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1:1 gegen Augsburg : Der erste Münchner Grauschleier

Unerwartet düstere Mienen nach Spielschluss: Die Bayern Robben und Müller hatten nicht mit einem Remis gerechnet Bild: Reuters

Die Bayern kommen im Heimspiel gegen den FC Augsburg nicht über ein 1:1 hinaus. Das Unentschieden des Serienmeisters trübt das bislang so rosarote Saisonbild.

          Niko Kovac warnte zuletzt davor, „alles rosig zu sehen“. Doch wer sollte in München darauf hören? Das Oktoberfest hat gerade erst begonnen, und der FC Bayern liegt kommod an der Tabellenspitze. Doch am Dienstagabend legte sich der erste Grauschleier über das bisher rosarote Saisonbild des Serienmeisters. Mit einer Startelf, die so wohl kaum noch einmal zusammenspielen wird, ohne Thiago, Lewandowski, Ribéry, James, dafür mit Leon Goretzka als Linksverteidiger, ist Kovacs Team im Derby gegen den FC Augsburg nicht über ein 1:1 hinausgekommen.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Die Bayern-Führung durch Arjen Robben (48. Minute) glich Felix Götze kurz vor Ende aus (86.). Damit verpasste es Kovac, mit dem achten Sieg im achten Wettkampfspiel den zwei Jahre alten Startrekord von Carlo Ancelotti einzustellen.

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          Sein Augsburger Kollege Manuel Baum hatte nach den schweren Patzern von Fabian Giefer, die den FCA in den beiden letzten Spielen gegen Mainz und Bremen vier Punkte gekostet hatten, den Platz im Tor neu vergeben und den erfahrenen Andreas Luthe aufgestellt, der zu Saisonbeginn bei der Nachfolgeregelung für den nach Dortmund gewechselten Marwin Hitz noch den Kürzeren gezogen hatte. Und der 31-Jährige, gerade rechtzeitig von einer Sehnenentzündung oberhalb der Kniescheibe kuriert, erwies sich als starker Rückhalt für seine mutig und kompakt, wenn auch nicht durchschlagskräftig auftretende Mannschaft.

          Nach sieben Minuten wäre Luthe bei einem abgefälschten Schrägschuss von Thomas Müller allerdings erstmals machtlos gewesen – zu seinem Glück prallte der Ball an den Pfosten. Kurz danach war Trainer Baum auf der Palme, weil keiner seiner Spieler nach einer abgewehrten Ecke aus dem Strafraum spurtete, um Serge Gnabry anzugreifen – dessen Flanke verpassten gleich zwei völlig freistehende Bayern, Müller und Sandro Wagner, Vertreter des geschonten Torjägers vom Dienst, Robert Lewandowski.

          Eine weitere Bewährungschance von Kovac bekam auch Renato Sanches, der die Rückkehr in seine Heimatstadt Lissabon beim 2:0-Sieg bei Benfica in der Champions League vergangene Woche genutzt hatte, sich nach zwei verkorksten Jahren wieder in Erinnerung zu bringen. Nach zwölf Minuten zeigte der Portugiese seine Stärken und zog mit kraftvollem Antritt durchs Zentrum – vorbei an zwei Mann, am Tor aber auch.

          Die Augsburger spielten zunächst munter mit und nutzten die Gelegenheiten, die die Versuchs-Elf der Bayern ihnen auf diversen Positionen bot, vor allem vorn rechts. Dort stand ihnen mit Goretzka ein zentraler Mittelfeldspieler überraschend als Linksverteidiger gegenüberstand – zumindest bis zur Pause, als Kovac das Experiment beendete und die Erstbesetzung Alaba brachte. Schon nach sechs Minuten hatten die Augsburger mit einem feinen Schnellangriff über rechts Caiuby freigespielt. Doch der Brasilianer verdarb die Gelegenheit, indem er zu früh, schon vom Strafraumeck aus, den Abschluss suchte, der dann kein Problem für Torwart Manuel Neuer war – statt den in der Mitte perfekt plazierten Philipp Max zu bedienen.

          Eine halbe Stunde lang hatten die Bayern gegen den früh attackierenden Außenseiter ungewohnte Schwierigkeiten im Spielaufbau und kaum Kombinationsspiel im Mittelfeld. Erst in den letzten zehn Minuten vor der Pause änderte sich das, und so bekam Luthe in der 35. Minute zum ersten Mal etwas zu tun. Die durch einen Weitschuss von Sanches erteilte Flugerlaubnis nutzte er zu einer formvollendeten Parade. Und war danach plötzlich minutenlang der meistbeschäftigte Mann im Stadion. Zuerst wehrte er einen Kopfball von Wagner sicher ab (41.), bestand dann auch im Eins-zu-eins-Duell gegen den nach einem missratenen Rückpass frei vor ihm aufgetauchten Mittelstürmer (42.) – und lenkte bei einem Bayern-Konter einen Schuss von Serge Gnabry mit famoser Parade um den Pfosten (44.).

          Unerwarteter Augsburger Torjubel in der Schlussphase: mit dem 1:1 bei den Bayern war nicht mehr zu rechnen

          Drei Minuten nach der Pause war dann aber auch der starke FCA-Keeper am Ende seiner Möglichkeiten. Gnabry nahm einen langen Ball auf, stürmte mit Tempo in den Strafraum, legte quer zu Robben, und der hämmerte den Ball gegen die aufgelöste Defensive unter die Latte. Zwei Minuten später rettete Luthe gegen den ähnlich frei durchbrechenden Sanches.

          Viel mehr an Gefahr kam nicht mehr von den Bayern, die den knappen Sieg ohne viel Aufwand ins Ziel zu bringen versuchten – dann aber bestraft wurden, als Neuer bei einer Ecke danebengriff und der eingewechselte Felix Götze, dessen Bruder Mario drei Jahre in München spielte, den von Jeffrey Gouweleeuw scharf vors Tor zurückgebrachten Ball mit der Brust über die Linie drückte. Am Ende feierten die Augsburger einen verdienten Punkt – und ihren neuen Torwart.

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