Manchem mit weit geringeren Mitteln  ausgestattetem Trainer mögen da die Tränen kommen. Aber wer hat, der hat  eben. Und da die Bayern obendrein ein anspruchsvolles Programm zu bewältigen haben dieser Tage, lag die maximal kräftesparende Variante ja auch nahe für  Guardiola. Das Ergebnis genügte dann allerdings nicht einmal den  Minimalanforderungen. Ein mageres 1:1 brachten die Münchner nach den Treffern von Xherdan Shaqiri (33. Minute) und Nicolas Höfler (86.) aus dem Breisgau mit  nach Hause.

          Und so wirkte es am Ende doch, als habe sich Guardiola gehörig verpokert mit seiner Totalrotation, die alles anderen als totalen Fußball  hervorbrachte. Routiniert und allein kraft ihrer individuellen Klasse wollten  die Bayern zum Erfolg kommen. Dem machten aber mutige Freiburger, die unverdrossen ihre Chance suchten, einen Strich durch die Rechnung.

          Auf dem Weg  zum Finale um den europäischen Supercup am Freitag in Prag gegen den FC Chelsea  (dem Grund für das Vorziehen des Freiburg-Spiels) verschenkten die Münchner mit ihrem bei aller Überlegenheit etwas selbstgefälligen Auftritt die ersten Liga-Punkte - die  nationale Konkurrenz wird es mit Vergnügen gesehen haben. Dass der Titelverteidiger nun zumindest bis Samstag an der Tabellenspitze steht, ist da nur ein schwacher Trost. „Wir haben es uns selbst zuzuschreiben. Wir hatten genügend Chancen, das 2:0 zu machen. Dann wäre das Spiel gegessen gewesen. Das war in den letzten Spielen schon so. Heute wurden wir dafür bestraft“, sagte Bayern-Kapitän Philipp Lahm, auch wenn die Münchner saisonübergreifend nun immerhin seit 29 Spielen ungeschlagen sind. Guardiola sprach trotz der Punktverluste von einer „sehr guten Leistung“. Zu allem Überfluss musste Bastian Schweinsteiger verletzt vom Feld.

          Erster Punktverlust, erster Ärger: Pep Guardiola schafft mit den Bayern nur ein 1:1 in Freiburg

          Die Bayern im Frühherbst 2013 wirken wie ein Zirkus, der sein Programm komplett  umgestellt hat und noch für den großen Auftritt probt. Und das diesmal sogar nur mit den Doubles. Aus der Startelf vom 2:0 gegen den 1. FC Nürnberg am  Samstag waren nur Neuer, Dante, Schweinsteiger und Götze dabei. Thiago und Martínez fehlten verletzt, der Rest durfte sich ein Päuschen gönnen. Ein  ähnliches Überraschungspotential hatte der Freiburger Trainer Christian Streich natürlich nicht annähernd zur Verfügung. Aber auch er ließ sich etwas  einfallen. Anstelle des gesperrten Coquelin spielte der 20 Jahre alte  Laprévotte aus der U 23 des Klubs zum ersten Mal auf der Bundesliga-Bühne vor -  es gibt kleinere Anlässe für so ein Debüt.

          Individuelle Qualität der B-Elf

          Schon in der Auftaktviertelstunde sah es so aus, als könnten die Freiburger, an  der Seitenlinie unablässig angetrieben von Streich, den Favoriten in Bedrängnis  bringen. Viel früher als zuletzt die ultradefensiven Nürnberger attackierten sie die Münchner - und versuchten auch selbst etwas nach vorne. Bei einem strammen Schuss von Sorg musste Torwart Neuer sich schon strecken, und auch sonst begann der Sportclub ausgesprochen mutig.

          Da jubelt Shaqiri noch: Der Torschütze des 1:0 muss am Ende mit einem Unentschieden zufrieden sein

          Doch je länger die Angelegenheit dauerte, desto besser bekamen die Bayern die Sache in den Griff. Selbst in der B-Elf ist  die individuelle Qualität nun einmal hoch genug, dass sich Chancen fast  zwangsläufig ergeben. Am gefährlichsten aber wurde es immer dann, wenn ein Mann  aus der ersten Reihe beteiligt war: Müller. Seine Flanke von der rechten Seite  war es nach 33 Minuten auch, deren Flugkurve der Freiburger Verteidiger Sorg falsch bewertete. Shaqiri kam aus kurzer Distanz zum Schuss und vollendete  kraftvoll. Nach der Pause riskierte Freiburg dann noch einmal mehr. Es ehrte den  Sportclub, dass er sich mit einer achtbaren Niederlage nicht zufrieden gab. Und nach einer Stunde touchierte ein raffinierter Schuss von Laprévotte den Außenpfosten des Münchner Tores.

          Es lag also etwas in der Luft, auch wenn die Bayern auf der Gegenseite durch Kroos und Müller eine Doppel-Chance zur  Entscheidung vergaben. Im Verlauf der letzten halben Stunde brachte Guardiola noch Lahm für Götze und Ribéry für den angeschlagen wirkenden Schweinsteiger,  doch da war der Trend schon auf Seiten der Freiburger: der eingewechselte Höfler verwertete eine Flanke von Freis mit einer Direktabnahme. Unmittelbar danach zog Guardiola seine letzte Karte, Mandzukic kam für Pizarro, einen Stich aber machten die Bayern nicht mehr.

          Freiburger Ausgleich: Nicolas Höfler (r) schießt das Tor zum 1:1 gegen Münchens Torwart Manuel Neuer

          SC Freiburg - Bayern München 1:1 (0:1)

          SC Freiburg: Baumann - Günter, Diagne, Ginter, Sorg - Schmid, Schuster (61. Höfler), Fernandes, Laprevotte (60. Kerk) - Guédé (75. Hanke), Freis
          Bayern München: Neuer - Rafinha, van Buyten, Dante, Contento - Schweinsteiger (79. Ribéry) - Müller, Götze (62. Lahm), Kroos, Shaqiri - Pizarro (88. Mandzukic)
          Schiedsrichter: Meyer (Burgdorf)
          Zuschauer: 24 000 (ausverkauft)
          Tore: 0:1 Shaqiri (33.), 1:1 Höfler (86.)
          Gelbe Karten: Günter (1), Höfler (1) / van Buyten (1)

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