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1:0 in Dortmund : Leverkusen spielt vizemeisterlich

  • -Aktualisiert am

Im siebten Himmel: Hyeung-Min Son hat das Siegtor für Leverkusen erzielt Bild: AFP

„Vizekusen“ macht seinem Spitznamen Ehre und vertagt die Bayern-Herbstmeisterschaft: Im Duell um Platz zwei gewinnt Bayer 04 in Dortmund und hat nun sechs Punkte Vorsprung auf die Borussen.

          3 Min.

          Bayer Leverkusen hat Borussia Dortmund als zweitbeste deutsche  Fußballmannschaft abgelöst. Es mag noch eine Momentaufnahme sein, aber nach dem  direkten Aufeinandertreffen der Bayern-Verfolger am Samstagabend kann niemand  mehr behaupten, dass die Werkself rein zufällig vor den Dortmundern in der  Bundesligatabelle steht. Bayer gewann im ausverkauften Dortmunder WM-Stadion 1:0, und der Sieg kam alles andere als zufällig zustande.

          So trifft Son: Beim 1:0 tanzt er die Borussen-Abwehr aus
          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Die Leverkusener  gestatteten dem Champions-League-Finalteilnehmer der Vorsaison während der 90 Minuten kaum eine  Torchance. Weder vor Sons Treffer in der 18. Minute noch danach. Die Dortmunder  wirkten überspielt und irgendwie an der Grenze ihrer körperlichen  Belastbarkeit. Jedenfalls vermochten sie nicht wie in den vergangenen Monaten  so häufig, mit Wucht und Dynamik die Begegnung noch zu wenden. Die  Verletztenmisere der Borussen beginnt, ihren Tribut zu fordern. Manuel  Friedrich, als vertragsloser Profi als Ersatz für die Verletzten  Innenverteidiger Subotic und Hummels verpflichtet, leitete mit einem  haarsträubenden Fehlpass die Niederlage ein. Als in der zweiten Halbzeit auch  noch Sven Bender und Nuri Sahin angeschlagen vom Platz humpelten, spielte der BVB mit Mchitarjan und Großkreutz im defensiven Mittelfeld - die zweite  Notbesetzung. Sahin und Bender mussten nach dem Spiel gar zu weiteren Untersuchungen ins Krankenhaus.

          Dortmund keine Extraklasse

          Im Moment  stellt Borussia Dortmund keine Extraklasse in der Bundesliga dar. Der Rückstand auf Leverkusen beträgt sechs Punkte, zu den Bayern zehn.  In der ersten Halbzeit war Leverkusen die eindeutig bessere Mannschaft  gewesen. Nach einem Schreckmoment in der dritten Spielminute, Lewandowski war  vor Leno aufgetaucht, vermochte den Ball allerdings nicht am Bayer-Torwart  vorbei zu spitzeln, gelang es der Werkself, die Borussen weitestgehend zu  kontrollieren. Sehr aufmerksam und gedankenschnell unterbanden sie die  Dortmunder Kombinationen meist schon im Ansatz, lange bevor sie gefährlich  werden konnten. Lediglich Großkreutz und Blaszczykowski setzten sich auf der  rechten Seite ein paar Mal in Szene, doch ihre Flanken fanden keinen Dortmunder  Abnehmer im Strafraum.

          Turbulentes Ende: Bayer-Verteidiger Spahic sieht Rot, Gegenüber Sokratis folgt wenig später mit Gelb-Rot

          Bayer wirkte spritziger und entschlossener, wenn sie den Ball eroberten, ging  es viel schneller vorwärts als bei den Borussen. Hegeler und Can hatten schon  früh Weitschuss-Chancen, die sie vergaben. Doch  als sich plötzlich eine große  Gelegenheit ergab, schlugen die Leverkusener eiskalt zu. Der Dortmunder  Ersatzverteidiger Manuel Friedrich hatte sich einen eklatanten Fehlpass im  Spielaufbau geleistet - und dann ging alles sehr schnell, so schnell, dass die  aufgerückte Borussen-Abwehr keine Chance mehr hatte. Can zu Castro, Castro zu  Son und der schnelle Koreaner überlief den Dortmunder Torwart Weidenfeller und  schob aus spitzem Winkel den Ball zum 1:0 ins Tor. „Ich freue mich, dass ich so ein wichtiges Tor gemacht habe“, sage Son.

          Enttäuschende Reaktion

          Die Reaktion der Borussen auf den Rückstand fiel für ihre Fans enttäuschend  aus. Kein wütendes Aufbäumen, kein Anstürmen, noch nicht einmal ein Pressing  bekamen sie Zustande. Bis zur Pause gab es nur einen akrobatischen Luftsprung  Lewandowskis zu bewundern, bei dem er aber zu wenig Druck hinter den Ball  brachte, um Torwart Leno wirklich herauszufordern. Ansonsten hatten die Leverkusener weiterhin alles im Griff, ja sie hätten  sogar noch zwei weitere Tore bis zur Pause schießen können. Son trennten nur  Zentimeter von seinem zweiten Treffer. Als er allein aufs Dortmunder Tor  zustrebte, streifte sein Schuss den Oberarm von Torwart Weidenfeller, der Ball  flog knapp am Pfosten vorbei. Und in der 40. Minute schloss Hegeler einen  sehenswerten Konter der Leverkusener mit einem Heber ab, der auf dem Tornetz  landete.

          In der zweiten Halbzeit verbesserten sich für Dortmund die Verhältnisse: Leverkusen erspielte sich keine weiteren Torchancen. Aber  ihrer Kernaufgabe bei einem 0:1-Rückstand kamen die Borussen nicht nach - ein  Tor zu erzielen. Sie kamen dem Ziel bis zur 80. Minute noch nicht einmal  nahe. Erst in der hektischen Schlussphase, als das fanatische Publikum den BVB  noch mal nach vorne peitschte, ging es ein paar Mal hoch her im Leverkusener Strafraum. Aber Torwart Leno ließ sich nicht mehr überwinden. So sorgten nur noch die Platzverweise für Leverkusens Innenverteidiger Spahic und sein Gegenüber Sokratis für Unruhe. „Die Leverkusener waren zweikampfstärker, bissiger“, sagte Dortmunds Kevin Großkreutz. „Wir haben verdient verloren, das müssen wir akzeptieren. Jetzt können wir noch ein bisschen drüber nachdenken, dann abhaken und Marseille schlagen.“ So heißt am Mittwoch der Gegner im entscheidenden Spiel ums Weiterkommen in der Champions League.

          Borussia Dortmund - Bayer Leverkusen 0:1 (0:1)

          Borussia Dortmund: Weidenfeller - Großkreutz, Friedrich, Sokratis, Durm - Bender (63. Reus), Sahin (82. Piszczek) - Blaszczykowski (67. Hofmann), Mchitarjan, Aubameyang - Lewandowski
          Bayer Leverkusen: Leno - Donati, Toprak, Spahic, Can - Bender, Rolfes, Castro (89. Kohr) - Hegeler (78. Kruse), Kießling, Son (82. Wollscheid)
          Schiedsrichter: Meyer (Burgdorf)
          Zuschauer: 80 645 (ausverkauft)
          Tor: 0:1 Son (18.)
          Gelbe Karten: - / Can (3), Castro (4), Hegeler (2), Wollscheid (3)
          Gelb-Rote Karten: Sokratis (90.+2/Unsportlichkeit) / -
          Rote Karten: - / Spahic (80./Tätlichkeit)

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