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1:0 in Leverkusen : Frankfurter Befreiungsschlag

Frankfurter Jubel_ Die Eintracht freut sich mit Torschütze Russ (r.) Bild: AP

Erleichterung in prekärer Lage: Eintracht Frankfurt holt sich nach Wochen der Krise drei wichtige Punkte in Leverkusen und erfreut zugleich den Herbstmeister. Bayer verliert nämlich den Anschluss an die Bayern.

          3 Min.

          Das nennt man dann wohl einen Coup. Die Frankfurter Eintracht  gewinnt bei  Bayer Leverkusen. Unmöglich? Nein, am Sonntagabend ist es  tatsächlich passiert. Marco Russ mit dem Kopf zum 1:0 in der 61. Minute sorgte  für ungeahnte Glücksgefühle in den Reihen der Hessen. „Eine tolle Sache“,  freute sich Heribert Bruchhagen. „Es kann aber auch nicht sein, dass wir immer  nur mit leeren Händen dastehen. Der Sieg heute war in höchstem Maße verdient“,  sagte der erleichterte Vorstandschef.

          Vierzehn Punkte hat die Eintracht  jetzt. Der Abstand zu den Abstiegsrängen hat sich damit vergrößert. Dass es an  diesem verrückten 15. Dezember überhaupt dazu gekommen ist, machte Kevin Trapp  an der geschlossenen Mannschaftsleistung fest. „Alle bei uns haben richtig gut  verteidigt“, sagte der Eintracht-Torwart. „Wir haben uns richtig reingehauen.“ Es dauerte lange, sehr lange sogar, bis sich die Freude der Spieler Bahn  brechen konnte. Schiedsrichter Wolfang Stark ließ offiziell drei Minuten  nachspielen, doch es musste erst die 95. Spielminute anbrechen, ehe der dritte Auswärtssieg der Eintracht perfekt war. Und er hätte sogar noch ein bisschen  höher ausfallen könnte, doch Joselu verpasste es mit der letzten Aktion des Spiels, per Elfmeter auf  2:0 zu erhöhen. Der zuvor eingewechselte Marvin Bakalorz, der in der Kürze der  Zeit einen starken Eindruck hinterließ, war im Strafraum von Gonzalo Castro  gefoult worden. Joselu scheiterte an Bernd Leno, unmittelbar danach pfiff Stark  die Partie ab.

          Russ steigt am höchsten - und trifft
          Russ steigt am höchsten - und trifft : Bild: AP

          Torschütze Russ erlebte den kollektiven Freudentaumel gar nicht  mehr aktiv, sondern von der Außenlinie aus. In der 73. Minute hatte er sich bei  einem Schuss verletzt - an der gleichen Stelle wie schon vor vor drei Wochen. „Ich  hätte zu Sebi Jung passen können, aber ich habe die Verletzung durch den Schuss  in Kauf genommen“, sagte er. „Nun muss ich am Freitag, wenn in Frankfurt gegen  Augsburg wieder die Hütte voll ist, von außen aus zuschauen und die Daumen  drücken.“

          Djakpa und Schröck spielen sich ins Team

          Leistung lohnt sich also doch. Dass Stephan Schröck und Constant Djakpa am Donnerstag beim 2:0-Sieg im Europa-League-Spiel gegen Apoel Nikosia zu den  Besten gehörten, wurde drei Tage später gewürdigt. Sowohl der flinke  Mittelfeldrenner Schröck als auch der robuste Linksverteidiger Djakpa standen  in der Startelf. Wieder einmal hatte Trainer Armin Veh die Eintracht ein wenig  durchgeschüttelt und an personellen Stellschrauben gedreht. Joselu durfte sich  als Einzelkämpfer im Angriff versuchen, Vaclav Kadlec fand sich auf der  Auswechselbank wieder.

          Hinter dem stürmischen Spanier vertraute Veh darauf,  dass Johannes Flum, Jan Rosenthal und eben Schröck für Hilfe und Unterstützung  sorgten. Und tatsächlich: Es war die Eintracht, die beim großen Favoriten  sofort das Kommando übernahm und das Spiel bestimmte. „Wir haben eigentlich überhaupt keine Chance. Aber vielleicht ist genau das  unsere Chance.“ Gesagt, getan, Armin Veh. Es war schon erstaunlich, wie die  Hessen am Sonntagabend in der Heimstätte des Tabellenzweiten in der ersten  Halbzeit aufspielten. Nach zwölf Minuten hätte der Rangfünfzehnte sogar in  Führung gehen können, was durchaus den Spielanteilen entsprochen hätte. Doch  Rosenthal hatte Pech. Sein Kopfball nach Vorarbeit von Sebastian Jung landete  am rechten Pfosten. In der 17. Minute war es Joselu, der Bayer-Torwart Leno aus  spitzem Winkel zu überlisten versuchte, aber scheiterte.

          Nach der Pause änderte sich das Bild

          Forsch, frech, Frankfurt. Sollte der Eintracht beim haushohen Favoriten, der  sage und schreibe 26 Punkte vor den Hessen lag, tatsächlich eine Überraschung  glücken? Vor der Partie war es Peter Feldmann, der sich als grundsätzlicher  Eintracht-Optimist zu erkennen gab. „Ich bin mir sicher, dass die Eintracht  einen gesicherten Mittelfeldplatz erreichen wird“, sagte Frankfurts  Oberbürgermeister in einem Interview auf der Homepage von Bayer 04  Leverkusen. „Vehs Mannschaft hat doch in der Europa League einen sehr guten  Eindruck hinterlassen.“

          Das stimmt zwar, doch die Bundesliga ist ein komplett  anderer Wettbewerb mit ganz anderen Vorzeichen. Und es scheint, als hätten die  Hessen eine gute Woche vor Weihnachten endgültig den Ernst der sportlichen Lage  begriffen. Anders nämlich ist kaum die erstaunliche Leistungssteigerung vor  allem in der ersten Hälfte zu erklären. Nach der Pause änderte sich das Bild. Es hätte auch umso mehr überrascht,  wenn die Eintracht weiterhin den dominierenden Part gespielt hätte. Binnen zehn  Minuten tauchten die jetzt offensiv auftrumpfenden Leverkusener vor Kevin  Trapps Tor auch. Doch bei allen Schüssen und Kopfbällen von Robbie Kruse (46.),  Philipp Wollscheid (51.) und Heung Min Son (56.) war der Eintracht-Keeper auf  der Hut. „Diese zehn Minuten haben wir gut überstanden“, sagte Veh in seiner  Analyse. „Danach wollten wir Nadelstiche setzen, was uns auch durch das Tor von  Russ geglückt ist. Doch dann wurde es eine Abwehrschlacht.“ Mit einem überragenden Trapp, der sich nicht überwinden ließ.

          Bitter enttäuscht: Heung-Min Son und Bayer Leverkusen verlieren die Bayern aus den Augen
          Bitter enttäuscht: Heung-Min Son und Bayer Leverkusen verlieren die Bayern aus den Augen : Bild: REUTERS

          Erste Heimniederlage für Bayer 04 Leverkusen, dritter Auswärtssieg für die  Frankfurter Eintracht: Ausschlaggebend für den Coup im Westen war für Veh „die  sehr disziplinierte erste Halbzeit, in der wir mit viel Leidenschaft gespielt  haben“. Der Plan also ist aufgegangen: „Wir haben eigentlich keine Chance, also  nutzen wir sie.“ Die Eintracht gewinnt 1:0 beim Zweiten - das ist wirklich eine  tolle Sache.

          Bayer Leverkusen - Eintracht Frankfurt 0:1 (0:0)

          Bayer Leverkusen: Leno - Donati (84. Öztunali), Wollscheid, Toprak, Can - Bender (67. Hegeler), Rolfes, Castro - Kruse (67. Derdiyok), Kießling, Son
          Eintracht Frankfurt: Trapp - Jung, Zambrano, Anderson, Djakpa - Schwegler, Russ (76. Barnetta) - Schröck (87. Bakalorz), Flum, Rosenthal - Joselu
          Schiedsrichter: Stark (Ergolding)
          Zuschauer: 26 242
          Tor: 0:1 Russ (61.)
          Besonderes Vorkommnis: Leno (Bayer Leverkusen) hält Foulelfmeter von Joselu (90.+6)
          Gelbe Karten: Hegeler (3), Kießling (2), Rolfes (1), Wollscheid (4) / Flum (4), Schwegler (2), Zambrano (8)

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