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1:1 gegen Bochum : Ein Freistoß erzürnt die Eintracht

Frankfurt fühlt sich benachteiligt beim Bochumer Treffer Bild: dpa

Schiedsrichter Felix Brych, Torhüter Oka Nikolov oder alle zusammen - wer ist schuld am Bochumer Tor durch Mimoun Azaouagh? Nach dem 1:1 gegen Bochum ist Fußball-Frankfurt sauer.

          3 Min.

          Die Serie hat ein weiteres Mal gehalten. Die Eintracht verlor in dieser Bundesligasaison noch nicht einmal zwei Spiele in Folge. Sechs Tage nach dem 1:4 beim Hamburger SV behaupteten die Frankfurter durch das 1:1 gegen Bochum ihre stabile Position im Tabellen-Mittelfeld, von wo aus im besten Fall in den kommenden Wochen noch ein Startplatz für das internationale Fußballgeschäft erobert werden kann.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Aber zufriedene Gesichter waren auf Seiten der Hessen so gut wie keine zu finden. Trainer Friedhelm Funkel war erbost über die Art und Weise, wie seine Mannschaft am Samstag „um den Lohn ihrer Arbeit gebracht wurde“, wie er es unmissverständlich formulierte.

          „Erst war es kein Freistoß, dann war er nicht freigegeben“

          Schiedsrichter Felix Brych, so sein anfangs mit Verve artikulierter Standpunkt, habe sich beim Ausgleich durch einen direkt verwandelten Freistoß von Mimoun Azaouagh in der 67. Minute einen kapitalen Fehler erlaubt: „Erst war es kein Freistoß, weil Junichi Inamoto nicht Hand gespielt hat, und dann durfte er den Ball überhaupt nicht freigeben, weil wir unsere Mauer noch nicht gestellt hatten.“

          Keine Freunde: Friedhelm Funkel und das Schiedsrichter-Gespann
          Keine Freunde: Friedhelm Funkel und das Schiedsrichter-Gespann : Bild: dpa

          Doch der Referee sowie der in Bornheim aufgewachsene Profi, der nach seinem Wechsel von Mainz nach Schalke nicht glücklich wurde und nun im Revier sein Auskommen beim VfL sucht, sahen es gänzlich anders. Beiden, so ihre Version hinterher, sei klar gewesen, dass die Partie auch ohne Pfiff freigegeben sei - dies hätten auch die Frankfurter Verteidiger „wissen und mitbekommen können“, wie Azaouagh mit einem schelmischen Lächeln im Gesicht nach seinem Kunstschuss schilderte.

          „Das war nicht regelkonform“

          Der Fünfundzwanzigjährige, seit jeher ein ausgemachtes Schlitzohr auf dem Rasen, schaltete blitzschnell und erwischte bei seinem Treffer aus rund zwanzig Metern den überrumpelt wirkenden Torwart Oka Nikolov auf dem falschen Fuß. „Das war nicht regelkonform“, war sich Funkel unmittelbar nach dem Schlusspfiff in ersten Interviews am Spielfeldrand sicher; wenige Minuten später, als sich die größte Erregung gelegt hatte, wurde er auch mit Blick auf ein mögliches Verfahren vor dem Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes ein wenig vorsichtiger. „Kein Kommentar“, war alles, was er auch auf mehrmaliges Nachfragen zu Protokoll gab, „ich habe im Fernsehen alles gesagt.“

          Für Heribert Bruchhagen war, anders als für die Mehrzahl der 46.700 Besucher in der Commerzbank-Arena, nicht der Referee der Buhmann, dem man die Schuld für den verpassten Heimsieg anlasten konnte. Nachdem Brych unter Geleit einiger Ordner, die ihn vor Wurfgeschossattacken der aufgebrachten Anhänger schützten, in die Katakomben gebracht wurde, ging der Vorstandsvorsitzende der Eintracht stattdessen hart mit Nikolov ins Gericht. „Es war sein Fehler, er hätte den Ball im Auge behalten müssen“, sagte Bruchhagen, „auch wenn das unsere Fans sicher nicht gerne hören wollen.“

          „Damit uns so etwas nicht noch einmal passiert“

          Der Schlussmann, der schon bei der Niederlage in Hamburg mehrmals eine unglückliche Figur abgab, konterte den Vorwurf ironisch: „Was er gesagt hat, stimmt zwar nicht - aber wenn es von Herrn Bruchhagen kommt, ist es natürlich richtig.“ Ein wenig gelassener analysierte Christoph Spycher die strittige Situation. Er riet sich und seinen Kollegen „aus dem Fehler zu lernen, damit uns so etwas nicht noch einmal passiert“. Künftig, so die Maßgabe des Wortführers, „steht ein Mann von uns bei Freistößen so lange vor dem Ball, bis wir uns vernünftig sortiert haben“.

          Verdient wäre ein Erfolg für die Frankfurter zweifelsohne gewesen. Die Führung in der 49. Minute durch das zweite Saisontor von Faton Toski war das verdiente Resultat einer im Vergleich mit dem Gegner beherzteren Vorstellung. Bochum beschränkte sich hauptsächlich darauf, mit zwei Viererketten das Frankfurter Vorwärtsstreben in Grenzen zu halten. Martin Fenin (9. Minute) und Ioannis Amanatidis (13. und 23.) vergaben früh gute Möglichkeiten.

          „Die Leistung war okay, nur das Ergebnis nicht“

          Doch weil durch das Aufrücken von Patrick Ochs, der in der Abwehr kaum gefordert war, anfangs im Mittelfeld ständig ein Übergewicht herrschte, kamen die Bochumer allenfalls zu Entlastungsangriffen. Das änderte sich erst, als den Frankfurtern ein wenig die Kräfte schwanden, und Bochum Mitte des zweiten Abschnitts durch die eingetauschten Azouagh und Martin Miciel neuen Schwung entwickelte - aber auch dann hätten Toski (71.) und Michael Fink (77.) für drei Punkte sorgen können.

          „Gespielt haben wir genauso, wie ich es von meinem Team erwartet habe“, fand Funkel trotz allem ein versöhnliches Schlusswort nach einem aufregenden Nachmittag, „die Leistung war okay, nur das Ergebnis nicht.“ Für Sotirios Kyrgiakos endete der 23. Spieltag darüber hinaus ausgesprochen schmerzhaft. Nach einem Zusammenprall mit Christoph Dabrowski schied er kurz vor dem Abpfiff mit Verdacht auf Nasenbeinbruch aus.

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