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1:1 gegen Schalke : Hoffenheim ist Herbstmeister

  • -Aktualisiert am

Jubel um Teber: Der Kapitän sichert Hoffenheim die Herbstmeisterschaft Bild: REUTERS

1899 Hoffenheim ist der 15. Herbstmeister in 45 Jahren Bundesliga. Nach dem 1:1 gegen Schalke wird sich im kommenden halben Jahr weisen, ob Hoffenheim den wertlosen Titel gegen einen wertvollen eintauschen kann.

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          In einem hart geführten, spannenden Spitzenspiel hat sich 1899 Hoffenheim am Sonntag als Tabellenführer in den weihnachtlichen Ruhestand verabschiedet. Der famose Aufsteiger kämpfte sich gegen den FC Schalke 04 nach Anlaufschwierigkeiten in der zweiten Halbzeit noch zu einem 1:1 - und das Remis reichte den Hoffenheimern zum krönenden Jahresabschluss.

          Dank der besseren Tordifferenz überwintert die Sensationsmannschaft der Hinrunde vor dem punktgleichen FC Bayern München. Die Tore in Mannheim schossen vor 26.300 Zuschauern im ausverkauften Carl-Benz-Stadion Gerald Asamoah (40.Minute) für Schalke und Selim Teber per Freistoß (72.) für Hoffenheim.

          Zwei Spieler, zwei Trainer sehen Rot

          Die Gelsenkirchener, zunächst deutlich überlegen, hatten es sich selbst zuzuschreiben, die Führung nicht über die Zeit gebracht zu haben. Die Mannschaft spielte zunächst gut, verdarb sich durch Undiszipliniertheiten und zwei Gelb-Rote Karten für Jones (57.) und Engelaar (81.) aber ein mögliches besseres Ergebnis. Auch die Assistenztrainer Mike Büskens und Youri Mulder wurden von Schiedsrichter Gagelmann im Verlauf der hitzigen Begegnung auf die Tribüne geschickt.

          Da kann sich Sejad Salihovic (l.) verrenken wie er will: Der Ball geht nicht rein.
          Da kann sich Sejad Salihovic (l.) verrenken wie er will: Der Ball geht nicht rein. : Bild: REUTERS

          Am Ende musste das Team von Trainer Fred Rutten froh sein, mit einem Punkt nach Hause fahren zu können. „Wir wollen nach oben“, sagte Torschütze Asamoah. „Wir mussten über den Kampf kommen. Hoffenheim hat das angenommen, und wir waren nicht clever genug.“

          Als Tabellenführer nach Sinsheim

          Für Hoffenheim war das Ergebnis nicht ganz „das I-Tüpfelchen“, das Trainer Ralf Rangnick „auf die Leistungen setzen wollte, die wir in diesem Stadion gezeigt haben.“ Aber es war dennoch ein gelungener Abschied - für die Kraichgauer war es der letzte Heimauftritt in der Fremde. „Das ist ein wunderbares Gefühl“, sagte Selim Teber. „Wir stehen an der Spitze und können jetzt den Urlaub genießen.“ Zur Rückrunde ist das eigene Stadion in Sinsheim fertig - die Vorfreude ist natürlich groß.

          In Mannheim ging es um die Herbstmeisterschaft, die offiziell keinen interessiert, inoffiziell aber begehrt ist, und es ging um große Gefühle. „Wir wollen ein Ergebnis, das uns ein gutes Gefühl für die Winterpause gibt“, hatte der Schalker Trainer Rutten vor der Partie gesagt - und auch genau gewusst, was er nicht wollte: „Ein Spiel, das Hoffenheim froh macht.“

          Schalke beginnt gut

          Die Schalker Profis hatten ihrem Trainer offenbar gut zugehört, sie begannen jedenfalls im Stil einer Klassemannschaft, ruhig und abgeklärt. Sie ließen den Ball laufen, und Hoffenheim lief zunächst einmal hinterher, ein ungewohntes Bild für das angriffslustigste Team der Liga. Rutten hatte auf seinen verletzten Angreifer Kevin Kuranyi verzichten müssen und dafür Halil Altintop in die Mannschaft beordert.
          Auch Hoffenheim begann gegenüber der 1:2-Niederlage beim FC Bayern mit personellen Änderungen. Isaac Vorsah ersetzte Luiz Gustavo, Sejad Salihovic lief anstelle des grippekranken Carlos Eduardo auf, damit blieb vom „Münchner“ Dreier-Mittelfeld nur Tobias Weis übrig, und das blieb nicht ohne Wirkung: Von der gewohnten Feinabstimmung im Hoffenheimer Mittelfeld war zunächst nicht viel zu sehen.

          Schalker Konfektionsware ohne letzten Pfiff

          Schalke kontrollierte die Partie mit routiniertem Passspiel, während die gefürchtete Schwungmasse des Aufsteigers zunächst träge blieb. Schon nach drei Minuten hatte Asamoah eine erstklassige Chance für die Schalker - er vergab sie kläglich. Altintop (9.) und wiederum Asamoah (12.) hätten in der Folge für die Schalker Führung sorgen können, doch so präzise die Kombinationen der Königsblauen bis zum Strafraum wirkten, so fahrig blieb der Abschluss. Das Schalker Spiel wirkte wie feinste Konfektionsware, aber doch ohne den letzten Pfiff.

          Die Hoffenheimer blieben bis zur 19. Minute ohne Torchance. Und auch dann benötigten sie einen Freistoß von Salihovic, den Torhüter Neuer mit Mühe und Klasse um den Pfosten lenkte, um dem Tor einmal gefährlich nahe zukommen. Danach wurde das Spiel offener, Hoffenheim erkämpfte sich mehr Spielanteile, kam zu einigen Eckbällen. doch Schalke blieb Herr der Lage. Die Führung durch Asamoah (40.), vorbereitet von Altintop, war der gerechte Lohn für eine couragierte, wenn auch im Abschluss ausbaufähigen Vorstellung in der ersten Halbzeit.

          Schalker Undiszipliniertheiten

          Rangnick reagierte zur Pause und brachte Luiz Gustavo für den schwachen Vorsah. Außerdem musste er den angeschlagenen Obasi ersetzen, für ihn kam Teber. Hoffenheim hatte nun den Vorwärtsgang gefunden, die Partie wurde schneller, härter und immer hektischer. Die Schalker brachten sich durch Undiszipliniertheiten mehr und mehr aus dem Tritt. Sie verwendeten mehr Kraft und Leidenschaft aufs Lamentieren denn aufs Fußballspielen.

          Eine „Rudelbildung“ in der 55. Minute löste Schiedsrichter Gagelmann noch mit zwei Gelben Karten für Teber und Asamoah auf, doch zwei Minuten später verdiente sich der bereits verwarnte Jones mit einem Foul im Mittelfeld die Gelb-Rote Karte. Für Hoffenheim war das die Initialzündung. Die Mannschaft drängte auf den Ausgleich, und in der 72. Minute meldete sie sich mit Tebers Tor zum 1:1 als Tabellenführer zurück.

          Nach dem Platzverweis für Engelaar blieb ihr der Siegtreffer trotz einiger Chancen und vier Minuten Nachspielzeit zwar verwehrt - der Jubel nach dem Abpfiff fiel deshalb kaum leiser aus.

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