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1:1 im Relegations-Hinspiel : Spätes Hamburger Lebenszeichen

  • -Aktualisiert am

Haben noch eine Handbreit Bundesliga unter den Füßen: Dino HSV lebt immer noch Bild: AFP

Der Nervenkitzel geht weiter: Nach zittrigem Beginn, frühem Rückstand und zwei Lattentreffern der Karlsruher erreicht der Hamburger SV noch ein 1:1 im Relegations-Hinspiel. Abgerechnet wird am Montag.

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          Sie wollen dem HSV die Uhr ausstellen, und diesem Ziel ist der Karlsruher SC ein Stück näher gekommen. Nach dem 1:1 am Donnerstagabend im Play-Off-Hinspiel haben die Karlsruher eine gute Ausgangsposition für den Aufstieg erreicht. Die Hamburger müssen sich nach diesem mageren Remis im Rückspiel am Montagabend steigern, um den ersten Abstieg aus dem Oberhaus noch zu verhindern.

          Beim HSV lief nach dem frühen Rückstand durch Rouwen Hennings’ Treffer in der 4. Minute wenig zusammen. Der KSC kam dem zweiten Tor sehr nahe; Torres und Nazarow trafen in der 52. Minute innerhalb von Sekunden die Latte. In der 72. Minute glich Ivo Ilicevic in einer umkämpften, harten und hektischen Partie überraschend aus.

          Erster Schuss, erstes Tor

          Besser hätte das Spiel für den KSC nicht beginnen können. Die erste Offensivaktion in der vierten Minute führte zum Tor - Rouwen Hennings packte seinen linken Hammer raus und traf nach Zuspiel Nazarows ungestört zum 1:0 ins lange Eck. Die gesamte KSC-Bank stürmte jubelnd auf den Platz. Ausgerechnet Hennings: Er kommt aus Bad Oldesloe, für den Jungen aus Schleswig-Holstein war es naheliegend, vom HSV zu träumen. Von 2001 bis 2005 spielte er im Hamburger Nachwuchs, danach in der zweiten Mannschaft. Der Sprung zu den Profis missriet dann. Erst beim KSC blühte er wieder richtig auf. Trotzdem sagte der 27 Jahre alte Hennings vor dem Spiel: „Meine Zeit beim HSV war gut, aber wer jetzt der Gegner ist, dafür kann ich nichts.“ Seine Klasse bewies er dann gleich in seiner ersten Aktion.

          Urplötzlich Überflieger: Hamburgs Ivo Ilicevic Bilderstrecke

          Das Gegentor schockte den HSV nur kurz, aber die Rollen waren nun ganz klar verteilt: Karlsruhe verhielt sich taktisch geschickt, verengte die Räume, spielte mit zwei, ja drei Defensiven gegen Lasogga, und nahm ihn so komplett aus dem Spiel. Chancen für den HSV? Keine. Ideen? wenige. Nur nach ruhenden Bällen kam so etwas wie Gefahr auf. Aber die beste Abwehr der zweiten Liga stand sicher.

          Nervlich anstrengende Doppelschicht

          Die Stimmung war prächtig, das Stadion mit mehr als 56.000 Zuschauern fast ausverkauft. Autos mit wehenden HSV-Fahnen fuhren Stoßstange an Stoßstange zur Arena. Am Tag waren Karlsruher Fans friedlich durch die Innenstadt spaziert. Die Relegation mag eine Grausamkeit für die strapazierten Nerven der Beteiligten sein, ihre Berechtigung und ihren Reiz hat sie allemal. Ein zusätzlicher Kitzel nach einem Abstiegs- und Aufstiegskampf, der genug Paukenschläge bereit hielt - aus der Sicht des neutralen Zuschauers eine schöne Sache an einem Donnerstagabend. Für die Spieler aber eine vor allem nervlich anstrengende Doppelschicht am Ende einer langen Saison. Mit dieser Belastung ging der KSC begünstigt durch die frühe Führung wesentlich besser um.

          Hatte man auf Hamburger Seite auf mehr Fitness als vor einem Jahr gegen Fürth und eben die Erfahrung aus diesem 0:0, 1:1-Thriller gesetzt, kamen die Karlsruher sehr selbstbewusst nach einer guten Zweitligasaison nach Hamburg. „Wir sind nervenstark und geduldig“, hatte Trainer Markus Kauczinski gesagt, „wir werden im richtigen Moment da sein. Der HSV soll ruhig das Spiel machen.“ In der vierten Minute war es dann genau so gekommen.

          Der KSC hatte anders als der HSV letztlich schlechte Erfahrungen mit Play-Offs gemacht. 2012 waren die Badener überraschend in die Dritte Liga abgestiegen, nachdem sie 1:1 und 2:2 gegen Jahn Regensburg gespielt hatten.

          Eine gute Defensive und ein strukturiertes Aufbauspiel hatte der auswärtsstarke KSC in der abgelaufenen Saison zu bieten. Gerade gegen solche Gegner sah der HSV oft ausgesprochen alt aus. Und so war es auch an diesem Abend.

          In den Tagen vor dem Spiel hatten beide Trainer mit Verletzten und deren Einsätzen gepokert. Auf Hamburger Seite galten die Stürmer Pierre-Michel Lasogga und Ivica Olic als angeschlagen. Karlsruhe bangte um Rouwen Hennings, den besten Zweitligastürmer der abgelaufenen Saison (17 Tore). Es überraschte dann nicht, dass alle drei aufliefen, wobei Olic wie ein Verletzter spielte. Labbadia vertraute der Sieger-Elf vom Schalke-Spiel.

          Beim KSC spielte Dominic Peitz für Gaetan Krebs, Reinhold Yabo ersetzte den verletzten Hiroki Yamada. Über das gesamte Spiel war Kauczinskis Team kein bisschen schlechter als die Hamburger. Der Ausgleich hatte sich gewiss nicht angekündigt, aber immerhin riskierte der HSV am Ende in einem nun offenen Spiel etwas mehr.

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