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1:1 gegen die Bayern : Kölle alaaf in Weiß-Blau

Kölner Jubeltraube: Modeste erzielt den umjubelten FC-Ausgleich Bild: AFP

Nach der Champions-League-Pleite in Madrid müht sich Bayern auch im Liga-Alltag: Mutiger Kölner machen es den Münchnern schwer – und erobern am Ende gar einen Punkt. Das ärgert vor allem einen auf der Tribüne.

          Am Samstag um 15.30 Uhr sah die Welt für Uli Hoeneß noch perfekt aus. Der Verwaltungsbeirat des FC Bayern hatte ihn wenige Stunden zuvor unter Vorsitz von Edmund Stoiber satzungsgemäß und einstimmig für die Jahreshauptversammlung am 25. November den Vereinsmitgliedern als einzigen Kandidaten für die Wahl zum Präsidenten vorgeschlagen. Und dann, in der Arena, bot sich ihm ein prachtvolles Bild des Reiches, das er bald wieder regieren wird: ein blau-weißer bayrischer Himmel, vollbesetzte, von leuchtendem Rot dominierte Ränge und ein sattes Grün als Spielfläche.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Der von Pilz befallene Stolperrasen der ersten Saisonspiele war vor der Partie durch ein neues Geläuf ersetzt – und dabei auch ein Vermächtnis der Ära Guardiola getilgt worden. Der Hybrid-Rasen, aus Natur- und Kunsthalmen gemischt, der auf Wunsch des katalanischen Trainer-Perfektionisten verlegt worden war, hat nun wieder einem traditionellen Naturrasen Platz gemacht.

          Ausgleich mit Artistik

          Nur der Fußball störte dann das Bild. Nach der Führung durch einen Kopfball von Joshua Kimmich (40. Minute) und dem Ausgleich durch ein artistisches Tor von Anthony Modeste kam der FC Bayern drei Tage nach der 0:1-Niederlage in der Champions League bei Atlético Madrid in der Bundesliga gegen den 1. FC Köln nicht über ein 1:1 hinaus. Die Kölner sind damit saisonübergreifend seit elf Spielen unbesiegt und ließen sich von ihren „Kölle, alaaf“ singenden Fans feiern.

          Am Ende einer ereignisarmen ersten Halbzeit hatte sich Juan Bernat, einer von sieben neuen Spielern, die Trainer Carlo Ancelotti gegenüber dem Spiel in Madrid in die Startelf gebracht hatte, am linken Flügel im Zweikampf etwas glücklich gegen Marcel Risse durchgesetzt, brachte eine feine Flanke an den vorderen Pfosten, und dort zeigte Joshua Kimmich, der große Aufsteiger des Jahres im deutschen Fußball, dass er alles hat, um ein Großer zu werden, neuerdings sogar einen Torriecher. Im Tiefflug köpfte er den Ball an Torwart Timo Horn vorbei zum 1:0 ins Tor. Mit sechs Saisontoren, drei in der Bundesliga, zwei in der Champions League gegen Rostow, eins für Deutschland in der WM-Qualifikation in Norwegen, ist der Mittelfeldspieler der aktuell torgefährlichste deutsche Fußballer.

          Hadert mit sich: Bayern-Torjäger Lewandowski Bilderstrecke

          Nach 55 Minuten verpasste Javi Martinez nach einer Ecke knapp das 2:0, sein Kopfball landete am Pfosten. Doch dann fiel, aus heiterem bayrischem Himmel, der Kölner Ausgleich. Risse schlug eine unterschnittene Flanke in den Rücken der Bayern-Abwehr, wo Modeste Martinez entwischt war. Mit einer Art Kung-fu-Sprung nach Art von Zlatan Ibrahimovic erwischte der Franzose den schräg hereinsegelnden Ball zur Überraschung von Torwart Manuel Neuer, der schon ins linke Eck unterwegs war, und kratzte ihn mit dem Fuß mitten ins Tor.

          Die Kölner versuchten die nun spürbare Verunsicherung der Bayern zu nutzen, drängten auf die Führung, die durch Osako sogar fast gelang, doch der Japaner traf aus dem Abseits. Dann, nach den Einwechslungen von Vidal und Alaba, fingen die Bayern sich wieder. Thomas Müller, zur Pause für den harmlosen Arjen Robben gekommen, nahm den Ball nach einer Alonso-Ecke volley und hatte wie 70.000 Bayern-Fans schon den Torschrei auf den Lippen. Doch Torwart Horn lenkte den aus kurzer Entfernung geschossenen Ball blitzartig ans Lattenkreuz, wo der Ball erst den Pfosten, dann die Latte berührte, ehe er ins Feld zurücksprang (77.).

          Auch zehn Minuten später hatten die Kölner das Glück des Tüchtigen, abermals landete der Ball, diesmal nach einem wuchtigen Schuss von Bernat, nur am Gestänge, nicht im Netz ihres Tores. Und um ein Haar hätten sie dann sogar den Siegtreffer erzielt: Nach einem Konter in der Nachspielzeit verfehlte Simon Zoller frei vor Neuer das Tor um Zentimeter. Es bewahrte den designierten Comeback-Präsidenten Hoeneß vor einem restlos ruinierten Nachmittag.

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