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1:1 gegen Bremen : Gladbach verpasst den Befreiungsschlag

  • -Aktualisiert am

Ratlos am Spielfeldrand: Dieter Hecking Bild: dpa

Die Borussia zeigt nach dem Düsseldorf-Debakel die erhoffte Reaktion, kommt gegen Werder dennoch nicht über ein 1:1 hinaus, verliert den Anschluss nach oben und Trainer Hecking die Contenance.

          Charakter gezeigt, aber den erhofften Befreiungsschlag verpasst: Borussia Mönchengladbach hat nach dem desolaten Derby-Auftritt in Düsseldorf und der für den Sommer angekündigten Trennung von Trainer Dieter Hecking eine positive Reaktion gezeigt, sich aber beim 1:1 gegen Werder Bremen nicht mit drei Punkten belohnt.

          Die Führung durch U21-Nationalspieler Florian Neuhaus (49.) reichte den Gladbachern nicht zum erhofften Sieg, weil die Borussen weitere Chancen ungenutzt ließen und so den Gästen noch den Ausgleich durch einen Kopfball von Davy Klaassen gestatteten (79.). Damit betragen für die in der Tabelle fünftplatzierte Borussia sowohl der Rückstand auf Eintracht Frankfurt auf dem letzten Champions-League-Platz als auch der Vorsprung auf 1899 Hoffenheim auf den ersten Nicht-Europacup-Rang jeweils vier Punkte. Werder liegt weiterhin fünf Punkte hinter Gladbach auf Platz acht und hat ebenfalls den europäischen Wettbewerb noch im Blick.

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          „Es ist schade, nach dem 1:0 müssen wir das zweite Tor nachlegen. Dass wir dann das 1:1 bekommen ist ärgerlich, denn die Leistung der Mannschaft heute war gut. Dass es nach Düsseldorf eine Reaktion geben wird, war klar, und die Mannschaft hat sie gezeigt“, sagte Hecking nach dem ersten seiner sieben nun folgenden „Abschiedsspiele“ bei der Borussia. Werder-Coach Florian Kohfeldt war dagegen eher zufrieden: „Es war in der Summe ein tolles Fußballspiel. Wenn man 1:1 in Gladbach spielt, dann habe ich mehr Licht als Schatten gesehen. Hier einen Punkt zu holen, ist für uns viel wert.“

          Hecking hatte gegenüber der Derby-Pleite in Düsseldorf gleich viermal gewechselt und zudem vom zuletzt kritisierten 4-3-3-System auf ein 3-5-2 umgestellt. Kapitän Lars Stindl, Jonas Hofmann und die beiden Außenverteidiger Fabian Johnson und Oscar Wendt mussten auf die Bank, dafür rückten Christoph Kramer, Dennis Zakaria, Patrick Herrmann und – erstmals seit mehr als fünf Monaten – Raffael in die Startelf, Der Brasilianer bildete zusammen mit Alassane Plea einen Zwei-Mann-Sturm. Defensiv setzte Hecking auf die Doppel-Sechs der Vor-Saison – Kramer und Zakaria – vor einer Dreierkette.

          Nach dem Spiel brach Hecking ein Interview mit Sky erbost ab, nachdem Reporter Marcus Lindemann nach der sportlichen Situation des spät eingewechselten Kapitäns gefragt hatte. Über den Verzicht auf Stindl sagte Hecking wenig später in der Pressekonferenz: „Das war eine meiner schwersten Entscheidungen, weil er mein Kapitän ist.“ Der Trainer wies darauf hin, dass der Spielführer zuletzt nicht seine normale Form erreicht habe.

          Sein Team zeigte dank der Neuausrichtung aber  wieder mehr Stabilität als in den vergangenen Wochen. Gewonnene Zweikämpfe von Kramer und Herrmann wurden von den 54.022 Fans im zum vierten Mal in dieser Saison ausverkauften Borussia-Park gleich mit Applaus bedacht. Dennoch bekamen die Bremer in der 15. Minute die große Chance zur Führung, die Torhüter Yann Sommer aber mit einer starken Fußabwehr gegen Johannes Eggestein verhinderte. Die Borussen kamen danach zu Möglichkeiten durch Herrmann, der nach einer flachen Hereingabe von Zakaria aber nur den rechten Außenpfosten traf (23.) oder durch Plea, der nach einem energischen Zakaria-Solo einen Schlenzer knapp am rechten Pfosten vorbei setzte.

          Nach dem Seitenwechsel war es ausgerechnet der zuletzt überragende Bremer Kapitän Max Kruse, der unfreiwillig die Führung seines früheren Klubs einleitete. Bedrängt von Nico Elvedi rutschte Kruse am Mittelkreis aus, der Schweizer schaltete sofort um und schickte Neuhaus mit einem Pass in den Strafraum, wo dieser Werder-Schlussmann Jiri Pavlenka umkurvte und aus spitzem Winkel das 1:0 erzielte.

          In der 68. Minute hätte Kruse sein Missgeschick fast wieder wettgemacht, seinen 16-Meter-Schuss lenkte Sommer aber über die Latte. Nachdem auf der Gegenseite Thorgan Hazard bei einem zu kurzen Sahin-Rückpass Pavlenka gestört und der eingewechselte Johnson per Volleyabnahme das Tor verfehlt hatte, wären die danach aktiveren Bremer schon in der 70. Minute beinahe zum Ausgleich gekommen. Sommer reagierte aber gegen Milot Rashica und Kruse zweimal glänzend. In einem in der Schlussphase munter hin und her gehenden Spiel verpasste Neuhaus für die Borussia gleich zweimal das vorentscheidende 2:0 (74., 78.), was Werder eine Minute später durch Klaassens Kopfball bestrafte. Mönchengladbach versuchte danach zwar noch einmal alles, aber am Ende hielt Pavlenka den Bremer Punkt gegen Matthias Ginter (89.) und Hazard (90.+2) fest.

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