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1:1 gegen Schalke : Bayern lassen zwei Punkte liegen

  • -Aktualisiert am

Kung-Fu-Müller: Der Bayern-Stürmer wäre in dieser Haltung auch in mancher Kampfsportart klasse Bild: AP

Nach anfänglicher Dominanz des Meisters erkämpft sich Schalke noch ein 1:1-Unentschieden. Höwedes bringt den Ball mit dem angelegten Arm über die Linie. Bayern-Neuzugang Alonso gibt ein starkes Debüt.

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          In der 68. Minute war Xabi Alonsos Premierenvorstellung in der Fußball-Bundesliga beendet. Als der spanische Star gegen Pierre-Emile Hojberg ausgetauscht wurde, dürfte er den Rasen mit gemischten Gefühlen verlassen haben. Lange war es in Gelsenkirchen gut für ihn und seine neuen Kollegen vom FC Bayern gelaufen, aber dann verloren die Münchner nach und nach die Kontrolle über einen anfangs ängstlichen, später forschen Gegner. In der zweiten Hälfte musste der deutsche Meister, den Robert Lewandowski (10.) in Führung geschossen hatte, sogar den Ausgleich hinnehmen. Und Alonso war mittendrin. Beim Versuch zu klären, traf er Benedikt Höwedes, der die Kugel mit dem Arm, aber wohl nicht mit einer „unnatürlichen“ und damit regelwidrigen Armbewegung ins Tor lenkte. Die Münchner protestierten heftig, fanden bei Schiedsrichter Marco Fritz aus Korb aber kein Gehör und mussten sich am Ende überraschend mit einem 1:1 begnügen.

          Vor dem Anpfiff hatten sich alle gefragt, ob im Trikot des FC Bayern Xabi Alonso und Mehdi Benatia auflaufen würden, jene beiden Profis, die der deutsche Meister erst vor wenigen Tagen unter Vertrag genommen hatte. Trainer Pep Guardiola hatte am Freitag versichert, beide seien fit. Xabi Alonso, der Routinier von Real Madrid, erhielt prompt einen Platz in der Startelf zugeteilt. Innenverteidiger Benatia dagegen gehörte in Gelsenkirchen noch nicht zum Aufgebot. Alonso war als Ordnungskraft im defensiven Mittelfeld neben Sebastian Rode eingeteilt. Dort fand er sich im Kreis seiner neuen Kollegen zügig zurecht. Zunächst gab es nicht viel Ordnung zu schaffen, weil es den Schalkern nicht gelang, die Defensive der Bayern durcheinander zu bringen. Alonso behielt vor allem Max Meyer im Auge. Der Spanier kontrollierte den Raum, den der junge Kreative gern beansprucht hätte.

          Sofort präsent: Xabi Alonso gibt im Bayern-Mittelfeld schon beim Debüt den Ton an... Bilderstrecke

          In der ersten halben Stunde waren die hinteren Reihen der Bayern kaum gefordert. Fast alles spielte sich in der Hälfte des FC Schalke ab. Und es dauerte nicht lange bis Lewandowski den deutschen Meister in Führung schoss. Auch ohne die verletzten Offensivkräfte Robben und Ribery zeigten sich die Münchner dominant, sie hatten in der ersten Hälfte mehr als sechzig Prozent Ballbesitz und gefielen mit sicherem Pass-Spiel. Aber sie versäumten es, den Vorsprung auszubauen. Nach einer halben Stunde wirkten die Münchner ein wenig selbstzufrieden und ließen sich dazu verleiten, weniger energisch nach vorn zu spielen. In anderer Besetzung hätten die Schalker das vielleicht früher ausnutzen können. Aber ihnen fehlten die beiden stärksten Spielerpersönlichkeiten: Eine Entzündung im Sprunggelenk hinderte den Mittelfeldstrategen Kevin-Prince Boateng daran, gegen seinen Halbbruder Jerome anzutreten und seine zuletzt schwächeren Leistungen vergessen zu machen. Mindestens ebenso schwer wog der Ausfall des Torjägers Klaas-Jan Huntelaar, den ein Virus außer Gefecht setzte.

          Da auch eine Reihe anderer Profis verletzt, angeschlagen oder noch nicht in Form war, blieben Jens Keller nicht viele Möglichkeiten. Letztlich entschied sich der Trainer des FC Schalke im defensiven Mittelfeld für Marco Höger und Jan Kirchhoff, zwei Profis, die monatelang verletzt gewesen waren. Wie schwer beiden die Umstellung fiel, zeigte sich schon in der Anfangsphase. Nach gut einer Viertelstunde war jeder von beiden wegen Foulspiels bereits mit der Gelben Karte verwarnt. Für Kirchhoff war der Arbeitstag nach nicht einmal vierzig Minuten beendet – wegen einer Verletzung machte er Neustädter Platz.

          Trotz der für sie ungünstigen Vorzeichen gingen die Schalker beherzt in die Zweikämpfe und zeigten, dass sie sich nicht ergeben wollten. Während sie mehr Mut fassten, wurde der Favorit immer nachlässiger. Nach gut einer Stunde schlug sich das im Resultat nieder. Wenige Minuten nach dem Ausgleich durfte Alonso Feierabend machen. Auf ein bajuwarisches Happy End hoffte der Spanier vergebens. Die Schalker mobilisierten Kräfte, von denen sie zuletzt selbst nicht wussten, dass sie in ihnen stecken. Mit viel Einsatz verdiente der Außenseiter sich einen Punkt, der den Fehlstart mit den Niederlagen in Dresden (Pokal) und Hannover nicht mehr so dramatisch erscheinen lässt.

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