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1:0 in Frankfurt : Hacke, Spitze, Schweinsteiger

  • -Aktualisiert am

Torschütze zum Titel: Bastian Schweinsteiger Bild: AFP

Ein Hackentor von Bastian Schweinsteiger beschert dem Rekordmeister den 1:0-Sieg bei Eintracht Frankfurt, der zum Meistertitel reicht. Die Eintracht wehrt sich wacker, aber vergeblich.

          Die Fans hatten es vorweggenommen: In der Nachspielzeit skandierte der Bayern-Block durchgehend die Botschaft: „FC Bayern - deutscher Fußballmeister!“ Als Schiedsrichter Mayer am Samstag mit seinem Abpfiff dem 1:0-Sieg der Bayern gegen Eintracht Frankfurt und damit ihrem Titelgewinn die amtliche Beglaubigung verlieh, da rissen die Münchner Fußballprofis dann doch voller Begeisterung über sich die Arme hoch. Trotz der langen Ankündigungszeit bei 20 Punkten Vorsprung, trotz des Viertelfinalrückspiels in der Champions League am kommenden Mittwoch gegen Juventus Turin. Trainer Heynckes fiel seinen Assistenten Gerland und Hermann in die Arme, der freudige Torschütze Schweinsteiger seinen Kollegen Neuer und Müller, und auf der rechten Seite fanden sich fünf, sechs Spieler spontan zusammen, die, von Dante inspiriert, zu hüpfen und zu tanzen begannen. Nach einer Minute koordinierten die Münchner ihre Jubelarie besser. Alle fanden sich zum Kreis - und dann brachten sie den Fans ihre Huldigung entgegen, indem sie geschlossen den „Taucher“ gaben, sich mit dem Bauch auf den Rasen warfen. „Ich freue mich wahnsinnig. Das ist ein sehr emotionaler Moment für mich“, sagte der ausgelassene Heynckes. Kapitän Lahm betonte, dass die Mannschaft in dieser Saison nach dem Titelgewinn noch weitere „große Ziele“ hat.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Die Bayern fixierten in Frankfurt die Meisterschaft auf die Art und Weise, die sie die ganze Saison über auszeichnet: konzentriert, engagiert, inspiriert. Die Münchner hielten sich einen aggressiven Gegner vom Leib, gestatteten ihm nur zwei Torchancen. Und darüber hinaus kreierte die Elf Torgelegenheiten, von denen Schweinsteiger in der 52. Minute schließlich eine per Hackentrick verwertete.

          Die Mannschaft von Trainer Veh verstand sich in der ersten Halbzeit nicht als Ehrenspalier für eine Münchner Meisterschaftsfeier, sondern eher als Partyschreck-Kommando. Dass der Ausfall von drei Leistungsträgern die Chancen verschlechterte, gegen die Bayern als erster Rückrundengegner einen oder drei Punkte zu holen, schien sie in keiner Weise zu berühren.

          Ohne Torwart Trapp, ohne Torschützenkönig Meier und ohne Mannschaftskapitän Schwegler bekriegten die Frankfurter den Titelaspiranten so leidenschaftlich und geschickt, dass er in der ersten Halbzeit zwar ständig in Ballbesitz, aber nur zweimal einem Treffer nahe war. In der zehnten Minute scheiterte Shaqiri mit einem Schuss aus 18 Metern am Pfosten, in der 27. Minute setzte Alaba einen Elfmeter an die Außenseite des Aluminiums. Vielleicht reagierten die Bayern aber auch nur auf den Spielstand in Dortmund. Dort wandelten die Augsburger einen 0:1-Rückstand in einen 2:1-Vorsprung - nun sah es so aus, als würden die Bayern Meister, ohne ein Tor in Frankfurt schießen zu müssen.

          Verdiente Ehre: Jupp Heynckes wird auf Händen getragen

          Sollten einem Münchner Fußballprofi solche Gedanken gekommen sein, so wurden sie ihm in der Pause ausgetrieben. Mit Wiederanpfiff erreichten die Bayern ihre höchste Betriebstemperatur und setzten die Eintracht gehörig unter Druck. In der 51. Minute konnte der Frankfurter Außenverteidiger Jung noch den Ball wegschlagen, kurz bevor er die Torlinie überquerte. Schon vor dem Anstoß hatte der Junioren-Nationalspieler seine Fans erfreut, indem er bekanntgab, seinen Vertrag mit der Eintracht zu verlängern. In der 52. Minute war es dann um die Eintracht geschehen. Eine Hereingabe von Lahm verwandelte Schweinsteiger mit der Hacke zum 1:0 für die Bayern. Ein Ergebnis, das die Verhältnisse auf dem Spielfeld ins rechte Licht rückte.

          Der elfte Sieg in Serie

          Die Frankfurter mussten nun wieder etwas munterer in der Offensive werden. Doch bis auf ein paar Weitschüsse, die Bayern-Torwart Neuer vor keine allzu großen Probleme stellten, sprang bei den Bemühungen zunächst nichts heraus. Die Bayern schienen alles fest im Griff zu haben, bis die Eintracht Mittelstürmer Lakic einwechselte. Mit dem langen, wuchtigen Mittelstürmer kam plötzlich Leben in die Frankfurter Offensive. In der 78. Minute bot sich ihm die Riesenmöglichkeit zum Ausgleich. Doch aus fünf Metern Entfernung brachte er den Ball nicht an Neuer vorbei, der prächtig reagierte. Fünf Minuten später scheiterte Zambrano nach einer Ecke mit seinem Kopfball - und dann war die Meisterschaft der Bayern perfekt.

          Eintracht-Trainer Armin Veh lobte am Ende nochmals die Arbeit seines Bayern-Kollegen Heynckes. „Die Mannschaft hatte in dieser Saison keine Schwächephase.“ Es käme viel zu kurz, was der Trainer dort leiste. Derweil kam am Samstag noch ein Bundesligarekord zustande: Die Münchner stellten mit dem 1:0 auch die längste Siegesserie in einer Saison auf, in dem sie in Frankfurt die elfte Partie nacheinander gewinnen konnten.

          Eintracht Frankfurt - Bayern München 0:1 (0:0)

          Eintracht Frankfurt: Nikolov - Jung, Zambrano, Anderson, Oczipka - Russ (71. Stendera), Rode - Aigner, Lanig (30. Celozzi), Inui - Matmour (76. Lakic)
          Bayern München: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Alaba - Javi Martínez, Schweinsteiger - Robben (63. Ribéry), Müller (63. Luiz Gustavo), Shaqiri - Gomez (75. Pizarro)
          Schiedsrichter: Meyer (Burgdorf)
          Zuschauer: 51 500 (ausverkauft)
          Tor: 0:1 Schweinsteiger (52.)
          Besonderes Vorkommnis: Alaba (Bayern München) verschießt Foulelfmeter (27.)
          Gelbe Karten: Aigner (3) / Javi Martínez (3), Luiz Gustavo (5)

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